Beitragsbild: „We’re All in the Same Boat” (2021, Oulton Broad): Drei Kinder sitzen in einem undichten Wellblechboot – aus dem einst tröstlichen Corona-Motto vom gemeinsamen Boot wird hier ein bitterer Kommentar. © Dominik Gruss
Politisch, anonym, mit Werken, die auf Auktionen Millionen erzielen: Ab 23. Oktober bietet „House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“ in der METAStadt einen Streifzug durch Banksys Arbeiten – vor Ort neu gesprüht auf Beton und Backstein, mit Szenen von Krieg, Flucht und Überwachung.
Sein Gesicht bleibt verborgen, und trotzdem ist er allgegenwärtig: Im Oktober bringt „House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“ das bekannteste Phantom der Gegenwartskunst in die Wiener METAStadt. Über 150 Motive, von frühen Schablonen-Ratten bis zu neuen Interventionen, ergeben eine eigens für Wien arrangierte Pop-up-Werkschau des legendären Street-Art-Künstlers. Schon 2022 strömten rund 100.000 Neugierige zur Vorgängerschau in die Stadthalle; weltweit kamen zu den bisherigen Ausstellungen mehr als vier Millionen Menschen.

Vom anonymen Bristol-Sprayer zum Star der Kunstszene

Millionen für Werke des legendären Street-Art-Rebellen
Kunsthistorisch betrachtet sprengt Banksy das herkömmliche Bild des Graffiti-Sprayers. Er greift wiederkehrende Motive im Stil der Pop-Art auf und verbindet sie mit der Freude an Zweckentfremdung: Ein vertrautes Bild wird „entführt“, neu gedeutet und an einen falschen Ort versetzt. Immer entscheidend ist dabei der Rahmen – die Mauer, die Stadt, der Moment. Sein Verhältnis zum Markt bleibt widersprüchlich. Der Mann, der den Kommerz verspottet, erzielt mit seinen Arbeiten Rekordpreise. 2018 schnitt ein im Rahmen verborgener Schredder das Bild „Girl with Balloon“ unmittelbar nach dem Zuschlag in Streifen. Drei Jahre danach brachte das Relikt als „Love is in the Bin“ 18,5 Millionen Pfund (rund 21,8 Mio. Euro) ein. Mit dem Erlös anderer Werke unterstützt er Spitäler und Seenotretter auf dem Mittelmeer. Museen, die Street-Art lange ignoriert hatten, rissen sich bald um ihn; 2023 autorisierte er in Glasgow erstmals seit 14 Jahren wieder selbst eine Schau. Genau diese Gegensätzlichkeit zwischen Straße und etabliertem Kunstbetrieb macht ihn zum spannendsten Künstler seiner Generation.

Das erwartet Banksy-Fans bei der Schau in der METAStadt
Etwa 80 Prozent der gezeigten Motive existieren im Original nicht mehr oder sind nicht zugänglich: übermalt, abgetragen oder versteigert. Deshalb rekonstruiert sie ein international renommiertes Team von Graffiti-Artists direkt vor Ort auf Leinwand, Holz, Beton und Backstein; ergänzt wird das Ganze durch Fotografien, Skulpturen und Videoarbeiten. Im Mittelpunkt stehen Banksys große Themen: Krieg, Flucht, Überwachung und Klimawandel. Ein Multimedia-Guide fürs Smartphone ist in der Schau enthalten, und alle Texte liegen auf Deutsch und Englisch vor. Ein eigener Raum ist Banksys Rettungsschiff „Louise Michel“ gewidmet – Spenden dafür werden von den Veranstaltern verdoppelt. Die Ausstellung „House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“ kopiert nicht einfach die Straße, sondern öffnet den Blick für Geschichten und Zusammenhänge, die im Vorbeigehen oft verborgen bleiben.
Tipp: Direkt nebenan lockt ab 16. Oktober 2026 das Erlebnismuseum Bubble Planet in ein fantastisches Reich aus Ballonlandschaften, LED-Ozeanen und optischen Täuschungen – mit dem Kombiticket lassen sich beide Welten an einem Tag zu einem günstigeren Eintrittspreis entdecken.
INFO:
23.10.2026–28.2.2027
METAStadt, Dr.-Otto-Neurath-Gasse 3, 1220 Wien
Zeitslot-Tickets: house-of-banksy.com/wien und oeticket.com









