Österreichisches Ehrenkreuz für Art-Brut-Wegbereiter Johann Feilacher

Beitragsbild: Große Ehren für Prof. Dr. Johann Feilacher – der langjährige Gugging-Leiter ist nicht nur als Art-Brut-Pionier bekannt, sondern wird auch selbst als Künstler für seine monumentalen Holzplastiken hochgeschätzt. © galerie gugging

Mit seinem Wirken hat Johann Feilacher Gugging als international viel beachtetes Zentrum der Art Brut geprägt. Nun wurde der Psychiater, Bildhauer und Kunstvermittler mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

Am 13. Oktober erhielt Johann Feilacher das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst; überreicht wurde es im Auftrag des Bundespräsidenten. Damit wird ein Wegbereiter geehrt, der zwei selten zusammen gedachte Bereiche verband: Psychiatrie und bildende Kunst. Was er in fast vier Jahrzehnten in Gugging aufgebaut hat, reicht weit über Niederösterreich hinaus und wirkt in Ateliers, Museen und Sammlungen rund um die Welt.

Vom Befund zum Kunstwerk

Manchmal verändert sich die Kunstwelt, weil jemand gewohnte Grenzen nicht akzeptiert. Johann Feilacher gehört zu diesen Persönlichkeiten. Der 1954 in Villach geborene Mediziner kam 1983 nach Gugging, wo er sich bald für einen grundlegend anderen Umgang mit den dort künstlerisch tätigen Menschen einsetzte. Als er drei Jahre später die Leitung übernahm, gab er dem Zentrum den Namen „Haus der Künstler“. Dahinter stand eine klare Überzeugung: Die schöpferische Arbeit sollte für sich sprechen und nicht durch die medizinische Geschichte ihrer Urheber definiert werden. Aus dieser Haltung entwickelte Feilacher ein Konzept, das Selbstbestimmung und künstlerische Eigenständigkeit in den Vordergrund rückte. Im Jahr 2000 wurde die Künstlergemeinschaft organisatorisch aus dem psychiatrischen Klinikbetrieb herausgelöst. Damit entstand eine neue Grundlage für selbstbestimmtes Leben und Arbeiten. Die Kunstschaffenden sollten ihre individuellen Ausdrucksformen entwickeln können, ohne dass ihre Werke vorrangig unter therapeutischen Gesichtspunkten beurteilt wurden. Feilachers Engagement veränderte so die Wahrnehmung eines außergewöhnlichen künstlerischen Umfelds und schuf Voraussetzungen dafür, dass die Arbeiten aus Gugging ein eigenständiges Publikum fanden.

Gugging auf der Weltbühne der Kunst

Wie visionär dieser Weg war, zeigt die Entwicklung des Standorts zu einer international beachteten Adresse für Art Brut. Feilacher trieb Ausstellungen voran, förderte die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Werken und stärkte die öffentliche Präsenz der Künstlerinnen und Künstler. Ein wesentlicher Meilenstein war 2006 die Eröffnung des museum gugging, das er gemeinsam mit Nina Katschnig gründete. Neben den Arbeiten aus Gugging eröffnet das Haus Einblicke in internationale Positionen der Art Brut und weitere künstlerische Strömungen. Bis zu seinem Ruhestand 2022 prägte Feilacher das Museum als künstlerischer Leiter. Seine eigene schöpferische Arbeit bildet eine weitere Facette seines Wirkens: Als Bildhauer gestaltet er vor allem Holz zu ausdrucksstarken Skulpturen, die vielfach durch ihre Dimension und unmittelbare Formensprache auffallen. Das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst würdigt nun seine Verdienste um die Kunst und ihre Vermittlung. Feilachers Arbeit steht für einen erweiterten Kunstbegriff, der individuelle Kreativität ernst nimmt und eingefahrene Wertmaßstäbe hinterfragt. Gugging ist damit nicht nur ein Ort für besondere Sammlungen und Ausstellungen, sondern auch ein Beispiel dafür, wie sich die gesellschaftliche Wahrnehmung von Kunst verändern kann.

Neue Schau: August Walla zum 90er

Auch August Walla, einer der eigenwilligsten Künstler aus Gugging, steht derzeit im Blickpunkt. Der Künstler, geboren 1936 in Klosterneuburg und dort 2001 gestorben, wäre heuer 90 Jahre alt geworden. Das Stadtmuseum nimmt dies zum Anlass und richtet ihm gemeinsam mit der galerie gugging ab Samstag, 17. Oktober, eine Gedenkausstellung aus. Der Titel stammt von Walla selbst: „Klosterneuburg, da ist mein schönstes Paradies“. Im Mittelpunkt stehen persönliche Briefe und Fotografien, die von der tiefen Verbundenheit des Künstlers mit seiner Heimatstadt erzählen. Ein eigensinniger Kosmos aus erfundenen Gottheiten, selbst geschaffenen Alphabeten und rätselhaften Zeichen, der sich bis heute nicht vollständig entschlüsseln lässt. Walla, der von 1983 bis zu seinem Tod im Haus der Künstler in Gugging lebte, verdeutlicht mit seinem Werk, wie wichtig es ist, individuellem künstlerischen Ausdruck Raum zu geben und ihn ernst zu nehmen – ein Anliegen, für das sich Johann Feilacher über Jahrzehnte eingesetzt hat.

INFO:
galeriegugging.com
museumgugging.at
klosterneuburg.at/Stadtmuseum

Michaela Görlich
Michaela Görlich
Chefredaktion

Latest Posts

Erstellt am:
Anzeige

Für den vormagazin-Newsletter anmelden – Bleib mit uns in Bewegung

Neueste Beiträge