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Montag, November 28, 2022

Gedenkfeier auf dem Friedhof der Namenlosen

Bild: ©Wien Holding

Es gibt sie noch: einzigartige Orte in Wien, die ihre ganz eigene Geschichte erzählen. Im Alberner Hafen des Hafen Wien, dort, wo das Hafengelände schon wieder in den Auwald übergeht, findet man Wiens kleinsten und ungewöhnlichsten Friedhof. Am 6. November um 14.00 Uhr wird der Opfer der Donau und der Toten auf dem Friedhof der Namenlosen gedacht.

Am Friedhof der Namenlosen fanden die meist anonymen Opfer der Donau von 1840 bis zum Jahr 1940 ihre letzte Ruhe. Von vielen weiß man weder den Namen, noch wie sie gestorben sind. Bei anderen wurde die Identität nachträglich geklärt.

Gedenkfeier

Am Nachmittag des ersten Sonntags nach Allerseelen wird jedes Jahr der Opfer der Donau und der Toten auf dem Friedhof der Namenlosen gedacht. Die Mitglieder des Fischereivereins Albern versammeln sich dann, um ein von ihnen gebautes Floß, geschmückt mit Kränzen, Blumen und brennenden Kerzen, zu Wasser zu lassen. Auf dem Floß befindet sich auch ein symbolischer Grabstein mit der Inschrift „Den Opfern der Donau“ und der in den Sprachen Deutsch, Tschechisch und Ungarisch verfassten Bitte, das Floß, wenn es am Ufer hängen bleiben sollte, einfach weiterzustoßen.

Ruhestätte

Ein Wasserwirbel fing hier neben morschem Treibholz auch an die 600 Leichen ein. Ermordete, Unfallopfer, Selbstmörder*innen, Opfer ungeklärter Kriminalfälle – meist unbekannte Tote aus der Donau, die hier angeschwemmt und gleich begraben wurden. Die frühesten Gräber fielen durch Überschwemmungen immer wieder der Natur zum Opfer, daher wurde der Friedhof der Namenlosen im Jahr 1900 an seinen heutigen Standort verlegt, jenseits des Schutzdammes.

Die Grabstätten hier sind einfache, schmucklose Erdhügel, ohne Umrandung und ohne Grabstein. Geschmückt sind sie nur mit schlichten schmiedeeisernen Kreuzen – die einzigen Zeugen, die noch an die Opfer des Flusses erinnern. An manchen Gräbern findet sich noch ein Schild, auf dem „namenlos“, „unbekannt“, „männlich“, „weiblich“ oder ein Datum steht. Im Zeitraum von 1900 bis 1940 wurden am Friedhof rund 100 Wasserleichen beerdigt. Nur ein Teil davon konnte identifiziert werden.

Auf dem Friedhof der Namenlosen fand nach offiziellen Quellen die letzte Beerdigung im Jahr 1940 statt. Der stillgelegte Friedhof der Namenlosen wird heute vom Hafen Wien sowie der Stadt Wien erhalten.

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