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Montag, Oktober 3, 2022

Die Beichte

Es kommt vor, dass ich lieber im Urlaub als in der Arbeit bin. Ich fühle mich deswegen natürlich schuldig, aber ich kann manchmal nicht widerstehen und hoffe, dass es niemand merkt. Ich habe mir vor zwei Wochen ein Gewehr gekauft. Es ist aus gelbem Plastik, wird mit Salz geladen und man schießt damit auf….Fliegen. (Das tue ich zwar nicht, bin zu sensibel – aber ich fand es schön, dass es so etwas gibt und musste es einfach haben) Dafür habe ich ein Piratenboot gekauft, das Seifenblasen macht. Offiziell für meine Kinder. Aber natürlich gefällt es mir selbst am allerbesten. Ich bin schon einmal der Versuchung erlegen, am Sonntag die Zeitung zu stehlen. Im vollen Wissen, dass das eigentlich verboten ist und sich nicht gehört. Ich schäme mich. Aber auch hier bringt nur radikale Offenheit reines Gewissen. Mir geht Wahlwerbung sagenhaft auf die Nerven, bin froh dass sie vorbei ist und wünsche mir trotz der Gefahr, als demokratiefeindlich zu gelten, eine Regierung wie bei den Wikingern von Flake: ein dummer aber kräftiger Chef mit langem Bart und Schwert, der einen schlauen Sohn hat, auf den er hört. Nein, damit meine ich niemanden bestimmten. Ja, das meine ich ernst. Wirklich. Ich wollte einen Drei Groschen Roman schreiben. Ich habe aber rechtzeitig gemerkt, dass es Schilling und Groschen gar nicht mehr gibt. Ich bin privat sehr gut aussehend, klug, leuchte im Dunklen und kann fliegen. Was viele nicht wissen: Dinge, die in der Zeitung stehen, sind nicht zwangsläufig richtig. Ich gehe hiermit einfach so an die Öffentlichkeit und beantrage Asyl in Russland. Zugegeben: das waren ganz schön brisante Geheimnisse. Aber so braucht wenigstens vorläufig niemand mein Telefon abhören und meine Emails überwachen.

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