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Freitag, Dezember 2, 2022

VORstellung Deborah Sengl

Wie Fabelwesen anmutende Gestalten, die sich eher in Horrorfilmen au fhalten würden als in Kinderbüchern – das sind Deborah Sengls zentrale Figuren. Der Kindheitstraum der 1974 in Wien geborenen Künstlerin war es ursprünglich, Insektenforscherin zu werden. In eine Künstlerfamilie hineingeboren, entschloss sie sich jedoch nach der Matura, die Tradition ihrer Familie fortzusetzen. Auf Anraten ihrer Mutter, die die Höhen und Tiefen einer Künstlerkarriere hautnah erlebt hat, studierte Sengl nicht nur visuelle Mediengestaltung an der Universität für angewandte Kunst, sondern auch Biologie.

Little Darling ©Ingo Pertramer

Tiere haben Deborah Sengl seit jeher fasziniert, auch Tierpräparate waren für sie nie befremdend, waren diese doch ein wesentliches Dekorationselement des Elternhauses. Besonders beeindruckt sie die Mimikry der Tiere, sind doch das Tarnen und Täuschen schon seit ihrem Studium die Hauptthemen ihres künstlerischen Scha ffens. Tiere, genauer Tierpräparate, agieren in ihren Kunstwerken als Metapher für den Menschen schlechthin. Ihr künstlerischer Anspruch ist es, das menschliche Verhalten gesellschaftskritisch zu hinterfragen und den Betrachter zur Reflexion seines eigenen Seins anzuregen. In ihrem Oeuvre finden sich Zeichnungen, Malereien und Skulpturen, zuweilen auch Installationen. Stets beschäftigt sie sich mit Themenblöcken, die sie künstlerisch bearbeitet und mit einem Werkzyklus abschließt. Vergleichsweise setzt sich Sengl in der Serie "All you can lose" mit dem Diäten- und Essens-Wahn sowie der dazugehörenden Industrie auseinander. Der Werkzyklus zu diesem Thema umfasst drei Malereien, etwa ein Dutzend Zeichnungen und eine Skulptur – mehr Werke wird es zu diesem Thema nicht geben.

All you can lose ©Ingo Pertramer

In ihrer aktuellen und ersten musealen Einzelausstellung, die noch bis 25. 5. 2014 im Essl Museum zu sehen ist, inszeniert Deborah Sengl "Die letzten Tage der Menschheit" nach Karl Kraus. Die Aktualität des in den 1920er Jahren geschriebenen Theaterstückes und dessen inhaltliche Parallelen zu ihrer eigenen Arbeit bewegten sie dazu, sich mit dem Werk künstlerisch auseinanderzusetzen. Innerhalb eines Jahres – was sie als die größte Herausforderung in ihrem bisherigen Scha ffen erlebte – erarbeitete sie gemeinsam mit einem Tierpräparator 44 skurrile Szenerien mit präparierten Ratten.

Die letzten Tage der Menschheit ©Ingo Pertramer

Nicht nur die Ausstellung im Essl Museum ist äußerst sehenswert – gespannt dürfen wir auch auf die kommende Show in der Galerie Hilger sein, die am 17. 5. 2014 eröff net. Die Skulptur "And Cut!" spielt dabei die Hauptrolle. Dargestellt ist ein sitzender Schauspieler im Anzug, der in einen Theaterspiegel blickend einen Hundekopf als Maske überstülpt. Die Figur ist von der zentralen Frage geleitet: Wann hört ein Schauspieler auf, Schauspieler zu sein, wann ist er authentisch "Ich", ohne sich im Bild des Anderen zu verlieren, oder kann er überhaupt noch er selbst sein?

And Cut ©Ingo Pertramer

Deborah Sengls skurrile Figuren, die als Zwitterwesen aus unterschiedlichen Tieren oder aus Mensch und Tier bestehen, enttarnen und hinterfragen unser Wesen, unsere Seele und unser Sein.

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