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Dienstag, Dezember 6, 2022

VORbilder: Karin Klaric

"Freunde schützen“ – das ist das Motto, unter das Karin Klaric ihre Arbeit stellt. Sie bietet Rechtshilfe an, in besonders heiklen Fällen. Ihre Klienten sind vor allem Menschen, die nach Österreich geflüchtet sind, hier Asyl beantragt haben und abgelehnt worden sind – das allerdings zu Unrecht, wie Karin Klaric sagt: „Der bekannteste Fall, in dem wir helfen konnten, waren die Komani-Zwillinge, das war 2010. Zwei achtjährige Mädchen und ihr Vater sind damals unter großem Polizeiaufgebot abgeholt und in den Kosovo gebracht worden, obwohl sie die Kriterien erfüllt haben, um bleiben zu dürfen – und das, während die Mutter im Spital gelegen ist. Wir haben das dokumentiert und aufgezeigt, viele Medien haben berichtet, viele Menschen haben uns unterstützt, und die Kinder konnten dann mit dem Vater wieder nach Österreich zur Mutter zurückgebracht werden. Und eben doch legal hierbleiben. Es ist kein Einzelfall, dass Familien, die einen Asylantrag gestellt haben, sich gut integrieren, Deutsch lernen, dass die Kinder hier jahrelang in die Schule gehen, dann abgeschoben werden sollen, obwohl es rechtliche Möglichkeiten gibt, dass sie bleiben können“, sagt die Rechtsberaterin. „Bisher waren es bereits über 570 Fälle, in denen die Entscheidung über die Abschiebung letztlich wieder aufgehoben worden ist und die Familien doch in Österreich bleiben durften. Diese Menschen kommen aus Armenien, Georgien, Somalia, Nepal, China oder Äthiopien – die haben sich in Österreich gut integriert, aber sie haben keine Lobby. Die möchten wir unterstützen.“ Der Verein, den Karin Klaric gemeinsam mit einigen anderen gegründet hat, nennt sich „Purple Sheep“ – quasi „Violettes Schaf“: „Wir wollten mit dem Vereinsnamen ein bisschen Farbe in den tristen Alltag des Asylthemas bringen; sonst gibt’s da nicht viel zu lachen, stelle ich Tag für Tag fest“, erklärt die 36-Jährige. Für wen sich der Verein wirklich stark macht, ist allerdings auch genau definiert. „Wer von uns vertreten wird, muss unbescholten sein, darf sich nichts zu Schulden kommen haben lassen“, betont Karin Klaric und stellt gleich klar: „Wenn eine Abschiebung rechtlich korrekt gelaufen ist und richtig begründet ist, dann kann man sich auch nicht dagegenstellen.“

Viele Leute meinen, wenn jemand abgeschoben werden soll, dann wird das schon seine Berechtigung haben. Das mag in vielen Fällen stimmen. Aber in manchen eben ganz sicher nicht. Da gilt es, herauszufinden, welche Fälle das sind, wo ein Fehler passiert ist.“ Eigentlich schon Zeit ihres Lebens hat die studierte Kommunikationswissenschafterin für Gerechtigkeit gekämpft: „Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen. Meine Mutter war Alleinerzieherin und hat immer sehr wenig Geld gehabt, aber ich habe eine sehr behütete und liebevolle Kindheit in der Steiermark genossen. Meine zehn Jahre ältere Schwester ist allerdings schwer geistig und körperlich behindert, und ich habe nie verstanden, warum sie verspottet und ausgelacht worden ist. Solche Ungerechtigkeiten regen mich unglaublich auf. Ich möchte, dass Menschen fair behandelt werden.“ Die freiberufliche Tätigkeit als PR-Beraterin hat Karin Klaric daher bald aufgegeben, um zuerst bei der Caritas, dann beim Verein Ute Bock und jetzt in ihrem Verein „Purple Sheep“ ehrenamtlich ihrer Berufung zu folgen. Der Preis dafür ist ein Leben mit vielen Entbehrungen: „Geld war mir nie wichtig. Wir leben derzeit gemeinsam vom Einkommen meines Freundes. Man kann auf vieles verzichten. Ich sehe bei unseren Klienten täglich, mit wie wenig man mitunter auskommen muss – und arbeite eigentlich rund um die Uhr.“ Das ist auch notwendig, denn 70 Menschen leben jetzt in einem Haus in Meidling, das der Verein betreut, darunter 40 Kinder. Ein privater Immobilientreuhänder hat das Haus zur Verfügung gestellt, nachdem ein Schulfreund seines Sohnes von einer Abschiebung betro en war, und unterstützt den Verein jetzt großzügig.

Karin Klaric1 ©Bubu DJumic

„Ohne Unterstützer wäre das alles nicht möglich. Einen Beitrag hat Licht ins Dunkel geleistet. Wir haben viele namhafte Künstler, die uns helfen, wie Robert Palfrader oder Josef Hader. Wir dürfen etwa im Rabenhof nach Vorstellungen für unser Projekt sammeln. Aber wir brauchen auch jede Menge Sachspenden – von Möbeln über Kleidung bis zu Lebensmitteln – für unsere Hausbewohner. Manchmal können wir die Stromrechnung nicht mehr bezahlen. Dann bleibt’s auch eine Zeit lang kalt und finster“, beschreibt Karin Klaric ihren Alltag. Damit nicht genug, ist vor wenigen Tagen noch ein Lokal in einem Stand auf dem Meidlinger Markt zu der vielen Arbeit dazugekommen. Das nennt sich „Purple Eat“ und wartet mit Speisen aus aller Welt auf: „Wir bieten hier nur Speisen nach Originalrezepten unserer Hausbewohner an. Mit dem Kochen haben die eine Aufgabe, und das Essen kommt sehr gut an.

Außerdem ist das Lokal ein Ort der Begegnung für unser Gemeinschaftsprojekt.“ Wenn Karin Klaric an die Zukunft denkt, machen sich Sorgenfalten in ihrem Gesicht breit, da hilft es auch nichts, dass sie demnächst den Meidlinger Frauenpreis für ihre Arbeit entgegennehmen darf: „Eigentlich wollten wir mit unserem Verein rasch die Probleme lösen, haben das zunächst auf ein Jahr angelegt und wollten dann wieder zumachen. Danach schaut’s derzeit gar nicht aus. Viele Fälle dauern jahrelang, bis es ein Ergebnis gibt.“ Aber was sie sich wünschen würde, wenn alle Fälle gelöst sind, weiß Karin Klaric: „Dann würde ich gerne aufs Land ziehen, vielleicht einen Biobauernhof betreiben, die Ruhe genießen und wieder einmal ausreichend schlafen – das wäre ein Traum.“ In Wirklichkeit glaubt sie allerdings nicht, dass sich der so schnell erfüllen wird: „Ich glaube fast es ist egal, wo man mich hinsetzt, ich finde immer etwas, wo ich sage, das ist ungerecht – und dafür möchte ich mich einsetzen.“

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