Beitragsbild: (v.l.n.r.) Barbara Novak, Andrea Pier, Veronica Kaup-Hasler, Karin Ramser.
Bei den Vereinigten Bühnen Wien beginnt ein neues Kapitel: Andrea Pier übernimmt mit 1. Dezember 2026 die Geschäftsführung des traditionsreichen Kulturunternehmens. Ihr Vertrag läuft zunächst fünf Jahre.
Eine neue Chefin für drei große Wiener Häuser
Damit liegt die Zukunft von Raimund Theater, Ronacher und Theater an der Wien künftig in den Händen einer Managerin, die beide Seiten des Kulturbetriebs kennt: die künstlerischen Ambitionen ebenso wie die wirtschaftlichen Realitäten. Pier bringt langjährige Führungserfahrung aus internationalen Kultur- und Entertainmentorganisationen mit. Ihr Auftrag ist klar: Bewährtes fortführen, neue Ideen entwickeln und die internationale Strahlkraft des Wiener Musiktheaters weiter stärken.
Auf Franz Patay folgt Andrea Pier
Pier folgt auf Franz Patay, der die Vereinigten Bühnen Wien seit 2016 geleitet und während seiner zehnjährigen Amtszeit entscheidend geprägt hat. Unter seiner Führung entwickelten sich die VBW programmatisch und organisatorisch weiter. Nun steht ein Wechsel an, der Kontinuität verspricht, aber auch Raum für neue Akzente lässt.
Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak sieht in der Bestellung eine wichtige Weichenstellung: „Mit Andrea Pier gewinnen die Vereinigten Bühnen Wien eine erfahrene Führungspersönlichkeit mit großer Expertise im Kultur- und Entertainmentbereich. Sie bringt umfassende Managementerfahrung und strategische Kompetenz mit und ich bin überzeugt, dass sie gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen die starke Position der VBW weiter ausbauen wird.“
Auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler betont die besondere Aufgabe, die Pier übernimmt. Schließlich sind die Vereinigten Bühnen Wien kein gewöhnlicher Theaterbetrieb. Oper, Musical und Musiktheater treffen hier auf drei Häuser mit sehr unterschiedlichen Identitäten.
„Die Vereinigten Bühnen Wien stehen für eine große und erfolgreiche Wiener Kulturtradition und verbinden Oper, Musical und Musiktheater auf einzigartige Weise“, erklärt Kaup-Hasler. Raimund Theater, Ronacher und Theater an der Wien seien in den vergangenen Jahren generalsaniert worden und würden heute lokal wie international strahlen. Mit Pier komme eine Kulturmanagerin an die Spitze, die sowohl die Eigenheiten künstlerischer Arbeit als auch die wirtschaftlichen Anforderungen großer Kulturbetriebe kenne.
Einstimmige Entscheidung nach internationaler Suche
Die Geschäftsführungsposition wurde am 23. Mai 2026 gemäß Stellenbesetzungsgesetz ausgeschrieben. Bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 23. Juni gingen 19 Bewerbungen ein – neun von Frauen, zehn von Männern. Begleitet wurde das Auswahlverfahren vom externen Personalberatungsunternehmen Christoph la Garde. Nach der formalen Prüfung führte der Personalberater erste Gespräche mit den geeigneten Kandidat*innen. Daraus entstand eine Shortlist, auf deren Grundlage kommissionelle Hearings abgehalten wurden. Am Ende fiel die Entscheidung einstimmig auf Andrea Pier.
Überzeugt habe sie vor allem mit ihrer Management- und Führungserfahrung, ihrer strategischen Kompetenz und ihrer betriebswirtschaftlichen Orientierung. Entscheidend war zudem ihre Vorstellung davon, wie sich die Vereinigten Bühnen Wien in den kommenden Jahren weiterentwickeln können.
Karin Ramser, Geschäftsführerin der Wien Holding, spricht von wichtigen Impulsen für die Zukunft: „Im Auswahlverfahren hat Andrea Pier mit ihrer Erfahrung in der Steuerung komplexer Organisationen überzeugt. Ich bin überzeugt, dass sie damit wichtige Impulse für die weitere erfolgreiche Entwicklung der Vereinigten Bühnen Wien setzen wird.“
Gleichzeitig dankt Ramser dem scheidenden Geschäftsführer: „Franz Patay hat das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich geführt und die Vereinigten Bühnen Wien in dieser Zeit entscheidend weiterentwickelt.“
Von Stage Entertainment zur Kulturhauptstadt
Andrea Pier verbindet wissenschaftlichen Hintergrund mit jahrzehntelanger Praxis. Sie studierte Theaterwissenschaften an der Universität Wien und arbeitete anschließend mehr als 20 Jahre in unterschiedlichen Führungspositionen bei Stage Entertainment.
Dort war sie unter anderem als Theaterleiterin, Executive Producer und HR Director tätig. Sie verantwortete große Theater- und Tourneeproduktionen, entwickelte Organisationen und Teams weiter und sammelte umfassende Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Kunst, Personalführung und wirtschaftlicher Steuerung. Seit 2022 ist Pier Managing Director der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025. In dieser Funktion war sie maßgeblich am Aufbau der organisatorischen und wirtschaftlichen Strukturen beteiligt und trug Verantwortung für die Umsetzung des Kulturhauptstadtjahres. Darüber hinaus engagiert sie sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Kulturbereich, unter anderem bei der Deutschen Musical Akademie. Nun kehrt die Theaterwissenschaftlerin für eine der wichtigsten Kulturaufgaben der Stadt nach Wien zurück.

„Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe bei den Vereinigten Bühnen Wien und darauf, gemeinsam mit dem Team die erfolgreiche Arbeit der VBW weiterzuführen“, sagt Pier. Die VBW stünden für herausragende Kulturproduktionen und ein vielfältiges künstlerisches Angebot. Ihre Erfahrung und Leidenschaft wolle sie dafür einsetzen, diese Entwicklung fortzuführen und zugleich neue Impulse zu geben.
Drei Bühnen, bis zu 600.000 Gäste
Die Dimension der Aufgabe ist beachtlich. In Raimund Theater, Ronacher und Theater an der Wien besuchen jährlich bis zu 600.000 Menschen die Produktionen der VBW. Rund 500.000 davon entfallen auf die Long-Run-Musicals im Raimund Theater und im Ronacher. Mit etwa 700 bis 800 Mitarbeiter*innen gehören die Vereinigten Bühnen Wien zu den größten Mehrsparten-Theaterbetrieben Europas. Gleichzeitig sind sie einer der bedeutendsten Arbeitgeber der Wiener Kulturlandschaft.
Jedes der drei Häuser besitzt ein eigenes Profil. Raimund Theater und Ronacher stehen vor allem für große Musicalproduktionen. Das Theater an der Wien wiederum zählt zu den traditionsreichsten Bühnen der Stadt. Als Stagione-Opernhaus widmet es sich mehr als 400 Jahren europäischer Musikgeschichte – vom Frühbarock bis zur Gegenwart. Bei den International Opera Awards wurde das MusikTheater an der Wien zum Opernhaus des Jahres 2025 gekürt.
Wiener Musicals als internationales Kulturgut
Die Bedeutung der VBW endet nicht an der Stadtgrenze. Seit 1996 vermarktet das Unternehmen seine Eigenproduktionen international. Rund 31 Millionen Menschen in 24 Ländern haben die Wiener Musicals bisher gesehen – aufgeführt in insgesamt 18 Sprachen. Titel wie „Elisabeth“, „Mozart!“, „Tanz der Vampire“, „Rebecca“, „Rudolf“, „I Am from Austria“ oder „Der Besuch der alten Dame“ gehören längst zum kulturellen Exportinventar Österreichs. Sie zeigen, dass populäres Musiktheater aus Wien international funktionieren kann, ohne seine Herkunft zu verleugnen.
Diese Position soll auch unter der neuen Geschäftsführung weiter ausgebaut werden. Die VBW wollen für hochwertige Eigenproduktionen, international lizenzierte Musicals und ausgewählte Top-Titel stehen. Zum Profil gehören außerdem ein großes Sinfonieorchester, Kulturvermittlung, sozial gestaltete Preise, Nachwuchsförderung und eine konsequente internationale Ausrichtung.



