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Samstag, Juli 20, 2024

„Verlierer sind oft die besseren Menschen“ – Manfred Rebhandl

Teyt: Andrea Buday | Foto: ©Stefan Burghart

Cool. Manfred Rebhandl – seit kurzem Jury-Vorsitzender des Kurzkrimi-Wettbewerbs anlässlich 20 Jahre Kriminacht – lässt seinen Superschnüffler Rock Rockenschaub wieder ermitteln.

„Hundert Kilo Einsamkeit“, titelt Manfred Rebhandls neuer Krimi rund um den stets in Geldnöten steckenden Superschnüffler Rock Rockenschaub, der – wie der Titel bereits vermuten lässt – ordentlich zugenommen hat, weil einsam und unglücklich. Der Mord am 104-jährigen Django in einem Luxus-Pensionistenheim lenkt den kauzigen Privatermittler etwas ab. Zudem wird ein Innenstadt-Palais in die Luft gesprengt und ein paar seiner Freunde wie u. a. der steinreiche Herschel verkomplizieren sein ohnehin schon recht chaotisches Leben. Und auch ein Ziegenbock spielt keine unbedeutende Rolle.

vormagazin: In Ihrem Krimi finden sich viele Versager bzw. Lebenskünstler, deren Sprache von Buch zu Buch deftiger wird, oder?!

Manfred Rebhandl: Nein, im Gegenteil. Ich halte mich zurück und zähme mich sehr (schmunzelt), auch dem Verlag zuliebe.

Was sagt eigentlich Ihre Tochter zu Ihren Krimis?

Sie will in erster Linie wissen, warum ich noch nicht so berühmt wie Taylor Swift bin. Das wundert sie (lacht).

Liest sie Ihre Bücher?

Ich kenne keine 17-Jährige, die liest. Das gibt es nicht, aber sie hat das eine oder andere darüber gehört. Aber ich kenne Mütter, die mir sagen: „Ich bin dir so dankbar, der Bub hat endlich ein Buch gelesen. Deines!“ Darüber freue ich mich dann auch. Andererseits: Es ist nie zu spät, das Lesen zu entdecken. Man muss nur eines Tages auf ein Buch stoßen, das einen packt. Bei mir war es Henry Millers „Stille Tage in Clichy“, in dem er u. a. viele andere Autoren erwähnt, die ich danach ebenfalls gelesen habe.

Und heute lesen Sie bei jeder Gelegenheit?

Ich verbringe viel Zeit mit Lesen. Gleichzeitig bin ich sehr verzweifelt über all die Dinge, die mich ablenken, wie etwa das Internet.

Sie meinen Social Media?

Nicht nur die sozialen Plattformen, sondern diese permanente Verfügbarkeit von Informationen. Jederzeit, wenn einem kurz fad ist, schaut man aufs Handy oder geht zum Computer und holt sich zum Beispiel die neuesten Fußballergebnisse. Man braucht ja nur mit der U-Bahn zu fahren, dann sieht man, dass fast alle aufs Handy starren. Die jungen Frauen sind vor allem mit Fetzen bzw. Shopping beschäftigt. Meine Tochter kauft – wie übrigens auch der Herr Papa – nur Vintage, also Second Hand.

Wie streng sind Sie als Vater?

Nicht sehr streng, aber es gibt ein paar Dinge, die sind unverrückbar: Drogen und Schule – und heuer maturiert sie, worauf ich sehr stolz bin.

Kehren wir zum Buch zurück. Neben Übergewicht und Einsamkeit widmen Sie sich auch der Altersversorgung. Wo haben Sie recherchiert?

Meine Mutter – sie ist inzwischen dement – ist in einem Heim, wo ich sie regelmäßig besuche. In meinem Buch ist es eine fiktive Seniorenresidenz für Reiche, die Realität ist brutaler und trauriger, weil es u. a. nicht mehr viel Anregendes für den Kopf gibt. Andererseits: Meine Mutter ist in Sicherheit und versorgt. Meine Überlegung war, was mit uns einmal passiert, wenn wir – die Babyboomer-Generation – alt sind. Was ist in 30 Jahren? Darüber nachzudenken, macht Sinn. Es wird vermutlich ein Rennen um die freien Plätze. Oder man dankt vorher ab. Oder man bleibt bis zuletzt gesund.

Rock Rockenschaub wird bei seinem Tabletten-, Drogen- und Alkoholkonsum nicht alt.

Vermutlich. Aber man weiß ja nie. Wer hätte gedacht, dass Keith Richards jemals 80 Jahre alt wird (lacht).

Wie viel Rebhandl steckt denn in Rockenschaub?

Ich wünschte, es wäre mehr (lacht). Er ist meine Idealvorstellung. Seine bewusste Entscheidung, sich allem zu verweigern, gefällt mir.

Ein Überlebenskünstler, der auf das Erbe seines reichen Freundes Herschel hofft …

Das stimmt. Allerdings bin ich auch regelmäßig in Vorstadt-Kaffeehäusern auf der Suche nach älteren Damen mit schnittigem Mercedes und einem Zinshaus (lacht).

Auch auf Friedhöfen und in Altersheimen unterwegs?

Nein, aber Sie bringen mich auf eine gute Idee. Danke (lacht).

Bei der Jubiläumsausgabe der Wiener Kriminacht (am 29. 10.) sind Sie erneut dabei. Wie wichtig sind solche Events für Autoren?

Für Kollegen, die dort Bücher verkaufen, sind diese Veranstaltungen wichtig. Ich hingegen verkaufe nichts. Ich bin einfach zu gut für diese Welt (schmunzelt). Nein, im Ernst, ich bin grundsätzlich zufrieden mit meinem Leben. Ich mache, was ich will. Ich bin immer im Fluss, bin nach wie vor neugierig, offen, frisch und saftig. Und genieße mein Leben.


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