Thomas Maurer

Ick bin ein New Yorker

Betriebsschluss. Thomas Maurer schreibt monatlich eine Kolumne im vormagazin.

IM LAUFE MEINER LEBENSZEIT IST UNS DIE AMERIKANISCHE KULTUR NÄHER GERÜCKT BZW. DIE HEIMISCHE KULTUR AMERIKANISCHER GEWORDEN.

Ein Beleg für diese These könnte sein, wenn Sie, werter Leser, geschätzte Leserin, beim Lesen des obigen Satzes gar nicht erst darüber nachgedacht haben, ob ich die Kultur von Süd- oder Mittelamerika, Kanada oder eben der USA meine. Die klassischen, im Original im eindeutig kalifornischen Duckburgh angesiedelten Donald-Duck-Geschichten etwa mussten noch in der nicht minder klassischen Übersetzung von Dr. Erika Fuchs in ein merkwürdig ortloses, aber mit klassischen deutschen Klein- und Bildungsbürgertugenden gebeitztes Entenhausen verlegt werden. Und so richtig exotische, genuin US-amerikanische Themen haben noch echte Probleme aufgeworfen: Halloween etwa war in unseren Breiten dermaßen unbekannt, dass sämtliche, rund um diesen Brauch angesiedelten Donald-Duck-Stories in der Übersetzung mühselig in den Fasching verlegt wurden, was natürlich nie wirklich funktionierte.

Mittlerweile ist aber Halloween auch bei uns ein mindestens ebenso genuines Kulturgut wie, sagen wir, Volks-Rock’n’Roll. Alle, die auch nur hie und da nachts durch die Fernsehkanäle zappen, sind dabei verlässlich schon mehrfach über einen der zahllosen Horrorfilme der Halloween-Reihe gestolpert. Dass sich, je näher das Jahr 2016 in Richtung dieses Datums rückte, die Boulevardressorts der Medien umso hysterischer dem Gruselphänomen „Horrorclown“ widmeten, erschien irgendwie folgerichtig. Und auch dass Donald Trump gleichzeitig im Rollenfach „Horrorclown“ die Politikressorts der Medien immer mehr zu beschäftigen begann, hatte was von höherer Logik. Und so ähnlich, wie in der Halloween-Reihe der abgrundtief böse Michael Meyers am Ende jedes Films vermeintlich stirbt, nur um im nächsten in alter Unbesiegbarkeit wieder aufzutauchen, hat auch der Horrorclown Donald Trump sich aus allem, was erfahrungsgemäß die Karriere eines Politikers zuverlässig tötet – Rassismus, Sexismus, Steuerhinterziehung, gewohnheitsmäßiger Betrug, offensichtliche ordinäre Dummheit – frisch gestärkt erhoben.

Früher, als Erika Fuchs Halloween in den Fasching verlegte, hätte man sich noch gedacht: „Typisch Ami. Bei uns wär das nicht möglich.“ Heute aber wissen wir es besser.

  • www.wienspart.atThomas Maurer ©Christian Skalnik© Christian Skalnik

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