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Montag, Juni 17, 2024

5/8erl in Ehr’n

Herz ist ihre Härte

Unverstellt. Mit der Erfindung eines zurückgelehnten wiener Mundart-Souls sorgen 5/8erl in Ehr‘n in der heimischen Musiklandschaft für Aufsehen.

Bekannt geworden sind sie mit Siaße Tschick und Let‘s Chill, im vergangenen Jahr stürmte ihr Album Yes We Does samt der Single Alaba – How Do You Do? die österreichischen Charts. Die Formation 5/8erl in Ehr‘n macht seit neun Jahren gemeinsam Musik und habe sich dabei „glücklicherweise sehr langsam entwickelt“. Häufig wird die Band als authentisch beschrieben, was nach Ansicht Max Gaiers seine Berechtigung hat: „Wir verstellen uns nicht.“ Ihn sowie Bobby Slivovsky und Hanibal Scheutz trafen wir am Yppenplatz zum Gespräch über Wein, Fußball, Politik und Herzensangelenheiten.

vormagazin: Seid ihr tatsächlich so entspannt, wie es eure Lieder und eure Bühnenpräsenz suggerieren? Habt ihr überhaupt noch Zeit für ein „Frühstück ans Bett“?

Hanbibal: Wir achten jetzt nach vielen Jahren des dauernden Herumtourens darauf, uns diese Zeit zu nehmen.

Bobby: Ich kann das schon länger, aber die anderen versuchen, sich zu bessern.

Max: Unsere Liedtexte sind zwar aus dem Leben gegriffen, aber es sind immer auch Utopien, die man formuliert. Ich würde natürlich gerne ganzheitlich leben und alles zu 100% umsetzen, worüber ich singe, aber das gelingt mir nicht.

vormagazin: Warum tragt ihr alle weiße T-Shirts und Hosenträger auf der Bühne? Dient das dem Wiedererkennungswert oder ist das subtiles Understatement?

Max: Ich finde es angenehm, dass ich mich vor und nach einem Konzert umziehe, mich also symbolisch verwandle. Das hilft mir, fokussiert zu sein, ein Achterl zu sein.

Hanibal: Es stärkt auch das Gruppengefühl.

Bobby: Es ist eine Mischung aus Uniform und Kostüm.

Hanibal: Und man kann es leicht wieder ablegen.

vormagazin: Bei Achterln muss man an Wein denken. Gehört Alkohol für euch zum Künstlerdasein dazu?

Max: Ich glaube, Alkohol gehört zum Leben des Menschen dazu, denn Rausch- und Genussmittel gab es schon immer. Wir trinken ganz gern, genießen auch das Leben, aber ich würde nicht sagen, dass wir nur mit Alkohol künstlerisch produktiv sein können.

Bobby: Die Grube haben wir uns mit dem Bandnamen selbst ausgehoben. Wir sind sogar eine gesund lebende Band. Hanibal: Seit zwei Jahren bewegen wir uns alle brav, damit wir noch gehen können, wenn wir aus dem Bus aussteigen.

Max: Auf Tour isst man ja in der Regel Wurstplatten.

vormagazin: Ihr habt schon einmal gesagt, dass es für euch nicht infrage komme, am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Wie steht ihr grundsätzlich zu Talentwettbewerben?

Hanibal: Man sollte immer darüber nachdenken, wem der Wettbewerb wirklich nützt. Wer profitiert davon, dass du dorthin gehst? Meistens bist es nicht du selbst.

Max: Ich tue mir schwer, Musik und Kunst einem Konkurrenzdenken unterzuordnen. Das ist doch ein ähnlicher Beruf wie der des Gärtners und bei Gärtnern geht es auch nicht darum, wer die meisten Bäume pflanzt.

vormagazin: Einer eurer Songs trägt Alaba im Titel, ein anderer dreht sich um Didi Constantini. Welches Verhältnis habt ihr zum Fußball?

Max: Slivo und ich sind große Fußballfans, vor allem vom österreichischen Nationalteam. Wir glauben nicht nur, dass wir 2016 Europameister werden, wir wissen es.

vormagazin: Ihr seid als politische Band bekannt, vielleicht könnte man es auch gesellschaftlich reflektiert oder engagiert nennen. Welche Vorstellungen und Ideale vereinen euch?

Max: Menschlichkeit. Es ist doch etwas Selbstverständliches, politisch zu sein. Jede Band ist eine politische Band, auch wenn sie Nonsens macht. Und deshalb würde ich es uns auch nicht auf die Fahnen schreiben.

Bobby: Wir leben in Wien, stehen in Kontakt mit unserer Umwelt, kommunizieren, sind mit etwas zufrieden oder unzufrieden. In seiner Selbstständigkeit darf man durchaus ein politischer Mensch sein, denke ich.

vormagazin: Wie schreibt man gemeinsam Liebeslieder?

Max: Wir kennen uns einfach gut. Wir haben die Band damals nicht nach Instrumenten zusammengestellt, sondern nach Menschen. Wären wir fünf Kontrabassisten, würden wir mit fünf Kontrabässen spielen.

Bobby: Wenn man gemeinsam weinen kann, dann kann man auch gemeinsam Liebeslieder schreiben.

vormagazin: Das Herz könnte man als eines eurer Leitmotive bezeichnen: Es findet sich in einigen Liedtexten und manchmal auf der Bühne. Muss alles, was authentisch ist, von Herzen kommen?

Max: Das ist häufig eine Gratwanderung, weil wir den Kitsch sehr lieben. Wir bewegen uns auf ganz dünnem Eis und riskieren manchmal, dass es peinlich wird. Also setzen wir uns damit auseinander, welche Fläche wir dem Herzen geben können.

Bobby: Ehrlicherweise muss man sagen, dass es auch ein Symbol für das Publikum ist. Es ist ja besser, du siehst im Hintergrund ein Herz als eine Puffn.

Max: Genau. Das, was für eine Hip-Hop-Gang die Puffn ist, ist für 5/8erl das Herz. Das Herz ist unsere Härte.

 

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