Beitragsbild: Die international gefeierte Violinistin und Krimiautorin Natasha Korsakova sorgte bei der Wiener Kriminacht für ein besonderes Erlebnis. Zwischen den Passagen ihrer Lesung griff sie immer wieder zur Geige und untermalte die spannenden Geschichten mit Musikstücken. © Elisabeth Lechner
Volle Kaffeehäuser und Krimispannung an beinahe jeder Ecke: Am 22. Oktober verwandelte die 22. Wiener Kriminacht die Stadt wieder in einen großen literarischen Tatort. Mehr als 30 Lesungen, bekannte Namen der heimischen Krimiszene und ein begeistertes Publikum machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis. Außerdem wurde der Wiener Krimipreis vergeben.
Einmal quer durch Wien, aber bitte mit Nervenkitzel
Wien und seine Kaffeehäuser sind seit jeher eng mit der Literatur verbunden. Dass diese Beziehung auch 2026 nichts von ihrer Faszination verloren hat, zeigte die Wiener Kriminacht am 22. Oktober. Mehr als 30 Lesungen fanden quer durch Wien statt und machten die Kaffeehäuser für einen Abend zu Schauplätzen fiktiver Verbrechen, ungewöhnlicher Ermittlungen und überraschender Wendungen.
Besonders schön war das in der Wiener Innenstadt zu beobachten. Hier musste man sich kaum zwischen den einzelnen Veranstaltungen entscheiden. Wer durch die Straßen spazierte, entdeckte entlang des Weges gleich mehrere teilnehmende Kaffeehäuser. Ein Krimi im ersten Bezirk, ein paar Gehminuten später der nächste. Das Konzept des Krimi-Hoppings ging auch in diesem Jahr auf und machte Literatur zu einem Erlebnis, das weit über eine einzelne Lesung hinausging.
Volle Häuser und ein diverses Publikum
Dass die Begeisterung für Kriminalliteratur in Wien ungebrochen ist, zeigte sich nicht zuletzt am großen Andrang. Zahlreiche Lesungen waren bereits im Vorfeld ausreserviert. Vor manchen Kaffeehäusern bildeten sich Warteschlangen.
Für Anna Pöttler, Geschäftsführerin von echo event, ist diese Resonanz ein gutes Zeichen: „Es ist schön zu sehen, wie groß die Begeisterung für die Kriminacht auch bei der 22. Ausgabe ist. Viele Lesungen waren bis auf den letzten Platz ausreserviert, und besonders freut uns, dass wir zunehmend auch ein jüngeres Publikum erreichen. Die Kriminacht bringt Menschen unterschiedlichster Generationen zusammen, begeistert für Literatur und macht die Wiener Kaffeehäuser zu lebendigen Orten der Begegnung.“
Von Kunstraub bis Mafia: Österreichs Crime-Szene vereint bei der Kriminacht
Der Abend hatte einiges zu bieten. ORF-Moderator und Autor Patrick Budgen entführte sein Publikum mit „Der Cicero-Coup“ in eine Seniorenresidenz, deren Bewohner:innen einen raffinierten Kunstraub planen. Angela Szivatz ließ in „Mörderisches Gspür“ die vermeintliche Idylle am Wolfgangsee durch gleich zwei Morde ins Wanken geraten. Stefan Slupetzky wiederum erzählte in „Nichts wie weg“ von einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen einer Wiener Zuckerbäckerin und einem finnischen Fälscher, denen plötzlich die albanische Mafia auf den Fersen ist. Auch Ursula Poznanski und Angelika Hager, die ihren Krimi „Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade“ präsentierte, sorgten für reichlich Nervenkitzel.
Dass Krimis und Kaffeehäuser hervorragend zusammenpassen, brachte Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien, mit einem augenzwinkernden Vergleich auf den Punkt: „Krimis und Kaffee haben ja schon seit jeher vieles gemeinsam: Sie sind dunkel und finster, oft ein wenig bitter und sie treiben den Blutdruck in die Höhe. In der Kriminacht im Kaffeehaus kommt somit zusammen, was zusammengehört. Literarischer und kulinarischer Genuss, und die Auflösung des Krimis ist dann das Sahnehäubchen am Cappuccino.“
Fabian Navarro holt den Wiener Krimipreis
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Verleihung des Wiener Krimipreises. Nominiert waren Angelika Hager, Ursula Poznanski, Fabian Navarro, Stefan Slupetzky und Martina Parker, die krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte. Durch die Preisverleihung führte Helmut Schneider, während unter anderem Heide Kunzelmann als Vertreterin der Stadt Wien, Autor und Drehbuchautor Ivo Schneider sowie Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, auf der Bühne zu Gast waren.
Die Wiener Buchhändlerin und Autorin Petra Hartlieb, die den Preis 2025 noch unter dem Namen Leo-Perutz-Preis gewonnen hatte, stellte die Nominierten vor und hielt die Laudatio auf den diesjährigen Gewinner: Fabian Navarro.


„Ich glaube es selber immer noch nicht so ganz, da muss ich erst noch drauf klarkommen. Es ist eine enorme Würdigung. Ich bin selber nicht aus Wien und habe mir die Stadt durch dieses Buch quasi angeschrieben. Dass das so gelungen ist, dass mir dafür ein Preis verliehen wird, bedeutet mir wirklich sehr viel“, erzählte uns Navarro nach der Auszeichnung.
Noch am selben Abend las Navarro im Café Museum aus seinem Roman „Vienna Falling“. Darin wird ein deutsches Touristenpaar während eines Wien-Aufenthalts unvermittelt in einen Kriminalfall verwickelt. Für Navarro ist es der erste Krimi mit menschlichen Hauptfiguren. Zuvor hatte er mit seiner Katzen-Krimiserie „Miez Marple“ auf sich aufmerksam gemacht.
Wenn Krimis auch musikalisch werden
Dass Spannung nicht ausschließlich zwischen zwei Buchdeckeln entsteht, bewies die international gefeierte Violinistin und Krimiautorin Natasha Korsakova. Die in Moskau geborene und in der Südschweiz lebende Künstlerin verbindet klassische Musik mit Kriminalliteratur und sorgte mit ihrem musikalisch-literarischen Beitrag für einen besonderen Programmpunkt.

© Stefan Diesner







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