Thomas Maurer

Närrisches Treiben

Betriebsschluss. Thomas Maurer schreibt monatlich eine Kolumne im vormagazin.

Alle Jahre wieder: Lustigsein! Aber streng nach Kalender.

In früheren Zeiten, als die damals lebenden, bedau­ernswürdigen Menschen noch Erdbeeren nur im Sommer und argentinisches Rind nur in Argentinien zu essen bekamen, wurden auch die Faschingskrapfen im Fasching verzehrt.

Allerdings dürfte diese Zeit schon ziemlich lange zurückliegen. Von Wikipedia kann man erfahren, dass während des Wiener Kongresses, zwischen 1814 und Juni 1815 also, angeblich gut zehn Millionen Krapfen verzehrt wur­den, und es ist schwer vorstellbar, dass die alle im Februar gepampft worden sind.

Allerdings kann man puncto bevorzugten Reiseproviant alleine schon aus der sich alljährlich im Februar häufenden Staubzuckerbesäubung der Tramwaysitze einen gewissen Faschingskonservativismus ableiten.

Überhaupt ist ja der Fasching eine Zeit der vorausseh­baren Spontaniät. Da aber in aller Regel nur Kinder, Schau­spieler und zu Transvestitismus neigende Personen so richtig Spaß an aufwendiger Kostümierung haben, gehört auch der Anblick gefrusteter Prinzessinnen, erschöpfter, korpulenter Superhelden und volltrunken vor sich hin brabbelnder Cow­boys zu einem richtig traditionellen Fasching einfach dazu.

Auch der Ball­ und Gschnaskalender ähnelt sich von Jahr zu Jahr frappierend; und dass inzwischen für alle jene, deren Saisonhöhepunkt über Jahre die Opernball­-Demo war, mittlerweile die Anti­-Burschenschafter­-Ball­-Demo obligatorisch ist, stellt für Wiener Verhältnisse schon fast eine kleine Revolution dar.

Ebenfalls traditionell gibt es jedes Jahr eine meist von einem aktuellen Film oder Ereignis abgeleitete Verklei­dung, die sich ganz besonders gut verkauft. Man muss kein Prophet sein, um hier einen weiteren Sieg Donald Trumps vorherzusagen.

Und apropos: Zu hoffen bleibt, dass diese Tendenz zum defensiven Verharren im Bewährten uns zumindest vor Inno­vationen der Art bewahrt, die sich rund ums letztjährige Hal­loween im Importphänomen „Gruselclowns“ manifestierten. Denn mit Vorsatz und unter Krämpfen lustige Menschen sind schon in konventioneller Verkleidung schwer erträglich. Gruselcowboys, Horrorprinzessinnen und Serienmörder­schlümpfe braucht man da echt nicht auch noch.

  • www.wienspart.atThomas Maurer ©Christian Skalnik© Christian Skalnik

» zurück zur Übersicht