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Sonntag, August 31, 2025

Heinrich Kulka im Ringturm: Stiller Meister des Raumplans

Das Ausstellungszentrum im Wiener Ringturm zeigt ab sofort bis 7. November 2025 eine umfangreiche Schau zum Architekten Heinrich Kulka. Als engster Vertrauter und Nachfolger von Adolf Loos rückt Kulka hier erstmals in den Mittelpunkt – mit einem Fokus auf seine eigenständigen Werke in Böhmen.

Heinrich Kulka ist in der Geschichte der österreichischen Architektur ein Name, der lange im Schatten eines großen Meisters stand: Adolf Loos. Als dessen Schüler, engster Mitarbeiter und schließlich gleichwertiger Partner prägte er ab Ende der 1920er Jahre die berühmten Raumplan-Ideen entscheidend mit – und doch blieb er vielen als „rechte Hand“ von Loos ein Begriff, nicht als eigenständiger Architekt. Das ändert sich nun mit der Ausstellung „Heinrich Kulka. Loos-Schüler und Nachfolger“ im Ringturm. Sie beleuchtet erstmals umfassend Kulkas eigene Werke, insbesondere jene, die er in der heutigen Tschechischen Republik vor seiner Flucht nach Neuseeland 1940 realisierte. Die Schau gibt nicht nur anhand von Plänen, Modellen und Fotografien Einblick in die wenig bekannten Entwürfe Kulkas, sondern macht auch seine Rückkehr nach Wien 1966 – nach 28 Jahren Exil – greifbar.

Bei der Werkbundsiedlung arbeiteten Adolf Loos und Heinrich Kulka gemeinsam als Architekten – wie beim Haus Nr. 49 und 50.© Österreichische Nationalbibliothek

 

Ein Raumplaner mit eigener Handschrift

Heinrich Kulka war nicht bloß ein Mitläufer in der Werkstatt von Adolf Loos. Bereits ab 1927/28 als gleichwertiger Partner tätig, entwickelte er zentrale Projekte wie das Haus Müller in Prag oder das Haus Khuner in Payerbach mit. Seine wahre Stärke offenbarte sich aber in den frühen 1930er Jahren, als er in seiner mährischen Heimat eigene Bauten realisierte. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie Kulka dabei mit räumlicher Dramaturgie, Lichtführung und maßgefertigtem Interieur ein ganzheitliches Architekturverständnis etablierte.

Haus Kantor: Raumdynamik mit Blick auf den See

Das Haus Kantor in Jablonec nad Nisou (1933–34) ist ein Paradebeispiel für die funktionalistische Moderne, wie sie in Böhmen nur selten zu finden ist. Kulkas Umsetzung folgt einem fein abgestimmten Raumplan, der durch split-level-Anordnungen und fließende Übergänge zwischen den Zonen ein dynamisches Wohnerlebnis schafft. Edle Materialien wie Brekzien-Marmor, Kirschholz und durchdachte Einbaumöbel geben dem Bau eine noble Atmosphäre, ohne dabei den Gestaltungsprinzipien der Moderne zu widersprechen.

Das Einfamilienhaus Kantor macht Kulkas Verständnis für funktionalistische Moderne greifbar. © Archiv Adolph Stiller

Haus Semler: Begehbares Möbelstück der Moderne

Mit dem Haus Semler in Pilsen (1933-1935) erreicht Kulkas Raumverständnis einen Höhepunkt. Die große Halle mit Galerie, raumhohen Holzverkleidungen und gezähmten Lichtquellen erinnert an die ikonischen Villen der Zwischenkriegszeit – steht aber ganz für sich. Die Ausstellung lässt Besucher diesen Raum fast körperlich spüren; ein begehbares Möbel, wie es Loos zwar vorgedacht, Kulka aber konsequent umgesetzt hat. (mgö)

„Heinrich Kulka. Loos-Schüler und Nachfolger“
Bis 7. November 2025
Ausstellungszentrum im Ringturm
Schottenring 30, 1010 Wien
Eintritt frei!
Öffnungszeiten: Mo.–Fr., 9–18 Uhr (Feiertags geschlossen)
Mehr Informationen und Katalogbestellung: www.airt.at

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