Bücher, Melange und Wiener Lebensgefühl bei den „Buchwochen im Kaffeehaus“

Beitragsbild: Gemeinsam für die Wiener Kaffeehauskultur. (v. l. n. r.) Gerstner-General-Manager Stephan Ottmar Oefner, Dr. Helmut Schneider, Marie-Louise Prinz und Mag. Dr. Thomas Peschta beim Auftakt der „Buchwochen im Kaffeehaus“. © leadersnet.at / R. Brunhölzl

Mehr als 40 Wiener Kaffeehäuser, tausende Bücher zum kostenlosen Mitnehmen und vier Lesungen: Pünktlich zum Tag des Kaffees sind am 1. Oktober die „Buchwochen im Kaffeehaus“ gestartet. Bis 22. Oktober treffen dabei zwei Wiener Traditionen aufeinander: Kaffeehauskultur und Literatur.

Eine Melange, ein freier Tisch und ein gutes Buch: Viel mehr braucht es manchmal nicht. Dass diese Kombination besonders gut nach Wien passt, zeigte sich beim Auftakt der „Buchwochen im Kaffeehaus“ im Gerstner Palais Todesco. In exklusivem Rahmen wurde die neue Leseaktion präsentiert.

Wo Wien seit jeher liest

Initiiert wurde die Aktion von der Fachgruppe Gastronomie in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien gemeinsam mit dem echo medienhaus. Durch den Vormittag führte Mag. Thomas Taucher, Geschäftsführer der Fachgruppe Gastronomie. Die Idee dahinter: Das Kaffeehaus soll wieder verstärkt als jener Ort wahrgenommen werden, der es seit Generationen ist – Treffpunkt, Rückzugsort, Diskussionsraum und nicht zuletzt Platz zum Lesen und Schreiben.

Ein Buch zum Kaffee

Von 1. bis 22. Oktober beteiligen sich mehr als 40 Wiener Kaffeehäuser in zahlreichen Bezirken an der Aktion. Dort warten tausende ausgewählte Bücher darauf, entdeckt zu werden. Wer vorbeikommt, kann sich kostenlos ein Exemplar aussuchen und mit nach Hause nehmen.

Dabei geht es um mehr als eine nette Zugabe zur Melange: „Das Kaffeehaus ist nicht nur ein Ort für ausgezeichnete Heißgetränke und Süßspeisen. Es ist ein sozialer Schmelztiegel, an dem Menschen zusammenkommen, plaudern, philosophieren und nachdenken“, erklärte Mag. Dr. Thomas Peschta, Fachgruppenobmann der Wiener Gastronomie. Mit den Buchwochen wolle man dieses „zweite Wohnzimmer der Wienerinnen und Wiener neu beleben“.

Kaffeehauskultur kann mehr

Was für Wiener:innen selbstverständlich erscheint, ist längst auch Teil der internationalen Wahrnehmung der Stadt. Marie-Louise Prinz, Spartenobmann-Stellvertreterin Tourismus und Freizeitwirtschaft, brachte es beim Auftakt auf den Punkt: „Kaffeehauskultur bedeutet heute viel mehr, als Kaffee zu trinken. Sie ist ein Erlebnis, ein Miteinander und ein Ort des Austauschs – und genau das macht sie national wie international so besonders.“

Die Buchwochen knüpfen genau daran an. Sie liefern einen zusätzlichen Grund, ein wenig länger sitzen zu bleiben, das Smartphone zur Seite zu legen und sich stattdessen ein paar Seiten Zeit zu nehmen.

(v.l.n.r.) WKW Ausschussmitglied Norbert Zauner, Fachgruppenobfrau-Stv. Martina Haslinger-Spitzer, Fachgruppenobmann Sparte Gastronomie Mag. Dr. Thomas Peschta, Fachgruppenobfrau-Stv. Barbara Prilisauer, WKW Ausschussmitglied Georg Zorger, Vizepräsident Gremialobmann-Stv. KommR der WKO André Stolzlechner. © leadersnet.at / R. Brunhölzl

Zwei Inseln des Analogen

Gerade in einer immer digitaleren Welt haben Buch und Kaffeehaus etwas angenehm Unzeitgemäßes – und vielleicht sind sie gerade deshalb wieder so zeitgemäß. Dr. Helmut Schneider vom echo medienhaus sprach beim Auftakt von „Inseln des Analogen“.

„Das Kaffeehaus ist einer der letzten Orte des Analogen: Hier reden Menschen miteinander, hier wurde immer geschrieben, gelesen und Inspiration gefunden. Mit den Buchwochen bringen wir diese Tradition und das Buch ganz bewusst wieder zusammen.“

Das echo medienhaus verbindet Literatur und Stadt bereits seit vielen Jahren mit Projekten wie der Wiener Kriminacht und „Eine STADT. Ein BUCH.“. Auch bei den Buchwochen wurde deshalb bewusst ausgewählt: Statt beliebiger Restbestände warten Bücher mit Wien-Bezug auf neue Leser:innen.

Auftakt im Palais Todesco

Mit dem Gerstner Palais Todesco an der Kärntner Straße hätte der Start kaum passender stattfinden können. Zwischen Wiener Kaffeehaustradition und imperialem Ambiente wurde nicht nur über Literatur gesprochen, sondern auch darüber, wie sich kulturelles Erbe in die Gegenwart übersetzen lässt.

„Das Kaffeehaus ist ein Ort der literarischen Begegnung. Wir alle tragen dieses kulturelle Erbe gemeinsam und möchten dazu beitragen, es behutsam in die Zukunft zu führen“, betonte General Manager Stephan Ottmar Oefner. „Umso mehr freut es uns, die Buchwochen bei uns im Haus eröffnen zu dürfen.“

Nach dem offiziellen Teil ging der Vormittag entsprechend unkompliziert weiter: mit Gesprächen, Kaffee und natürlich Büchern.

Literatur live erleben

Doch nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln gibt es während der kommenden Wochen einiges zu entdecken. Vier Lesungen bringen Autor:innen direkt in Wiener Kaffeehäuser.

Am 6. Oktober von 17:30 bis 18:30 Uhr liest Barbara Rieger im Café Frauenhuber. Am 8. Oktober von 17 bis 18 Uhr ist Werner Vogel im Kaffee Alt Wien zu Gast. Max Gruber liest am 14. Oktober von 19 bis 20 Uhr bei franzundjulius, bevor Beate Maly am 15. Oktober von 17 bis 18 Uhr im das Kardinal den Abschluss der Lesereihe gestaltet.

„Buchwochen im Kaffeehaus“ bis 22. Oktober

Bis 22. Oktober heißt es nun in mehr als 40 Kaffeehäusern quer durch Wien: Platz nehmen, Kaffee bestellen, Buch aussuchen. Und vielleicht wieder einmal feststellen, wie gut es tut, für ein paar Seiten einfach nirgendwo anders sein zu müssen. Alle teilnehmenden Kaffeehäuser und die Termine der Lesungen sind auf der Landingpage der „Buchwochen im Kaffeehaus“ zu finden.

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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