Thomas Maurer

Heiße Zeiten

Betriebsschluss. Thomas Maurer schreibt monatlich eine Kolumne im vormagazin.

Der Sommer in der Stadt hat eine eigene Erlebnisqualität, eine leise, eine sonnengesättigte, zufriedene Apathie.

Hardcore-Anhänger des echten Original-Alt-Wien werden vielleicht bemäkeln, dass sich seit einem bußgeldgestützten Kulturwandel die Wiener Gehsteige kaum noch im Schmuck ihrer traditionellen Sehenswürdigkeiten zeigen, den auf glühheißem Asphalt geruhsam vor sich hin köchelnden Hundstrümmerln nämlich.

Immerhin aber wird diesen Sommer, wer auf der Suche nach optischen Extremeindrücken jenseits des sogenannten guten Geschmacks ist, voraussichtlich in einer Unzahl sich in der Sonne wellender Wahlplakate befriedigenden Ersatz finden.

Auch eine direkte Begegnung mit wahlwerbenden Personen liegt im Bereich des Möglichen, zumal Christian Kern mit seinem Pizzaboten-Praktikum die Büchse der Populismus-Pandora geöffnet haben könnte. Eine 1:1-Wiederholung ist unwahrscheinlich, da sommers sogar der Gusto hartgesottener Gierschlunde tendenziell eher Richtung Salat als Pizza geht, ein vegetarischer Sommersnack-Fahrradzustellservice, bei dem die grüne Doppelspitze auf einem cool lackierten Tandem für nachhaltige Nahversorgung sorgt, ist aber zumindest denkmöglich.

H. C. Strache wiederum wird wohl zunächst in bewährter Manier durch einen langen Aufenthalt auf einer europäischen Partyinsel versuchen, Flüchtlinge vom Benutzen der Mittelmeerroute abzuschrecken, gelegentliche Freibier-Benefize für seine unter – von George Soros und dessen Chemtrails ausgelösten – Hitzewellen stöhnenden Anhänger werden aber wohl drin sein.

Wer weiß, vielleicht wird sogar Sebastian Kurz das gute alte Geilomobil auf Cabrio umrüsten und in „Wonder-Wuzzi-Wagon“ umtaufen lassen, um an belebten Plätzen dem ergriffen staunenden Volk zu demonstrieren, wie er Wasser in Wein und im gleichen Arbeitsgang retour in Wasser verwandelt. Und am Rande dieser Veranstaltungen wird wohl ein tapfer optimistisch lächelnder Matthias Strolz versuchen, Neos-rosa Eislutscher an verbliebene Skeptiker zu verteilen.

Ich selbst werde davon kaum was direkt mitbekommen, weil ich hinter herabgelassenen Jalousien an einem neuen Programm schreiben werde, das ich dann ab Herbst bühnenreif machen muss. Aus diesem Grund wird diese Kolumne ein paar Monate Pause machen. Ich danke für Ihr Verständnis und wünsche einen schönen Sommer.

  • www.wienspart.atThomas Maurer ©Christian Skalnik© Christian Skalnik

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