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Mittwoch, Januar 28, 2026

Geschichte mit Gegenwartsdrang: Das MAK Programm 2026

Beitragsbild: Lilli Hollein, Generaldirektorin des MAK, bei der MAK Jahrespressekonferenz vom 19. Jänner 2026 © MAK / Christian Mendez 

Nach einem Jahr, das das MAK hörbar zum Pulsieren brachte, legt das Museum für angewandte Kunst 2026 nach – und zwar mit einem Programm, das weniger auf Effekt als auf Tiefe setzt. Wer dachte, 2025 sei schwer zu toppen, wird eines Besseren belehrt: Das kommende Jahr liest sich wie eine kuratierte Liebeserklärung an Wien, an das Material, an das Denken – und an die Kunst als gesellschaftliche Praxis.

Die Stärke der Sammlung

2026 spielt das MAK seine größte Qualität souverän aus: die außergewöhnliche Bandbreite seiner Sammlung. Kaum ein anderes Museum vermag es, Wiener Moderne, Textilkunst und politisch aufgeladene Performance in einen überzeugenden Dialog zu bringen. Dieses programmatische Selbstverständnis verleiht dem Jahr eine besondere Relevanz.

WIEN 1900 und Textilien: Neuaufstellungen mit Gegenwartsbezug

Im Frühjahr folgen zwei lange vorbereitete Neuaufstellungen, die bewusst mehr sind als museale Reorganisationen.
WIEN 1900 – Alltag. Gesamtkunstwerk, konzipiert vom Künstler Markus Schinwald, denkt die Wiener Moderne jenseits des ikonischen Kanons: als gelebte Realität zwischen Wohnraum, Körper und sozialem Gefüge.

Parallel dazu eröffnet TEXTILIEN UND TEPPICHE in einer Gestaltung des international renommierten Designstudios Formafantasma neue Perspektiven auf Materialität, Handwerk und globale Verflechtungen. Textil wird hier nicht dekorativ gelesen, sondern als kultureller Speicher – sinnlich, politisch, aktuell.

MAK SCHAUSAMMLUNG TEXTILIEN UND TEPPICHE.
Seidener Mamluken-Teppich, Ägypten, 1. Hälfte 16. Jh.
Seide (Kette und Knoten), Wolle (Schuss)
MAK, T 8332 © Gerald Zugmann/MAK
MAK SCHAUSAMMLUNG TEXTILIEN UND TEPPICHE.
Kostüm für eine männliche Rolle im Nō-Theater,
gefertigt aus ziegelroter, floral gemusterter Seide, Japan, 18. Jh.
MAK, OR 236 © MAK/Georg Mayer

Helmut Lang: Ein Archiv mit weltweiter Resonanz

Bereits im Dezember fulminant gestartet, wirkt HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive weit ins Jahr 2026 hinein. Der enorme Publikumszuspruch und das internationale Medienecho – von Wallpaper über Vogue America bis Business of Fashion – unterstreichen eindrucksvoll: Das MAK ist längst ein globaler Resonanzraum für Mode als intellektuelle Praxis.

HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive. MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel SÉANCE DE TRAVAIL MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK
HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel SÉANCE DE TRAVAIL MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK

Christoph Schlingensief: Radikal, relevant, notwendig

Ab Mai rückt das MAK einen Künstler ins Zentrum, der die Grenzen zwischen Kunst, Politik und Leben kompromisslos verschoben hat. Mit der ersten umfassenden Einzelausstellung von Christoph Schlingensief in Österreich würdigt das Museum einen radikalen Denker und Grenzgänger, dessen Werk auch mehr als ein Jahrzehnt nach seinem frühen Tod nichts von seiner Dringlichkeit verloren hat. Schlingensief im MAK bedeutet: Reibung, Zumutung und Haltung.

GLANZSTÜCKE: Wenn Haute Joaillerie auf Museum trifft

Im Juni folgt mit GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels Haute Joaillerie × Meisterwerke der MAK Sammlungeine hochkarätige Ausstellungskooperation. Schmuck wird hier nicht als Statussymbol inszeniert, sondern als Ergebnis höchster handwerklicher und gestalterischer Präzision – im Dialog mit den Meisterwerken der Sammlung. Ein Funkeln, das Geschichte erzählt.

GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels Haute Joaillerie × Meisterwerke der MAK Sammlung. Clip Chrysanthemum, 1937
Platin, Gelbgold, Mystery-Set-Rubine, Diamanten
© Van Cleef & Arpels Collection
GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels Haute Joaillerie × Meisterwerke der MAK Sammlung Collier Zip, 1955
Verwandelbar in ein Armband
Platin, Gelbgold, Smaragde, Diamanten
© Van Cleef & Arpels Collection

Wohnen zwischen Hoffnung und Bruch: Die Zwischenkriegszeit

Zu den inhaltlichen Schwergewichten des Jahres zählt VOR EINBRUCH DER DUNKELHEIT. Die Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeit. Seit zwei Jahren arbeitet das MAK dafür mit der renommierten Bühnenbildnerin Anna Viebrock an einer Inszenierung, die Wohnräume als Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche begreift – und als Vorahnung einer fragilen Zeit.

Zahlen, die für sich sprechen

Dass diese programmatische Konsequenz Wirkung zeigt, belegen auch die Besucherinnenzahlen. MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein zieht eine erfreuliche Bilanz: „Wir konnten im Jahr 2025 185.210 Besucherinnen im MAK Wien begrüßen und verzeichnen ein sehr erfreuliches Besucherinnenplus von 16 %. Ins MAK gesamt, inklusive der Exposituren in Brtnice und Los Angeles, kamen 201.169 Besucher*innen, und damit knapp über 15 % mehr als im Vorjahr. 55.760 Besucher*innen kamen in die Ausstellung PECHE POP, die eine der bestbesuchten Ausstellungen der jüngeren MAK Geschichte ist. Auch unsere HELMUT LANG-Ausstellung ist von Start weg höchst erfolgreich …“
Hier geht es zum gesamten Jahresprogramm.

INFO:
mak.at

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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