Eine Nacht, 670 Museen und nur ein Ticket

Beitragsbild: © ORF / Hans Leitner

Bei der 26. „Langen Nacht der Museen“ öffnen rund 670 Museen, Galerien und Kulturinstitutionen ihre Türen bis Mitternacht. Besonders dicht ist das Programm in Wien und Niederösterreich, aber auch das Burgenland zeigt, wie vielfältig ein Museumsbesuch sein kann.

Von der großen Kunstsammlung Österreichs weiter zur kleinen Galerie, von Geschichte zu Gegenwart, von Wissenschaft zu Popkultur – und das alles mit nur einem Ticket. Am Samstag, dem 3. Oktober, findet die „ORF-Lange Nacht der Museen“ bereits zum 26. Mal statt. Von 18 bis 24 Uhr beteiligen sich rund 670 Kulturinstitutionen in ganz Österreich sowie ausgewählte Häuser in den Nachbarländern.

Das Prinzip ist so simpel wie erfolgreich: Ein Ticket öffnet an diesem Abend die Türen zu den teilnehmenden Häusern und gilt gleichzeitig für die Shuttlebusse. Das reguläre Ticket kostet 19 Euro, ermäßigt 16 Euro. Kinder bis zwölf Jahre sind kostenlos dabei.

Wien wird zu einem großen Museum

Nirgendwo lässt sich das Konzept der Langen Nacht wohl so konsequent ausreizen wie in Wien. Die hohe Dichte an Museen, Sammlungen, Galerien und ungewöhnlichen Kulturorten macht die Stadt für sechs Stunden (länger als üblich) zu einem einzigen großen Kunst-Parcours. Statt sich für ein Haus und eine Ausstellung zu entscheiden, wird Museumshopping ausdrücklich zum Konzept: hier eine Führung, dort eine Ausstellung, danach vielleicht ein Abstecher in eine Galerie, an der man im Alltag schon hundertmal vorbeigegangen ist.

Besonders praktisch: Das Ticket gilt am 3. Oktober zwischen 18 und 24 Uhr auch als Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel in der Wiener Kernzone. Dazu kommen eigene Shuttleverbindungen und Fußrouten. Ausgangspunkt für die übliche „Museumsrunde“ ist der zentrale „Treffpunkt Museum“ am Maria-Theresien-Platz, wo Tickets, Booklets und Informationen zu den verschiedenen Routen erhältlich sind.

Niederösterreich: 125 Häuser in einer Nacht

Wer den Blick über Wien hinaus richtet, findet in Niederösterreich eines der umfangreichsten Programme des Abends. 125 Museen und Sammlungen sind dabei, 43 davon bieten eigene Aktionen für Kinder. Zentrale „Treffpunkt Museum“-Standorte gibt es am Rathausplatz in St. Pölten und bei der Landesgalerie Niederösterreich in Krems.

Im Karikaturmuseum Krems stehen unter anderem politische Karikaturen von Oliver Schopf, Arbeiten von Gerhard Haderer sowie das „NEINhorn“ von Mark-Uwe-Kling mit Skizzen, Illustrationen und Mitmachstationen auf dem Programm. Das Museum Gugging feiert sein 20-jähriges Bestehen und lässt Besucher:innen beim Format „Licht an für die kUNSt.!“ einen abgedunkelten Ausstellungsraum mit Taschenlampen erkunden.

Im Stift Klosterneuburg wiederum öffnen sich Kunst- und Kulturschätze aus mehr als 900 Jahren, während das VISTA Science Experience Center aktuelle Forschung von künstlicher Intelligenz bis Astrophysik interaktiv vermittelt. In St. Pölten verbindet das Museum am Dom spätgotische Kunst mit Workshops und Führungen, im Haus für Natur des Museum Niederösterreich dreht sich bei „Tiere der Nacht“ passenderweise alles um das Leben nach Sonnenuntergang.

Wer weiter hinaus möchte, findet ebenfalls genügend Gründe dafür: Das 5-Elemente-Museum in Waidhofen an der Ybbs verbindet Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall mit multimedialen Installationen und Nachtwächterführungen. Das Ausstellungshaus Spoerri in Hadersdorf am Kamp widmet sich Erinnerungen, persönlichen Geschichten und sogar „sentimentaler Küche“.

Das Burgenland zwischen Liszt, Film und zeitgenössischer Kunst

Kompakter, aber nicht weniger abwechslungsreich präsentiert sich das Burgenland. 39 Museen und Sammlungen öffnen ihre Türen, 16 davon haben ein spezielles Kinderprogramm vorbereitet. Zentrum ist die Landesgalerie Burgenland in Eisenstadt, wo um 18 Uhr die Museumsnacht eröffnet wird und auch die Shuttlebusse starten.

Die Landesgalerie in Eisenstadt widmet dem burgenländischen Künstler Harro Pirch anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Landesmuseums eine umfassende Personale. Nur wenige Schritte weiter lässt sich in der Stadtvilla Eisenstadt die Entwicklung der burgenländischen Landeshauptstadt von Krieg und Besatzung bis zum Wiederaufbau nachvollziehen – inklusive Musik der 1950er- und 1960er-Jahre und einem nächtlichen Ausklang im Garten.

Außerhalb Eisenstadts gibt es auch einiges zu entdecken: Das Liszt Museum Raiding erzählt am Geburtsort Franz Liszts vom Leben und Wirken des Komponisten, begleitet von musikalischen Darbietungen. Das Freilichtmuseum Wander Bertoni in Winden am See ist erstmals bei der Langen Nacht dabei und zeigt rund 400 Skulpturen sowie Modelle und Grafiken des österreichischen Bildhauers – inklusive eines Eiermuseums mit mehr als 4.000 Exponaten. Im Film & Retro Museum Minihof-Liebau führt die Reise dagegen durch Filmgeschichte, Klassiker und alte Kinotechnik. Das Offene Haus Oberwart beschäftigt sich mit „Body-Modification“ zwischen Kultur, Identität, Medizin und Technologie.

Kultur kennt keine Grenzen

Auch abseits der Ostregion wird die Nacht dicht: In Kärnten beteiligen sich 77 Kulturinstitutionen, in Oberösterreich 52, in Salzburg 42, in der Steiermark 80 sowie in Tirol 52 Museen und Sammlungen. Doch die „ORF-Lange Nacht der Museen“ endet nicht an Österreichs Grenzen: Auch ausgewählte Kulturinstitutionen im benachbarten Slowenien sind Teil des Programms. Im Westen wird es ebenfalls international – dort beteiligen sich neben Vorarlberger Häusern auch Museen in Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland. Die Bandbreite reicht vom Ars Electronica Center in Linz und dem Haus der Natur in Salzburg über die Neue Galerie Graz und die Swarovski Kristallwelten bis zum neu gestalteten Museum Cavazzen in Lindau.

Kultur für die nächste Generation

Dass Museen längst nicht mehr nur Orte für leises Betrachten hinter Sicherheitslinien sind, zeigt das Kinderprogramm besonders deutlich. In ganz Österreich bieten zahlreiche Häuser Workshops, Rätselrallyes, Experimente, Kreativstationen und spezielle Führungen an. Beim Kinderpass wird jede Teilnahme an einem gekennzeichneten Programm mit einem Stempel belohnt. Ab drei Stempeln wartet ein kleines Überraschungsgeschenk auf die Kinder.

Das Spektrum reicht von Archäologie und Wissenschaft bis zu Kunst und Handwerk. Kinder können töpfern, schmieden, mikroskopieren, Rätsel lösen oder selbst kreativ werden. Damit ist die Lange Nacht auch für Familien eine Gelegenheit, Museum einmal anders zu erleben – weniger Schulstoff, mehr Entdeckungsreise.

Sechs Stunden, ein Ticket, ziemlich viele Möglichkeiten

Wer nicht spontan von Haus zu Haus ziehen möchte, kann seine Route vorab online planen. Das ist bei rund 670 teilnehmenden Institutionen vermutlich keine schlechte Idee. Andererseits gehört ein bisschen kulturelles Verlaufen vielleicht gerade zum Konzept. Denn wann sonst kann man an einem einzigen Abend zwischen Kunst, Wissenschaft, Geschichte und Popkultur wechseln – und das bis spät in die Nacht!

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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