Ein Packerl mehr für Menschen, die es brauchen: 5.000 Kilo Lebensmittel für Wien

Beitragsbild: © Volkshilfe Wien

Ein Packerl Reis, eine Flasche Öl oder ein paar Dosen mehr im Einkaufswagen – Unterstützung kann ganz unkompliziert sein. Rund um den Internationalen Tag gegen Armut ruft die Volkshilfe Wien auch heuer wieder zu einer großen Lebensmittelsammelaktion auf. Am 16. Oktober sammeln mehr als 100 Freiwillige vor ausgewählten SPAR-Filialen in allen Wiener Bezirken haltbare Lebensmittel für Menschen, die Unterstützung brauchen. Das Ziel für 2026: 5.000 Kilogramm an nur einem Tag.

Die Spenden kommen direkt der Lebensmittelausgabe der Volkshilfe Wien zugute, bei der jeden Dienstag Lebensmittel an armutsbetroffene Wiener:innen ausgegeben werden. Der Bedarf ist groß – und die gesammelten Tonnen helfen dabei, die Ausgabe auch in den kommenden Wochen gut zu versorgen.

Wir haben mit Volkshilfe-Wien-Geschäftsführerin Tanja Wehsely darüber gesprochen, was an diesem Tag besonders dringend gebraucht wird, wie aus einem zusätzlichen Produkt im Einkaufswagen konkrete Hilfe wird – und was es braucht, damit die 5.000-Kilo-Marke heuer gemeinsam geknackt wird.

vormagazin: Frau Wehsely, rund um den Internationalen Tag gegen Armut wird die Volkshilfe Wien in allen 23 Bezirken Lebensmittel sammeln. Was passiert an diesem Tag genau?

Tanja Wehsely: Am 16. Oktober stehen mehr als 100 unserer freiwilligen Helfer*innen vor ausgewählten SPAR-Filialen in allen 23 Wiener Bezirken. Wer einkaufen geht, kann haltbare Lebensmittel mehr in den Wagen legen und sie direkt am Ausgang bei unseren Freiwilligen abgeben. Aus diesen Spenden entstehen in den Wochen danach die Lebensmittelpakete, die wir bei unserer Ausgabe verteilen. Man hilft direkt und unmittelbar armutsbetroffenen Familien.

Das Ziel ist ambitioniert: 5.000 Kilogramm Lebensmittel an einem einzigen Tag. Wie viel bedeuten 5 Tonnen Lebensmittel für die Volkshilfe Wien – wie lange können Sie damit Menschen unterstützen?

Fünf Tonnen klingen erst einmal nach einer sehr großen Zahl, und das sind sie auch. Grob gesagt sichern uns solche Mengen etwa einen Monat unseres Bedarfs ab. Jedes Kilogramm, das am 16. Oktober gespendet wird, ist ein Kilo, das armutsbetroffenen Menschen zugutekommt. Zu viel gibt es nicht. 

„Jedes Kilogramm, das am 16. Oktober gespendet wird, ist ein Kilo, das armutsbetroffenen Menschen zugutekommt.“

-Tanja Wehsely

In den vergangenen Jahren sind bei solchen Aktionen oft mehrere Tonnen zusammengekommen. Wie groß ist die Bereitschaft der Wiener:innen, spontan beim Einkauf etwas für andere mitzukaufen?

Die Wiener:innen haben ein starkes soziales Bewusstsein. Die Bereitschaft ist beeindruckend und über die Jahre spürbar gewachsen. 2021 kamen an diesem einen Tag rund 3,1 Tonnen zusammen, letztes Jahr waren es circa 4 Tonnen. Das zeigt: Die Menschen in Wien wollen helfen – oft reicht schon der kurze Hinweis unserer Freiwilligen vor dem Geschäft, damit noch eine Packung mehr in den Wagen kommt.

Was soll konkret in den Spendenkorb? Welche Lebensmittel werden bei der Ausgabe besonders dringend benötigt?

Am dringendsten brauchen wir haltbare Grundnahrungsmittel: Reis, Nudeln, Mehl, Öl, Zucker, Kaffee und Tee sowie Konserven mit Gemüse oder Fisch. Genau aus diesen Produkten setzen wir unsere Lebensmittelpakete zusammen. 

Gibt es Produkte, die viele Menschen intuitiv spenden, von denen Sie aber bereits genug haben – und umgekehrt Dinge, die dringend gebraucht, aber häufig vergessen werden?

Wie eingangs gesagt: Es kann nicht zu viel sein. Erfahrungsgemäß kommen Nudeln und Reis fast immer in großen Mengen zusammen. Seltener, aber genauso wichtig sind Öl, Kaffee, Tee, Hygieneartikel oder Babynahrung – die werden oft „vergessen“, obwohl sie dringend gebraucht werden.

„Die Menschen in Wien wollen helfen – oft reicht schon der kurze Hinweis unserer Freiwilligen, damit noch eine Packung mehr in den Wagen kommt.“

-Tanja Wehsely

Worauf sollte man beim Einkauf achten? Müssen die Lebensmittel beispielsweise lange haltbar, originalverpackt oder besonders gut lagerfähig sein?

Ja, wichtig ist vor allem, dass die Lebensmittel lange haltbar und originalverpackt sind – also keine gekühlten oder frischen Produkte, sondern das, was auch bei Zimmertemperatur monatelang hält. 

Die Aktion findet rund um den Internationalen Tag gegen Armut am 17. Oktober statt. Warum ist gerade dieser Tag für die Volkshilfe wichtig?

Der 17. Oktober ist der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut und erinnert uns jedes Jahr daran, wie viele Menschen betroffen sind. Aktuell sind laut Statistik Austria rund 1,7 Millionen Menschen beziehungsweise 18,6 Prozent der Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet und somit um 157.000 Personen mehr als im Jahr davor – sprich: einmal ganz Salzburg. Wir wollen aufzeigen, dass Armut kein Randthema ist, sondern uns als gesamte Gesellschaft etwas angeht. Da der 17. Oktober heuer auf einen Samstag fällt, sammeln wir bereits am Tag davor, am 16. Oktober.

Ein Aktionstag schafft Aufmerksamkeit – Armut hält sich allerdings an keinen Kalender. Die Lebensmittelausgabe der Volkshilfe Wien findet jeden Dienstag statt. Wie wichtig sind die an diesem einen Tag gesammelten Lebensmittel für die kontinuierliche Versorgung?

Sehr wichtig. Unsere Ausgabe läuft jede Woche, aber der 16. Oktober ist der Tag, an dem wir einen wesentlichen Teil unserer Vorräte auffüllen. Ohne diesen einen intensiven Sammeltag und die Spendenbereitschaft der Menschen hätten wir – bzw. die Betroffenen – einfach zu wenig.

Was passiert mit einer Packung Reis, Nudeln oder Öl, nachdem sie vor einer SPAR-Filiale abgegeben wurde? Welchen Weg nimmt eine Spende, bis sie schließlich bei einem armutsbetroffenen Menschen in Wien ankommt?

Unsere Freiwilligen sammeln die Spenden direkt vor den SPAR-Filialen und bringen sie zu unserem Logistik-Center. Dort werden die Lebensmittel sortiert und zu Paketen zusammengestellt, die wir bei unserer wöchentlichen Ausgabe an armutsbetroffene Wiener:innen verteilen. Von der Packung Reis bis zum fertigen Paket vergehen in der Regel nur wenige Wochen.

Mehr als 100 Freiwillige machen die Aktion überhaupt erst möglich. Wer kann dabei mithelfen – und was müssen Interessierte tun, wenn sie selbst Teil der Sammelaktion werden möchten?

Mitmachen kann grundsätzlich jede und jeder – man braucht keine Vorerfahrung, nur ein paar Stunden Zeit und Lust, direkt vor Ort zu helfen. Wer helfen möchte, wendet sich an per E-Mail an uns unter freiwillig@volkshilfe-wien.at. Wer sich darüber hinaus engagieren möchte findet unter www.volkshilfe-wien.at all unsere freiwilligen Tätigkeiten: Von der Lernhilfe bis zur Unterstützung von alleinstehenden Menschen, wer helfen möchte, findet hier etwas!

Und zum Schluss ganz praktisch: Wenn unsere Leser:innen am 16. Oktober vor dem Supermarkt stehen und nur drei Dinge zusätzlich in den Einkaufswagen legen wollen – welche drei sollten es sein?

Wenn ich mich auf drei festlegen müsste: Öl, Konserven und Kaffee –  das sind die Produkte, die immer gefragt sind und bei uns am schnellsten wieder ausgehen. 

INFO:
www.volkshilfe-wien.at/gemeinsam-gegen-armut

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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