Beitragsbild: © Oliver Topf
LONG READ. Mit ihren „Gartenkrimis“ hat Schriftstellerin Martina Parker ein neues Genre definiert und dem Südburgenland ein literarisches Denkmal gesetzt. Ein Gespräch über ihr druckfrisches Buch „Anbandelt“, KI und David Bowie.
Den klingenden Kommentar „Du bist a wunderbare wüde Henn“ hat Autorin Rotraut Schöberl unter ein Instagram-Posting von Martina Parker geschrieben. Es ist eine Liebeserklärung an eine außer-gewöhnliche Frau, die definitiv viel zu sagen hat.
Alle Fragen im Überblick:
- Stephen King hat mit dem Titel „Das Leben und das Schreiben“ ein Buch über das Schreiben veröffentlicht. Was bedeutet Ihnen das Schreiben? Und wie kann man sich diesen Prozess bei Ihnen vorstellen? Gibt es Rituale?
- Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
- Sie tun sehr viel in den Bereichen Marketing, PR, Social Media etc., um Ihre Werke zu promoten. Erfolg scheint kein Zufall zu sein?
- Was geht in Ihnen vor, wenn Sie Ihren Leserinnen und Lesern begegnen?
- Welche Emotion hatten Sie, als Sie erfuhren, dass Ihr Buch verfilmt wird?
- Mit wem würden Sie gerne einmal auf ein Glas Uhudler gehen?
- Sie schreiben in „Anbandelt“ über einen Wüstengarten …
- Haben Sie weitere Abenteuer des Klubs der Grünen Daumen geplant?
- Demnächst wird man die Schauplätze Ihrer Bücher auch auf eine neue Art entdecken können. Können Sie uns mehr darüber erzählen?
Stephen King hat mit dem Titel „Das Leben und das Schreiben“ ein Buch über das Schreiben veröffentlicht. Was bedeutet Ihnen das Schreiben? Und wie kann man sich diesen Prozess bei Ihnen vorstellen? Gibt es Rituale?
Schreiben kann an guten Tagen wahnsinnig beglückend sein und ist an schlechten unglaublich anstrengend. Und es wird auch nicht mit jedem Buch leichter. Ganz im Gegenteil, die Stimme der inneren Kritikerin wird mit Erfolg und Erfahrung oft lauter, da man die eigene Messlatte höher legt. Es dauert Monate bis Jahre, um ein Buch zu schreiben, und wir Autor:innen sind auch nicht jeden Tag gleich kreativ. Ich schreibe jeden Tag 2000 Wörter, das sind fünf Seiten. Wenn mich die Muse mal im Stich lässt, schreibe ich es am nächsten Tag um. Hätte ich nichts geschrieben, wäre da auch nichts, an dem ich weiterarbeiten kann, und ich würde tagelang den leeren Bildschirm anstarren.
Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
Claudia Rossbachers Steirerzwist. Meine Verlagskollegin Claudia und ich werden am 11.2. um 18:20 auf Instagram in einem Live-Talk über unsere Bücher sprechen. Wer möchte, kann sich dazuschalten.
Sie tun sehr viel in den Bereichen Marketing, PR, Social Media etc., um Ihre Werke zu promoten. Erfolg scheint kein Zufall zu sein?
Das gehört alles zu unserem Beruf dazu. Zum Glück macht es mir auch Spaß, in diesen Bereichen kreativ zu sein. Ich mag den direkten Kontakt auf Social Media und ich liebe es, mich zu vernetzen und burgenländische Produzent:innen vor den Vorhang zu holen. Mit dem Duftbauern Stefan Zwickl habe ich einen Leseduft entwickelt, der die Fantasie anregt. Mit Sandra Spiegel von der Pralinenmanufaktur in Bad Tatzmannsdorf eine spannende Krimischokolade, die im Mund knistert.
Was geht in Ihnen vor, wenn Sie Ihren Leserinnen und Lesern begegnen?
Sie sind immer sehr nett, fragen nach einem Selfie oder erzählen mir, was ihnen meine Bücher bedeuten. Die häufigste Frage ist immer, wann und ob Tom und Vera, zwei Protagonisten in meinen Gartenkrimis, zusammenkommen.
Welche Emotion hatten Sie, als Sie erfuhren, dass Ihr Buch verfilmt wird?
Zuerst Freude pur und dann die Angst. Hoffentlich versemmeln die das nicht. Aber die Produktionsfirma Gebhardt Production hat zum Glück sofort erkannt, dass Zuagroast kein 08/15-Krimi ist, sondern deswegen so erfolgreich, weil es etwas ganz Eigenständiges ist. Es waren dann drei Frauen, die geholfen haben, die DNA des Buches so gelungen in einen Film zu übersetzen. Regisseurin Claudia Jüptner-Jonstorff, Produzentin Dani Purer und Dramaturgin Regine Anour. Die drei zeichnen übrigens auch für den Erfolg des Weihnachtsfilms Aufputzt is verantwortlich.
Mit wem würden Sie gerne einmal auf ein Glas Uhudler gehen?
Mit David Bowie. Es hieß ja einmal, er würde das Madonnenschlössl in Bergwerk im Südburgenland kaufen. Schade, dass es nie dazu gekommen ist.
Sie schreiben in „Anbandelt“ über einen Wüstengarten …
Am Anfang dachte ich, ein Wüstengarten sei einfach nur viel Sand und ein paar einsame Kakteen. Aber weit gefehlt. Ich war total überrascht, als ich zu Recherchezwecken den Wüstengarten der Familie Gußmagg im steirischen Feistritztal besucht habe. So ein Wüstengarten ist viel grüner und blühender, als man denkt, und dort wachsen nicht nur schöne, sondern auch sehr gefährliche Pflanzen. Perfekt für einen Gartenkrimi.
Haben Sie weitere Abenteuer des Klubs der Grünen Daumen geplant?
Der siebente Band „Odraht“ ist schon im Lektorat und wird 2028 erscheinen. Bei der Reihe steht ja immer ein anderes Mitglied des Gartenklubs im Mittelpunkt. In diesem Buch wird es die Altbäuerin Mitzi sein. Die Reise geht also weiter.
Wer einmal erfahren hat, wie schön es ist, in eine Geschichte einzutauchen, will dieses Gefühl nie mehr missen.
– Martina Parker
Demnächst wird man die Schauplätze Ihrer Bücher auch auf eine neue Art entdecken können. Können Sie uns mehr darüber erzählen?
Gemeinsam mit Südburgenland Tourismus entstehen an den Drehorten meiner Krimis Plaketten mit QR-Codes. Dahinter kann man Filmausschnitte entdecken, darunter auch Szenen, die aus Zeitgründen nicht im Film zu sehen sind.
Außerdem wird es im Juni beim Gartentag im Schloss Kohfidisch und im September beim Kramuri ebenfalls im Schloss Kohfidisch geführte E-Bike-Touren geben, bei denen man die Originalschauplätze von Büchern und Film besuchen kann.
Dieser Teil des Interviews ist in der Printausgabe des vormagazins 2/2026 abgedruckt.
Wie würden Sie jemandem, der es nicht kennt, das Burgenland in wenigen Worten beschreiben? Viele kennen nur das Nordburgenland mit seiner flachen Landschaft und dem Steppensee. Das Südburgenland, wo ich lebe, ist hingegen sanft hügelig wie die Toskana und für mich das schönste Ende der Welt.
Welche Eigenheit des Burgenlandes bzw. der Burgenländerinnen und Burgenländer mögen Sie besonders? Die Menschen hier sind unglaublich gastfreundlich. Immer heißt es: Komm her, setz dich nieder, hast an Durst, hast an Hunger. Wir sind ein Land an der Grenze. In vielen Ortschaften wird auch Ungarisch oder Kroatisch gesprochen. Ich denke, dadurch sind die Menschen hier auch aufgeschlossener. Zuagroaste erzählen mir immer wieder, wie herzlich sie hier aufgenommen worden sind.
Manche sagen, das Burgenland sei ein Lebensgefühl …
Es ist ein bisschen entschleunigter als anderswo. Das Licht, der Wein. Wenn man am Eisenberg oder auf dem Csaterberg vor einem Kellerstöckl sitzt und über die Weinberge schaut, kann man gar nicht anders als entspannt sein.
Sie posten auf Ihrem Instagram-Account sehr unverblümt über die schwierige Lage der Buchbranche. Welche Zukunft hat das Buch?
Ich bin vorsichtig optimistisch. Der klassische Buchmarkt verliert zwar jedes Jahr Millionen Leserinnen und Leser, weil die Menschen lieber am Handy hängen als in ein Buch zu schauen, aber Bookstagram hat das Lesen bei Teenagern wieder zum Trend gemacht. Und wer einmal erfahren hat, wie schön es ist, in eine Geschichte einzutauchen, will dieses Gefühl nie mehr missen.
Wie denken Sie über das Thema KI bzw. welchen Einfluss hat sie auf Ihren Beruf?
Uns wird eingeredet, KI sei ein bloßes Werkzeug, ein Hilfsmittel. Man müsse sich weniger anstrengen, weniger selber denken. Aber genau darin liegt die Gefahr. Ich bekomme gerade unglaublich viele KI-Mails und KI-Interviewfragen, die alle gleich klingen und für mich eine ganz komische tote Energie haben. Die KI beseitigt Kontingenz, Abweichung, sie mag das Berechenbare. Unvorhergesehenes, Sprunghaftes, alles Dinge, die die Evolution vorangetrieben haben, sind für die KI statistische Abweichungen, die es zu korrigieren gilt. Der Philosoph Andrea Colimedici bringt es für mich am besten auf den Punkt: Wenn wir alle dieselbe KI nutzen, die geopolitisch mit denselben Daten trainiert und auf statistisch wahrscheinliche Ergebnisse optimiert ist, konvergieren unsere Gedanken und Wünsche. Wir sind nicht mehr sechs Milliarden getrennte Bewusstseine. Wir werden allmählich, aber unaufhaltsam zu sechs Milliarden Endgeräten, die durch das gleiche Modell geformt werden. Ziemlich dystopisch, nicht? Aber ich bin dennoch Optimistin. Echte, authentische Stimmen werden in diesem Einheitsbrei umso stärker auffallen. Auch und gerade in Kunst und Literatur.
Martina Parkers sechs Kriminalromane „Zuagroast“, „Hamdraht“ und „Aufblattelt“, „Ausg’stochen“, „Eintunkt“ sowie „Miss Vergnügen“ sind allesamt Bestseller. Am 11. Februar erscheint „Anbandelt“ im Gmeiner Verlag.

Über Martina Parker

Einst Journalistin – jetzt Bestsellerautorin
Martina Parker stammt aus Bad Tatzmannsdorf im Burgenland. Nach einer steilen Karriere als Lifestyle-Journalistin – sie reiste um die Welt und interviewte Persönlichkeiten wie Robbie Williams, Susan Sarandon, Cate Blanchett oder Karl Lagerfeld – rockt sie seit 2020 die heimische Buchbranche. Sie zählt zu den erfolgreichsten Autor*innen Österreichs, ihr Gartenkrimi „Zuagroast“ wurde mit Manuel Rubey, Hilde Dalik und Julia Koch verfilmt.
INFO:
martinaparker.com



