Beitragsbild: © Walter J. Sieberer
Mit gerade einmal 18 Jahren hat Aline Tosch bereits zwei Thriller veröffentlicht – Geschichten, die aus einem Gefühl entstehen, aus Reisen und aus der Faszination für das Dunkle im Menschen. Im Interview mit dem vormagazin spricht die junge Autorin über Gänsehautmomente beim Schreiben, Inspiration auf Reisen und darüber, warum Spannung für sie psychologische Tiefe braucht.
Bereits mit 14 begann Aline Tosch, eigene Erzählungen zu verfassen – zunächst aus dem Bedürfnis heraus, Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Bald kam ein zweites Element hinzu: die Lust am Nervenkitzel. Thriller wurden zu ihrem literarischen Terrain, weil sie dort jene Intensität findet, die sie am Schreiben reizt – das Spiel mit Spannung, Täuschung und den dunkleren Facetten der menschlichen Psyche. Besonders prägend für ihre Erzählwelt sind filmische Einflüsse – von der US-Serie „Psych“ bis hin zu Filmen wie „Parasite“ oder „The Truman Show“, die mit Perspektivenwechseln und Täuschung spielen. In ihrem neuen Buch „Der rote Pool von Samui“ sucht sie genau diese Spannung: Momente, die Leser*innen überraschen, verstören oder zum Nachdenken bringen.
Alle Fragen im Überblick:
- Sie haben schon mit 14 Jahren zu schreiben begonnen. Was hat Sie damals besonders dazu motiviert, so früh mit dem Erzählen von Geschichten anzufangen?
- Viele Jugendliche beschäftigen sich mit anderen Dingen. Wie haben Ihr Umfeld und Ihre Freunde auf das frühe Interesse am Schreiben reagiert?
- Warum hat es Sie gerade zum Thriller- und Psychothriller-Genre gezogen?
- Welche Kriminalserien oder Thriller haben Ihren Stil und die Vorstellung von Spannung am stärksten geprägt?
- Wie entsteht eine neue Idee – beginnt alles mit einer Figur, einem Ort oder einem bestimmten Gefühl?
- Reisen ist für Sie eine große Inspirationsquelle. Was passiert in Ihrem Kopf, wenn Sie an einem neuen Ort Geschichten entwickeln?
- Koh Samui spielt im zweiten Roman eine wichtige Rolle. Warum hat Sie gerade diese Insel für die Handlung fasziniert?
- Sie haben sehr jung das erste Buch veröffentlicht. Wie schwierig oder leicht war es, als Jugendliche den ersten Schritt in die Szene zu machen?
- Wie unterscheidet sich der Schreibprozess heute von dem, als Sie mit 14 begonnen haben?
- Wie wichtig ist Spannung im Vergleich zu Charakterentwicklung und psychologischer Tiefe?
- Bitte einmal zurückblicken: Würden Sie etwas anders machen? Dem „jüngeren Ich“ etwas mit auf den Weg geben?
vormagazin: Sie haben schon mit 14 Jahren zu schreiben begonnen. Was hat Sie damals besonders dazu motiviert, so früh mit dem Erzählen von Geschichten anzufangen?
Aline Tosch: Ich habe bereits seit meiner Kindheit die Kunst des Geschichtenschreibens geliebt. Begonnen hat dies bei mir, wie bei vielen anderen auch, mit dem Tagebuchschreiben. Dadurch habe ich bemerkt, wie befreiend und wunderschön es sein kann, meine Gefühle durch Worte auf Papier auszudrücken. Mir kamen dann recht schnell eigene Ideen für gruselige Geschichten, die ich unbedingt verwirklichen wollte.
Viele Jugendliche beschäftigen sich mit anderen Dingen. Wie haben Ihr Umfeld und Ihre Freunde auf das frühes Interesse am Schreiben reagiert?
Sie haben mich zu jeder Zeit unterstützt und tun dies bis heute. Ich versuche immer, Freunde, Familie und das Schreiben unter einen Hut zu bekommen, da ich, wenn einer dieser Bereiche zu kurz kommen würde, auch nicht erfüllt wäre.
Warum hat es Sie gerade zum Thriller- und Psychothriller-Genre gezogen?
Weil es meiner Meinung nach das spannendste Genre in Büchern sowie Filmen ist. Ich liebe es, Szenen zu schreiben, die bei dem, der sie liest, eine Gänsehaut erzeugen. Zudem ist mir das Verfassen eines guten Plots wichtig, da dieser Gefühle wie Erkenntnis, Wut, Ekel und viele mehr bei den Leserinnen und Lesern erzeugen kann.
Welche Kriminalserien oder Thriller haben Ihren Stil und die Vorstellung von Spannung am stärksten geprägt?
Da fallen mir die US-amerikanische Serie „Psych“ und Filme wie „Parasite“, „Wir“ und „Die Truman Show“ ein. Letzterer ist zwar kein Thriller, doch das Element der Täuschung, welches ich sehr gerne in meinen Geschichten einbaue, tritt in diesem Film vor allem in den Vordergrund.
Wie entsteht eine neue Idee – beginnt alles mit einer Figur, einem Ort oder einem bestimmten Gefühl?
Ich würde sagen, es beginnt mit einem Gefühl. Einem Gefühl der Unzufriedenheit über die Sichtweise der Menschheit zu einem gewissen Thema. Die Suche nach den Figuren und den Schauplätzen meiner Geschichte beginnt gleich im Anschluss.
Reisen ist für Sie eine große Inspirationsquelle. Was passiert in Ihrem Kopf, wenn Sie an einem neuen Ort Geschichten entwickeln?
Meine Gedanken kommen zur Ruhe von dem Alltag, der zuhause auf mich wartet. Ich denke in einem anderen Land nicht an morgen und erlebe jeden Moment völlig im Hier und Jetzt. Man weiß nie, was in den nächsten Sekunden passieren wird, weswegen ich es liebe, auf Reisen Ideen zu sammeln.
Koh Samui spielt im zweiten Roman eine wichtige Rolle. Warum hat Sie gerade diese Insel für die Handlung fasziniert?
Ich kann nicht genau sagen, warum es Samui geworden ist, allerdings ergriff mich, gleich nachdem ich Fuß auf den Flughafen der Insel gesetzt hatte, ein Gefühl der Neugier. Ich wollte mehr über jenes Paradies erfahren. Die ersten Ideen zu „Der rote Pool von Samui“ kamen mir schließlich bei den verschiedensten Orten der Insel, wo ich mir bestimmte Handlungsstränge meiner Geschichte sehr gut vorstellen konnte.
„Ein Thriller lebt von dem Element der Spannung, weshalb ich ohne die Idee eines guten Plots erst gar nicht zu schreiben beginne.“
– Aline Tosch
Sie haben sehr jung das erste Buch veröffentlicht. Wie schwierig oder leicht war es, als Jugendliche den ersten Schritt in die Szene zu machen?
Ein Buch zu schreiben ist das eine, es zu veröffentlichen ist das andere. Natürlich hat man Bedenken, wie gut die eigene Geschichte ankommt, allerdings wurde ich auf wunderschöne Art und Weise in die Welt der Literatur aufgenommen. Ich hatte schon mit vielen Menschen aus der Branche Kontakt, und ich fühlte mich immer wertgeschätzt. Uns verbindet schließlich alle eines: die Liebe zu guten Geschichten.
Wie unterscheidet sich der Schreibprozess heute von dem, als Sie mit 14 begonnen haben?
Natürlich sehe ich eine Veränderung meines Schreibstils über die Zeit, allerdings halte ich jedes meiner Werke in Ehren. Es ist immer wichtig, zu dem zu stehen, was man tut, und da ich dies immer schon getan habe, fällt es mir nicht schwer, auf vergangene Werke zurückzublicken.
Wie wichtig ist Spannung im Vergleich zu Charakterentwicklung und psychologischer Tiefe?
Ein Thriller lebt von dem Element der Spannung, weshalb ich ohne die Idee eines guten Plots erst gar nicht zu schreiben beginne. Als Autorin finde ich es wichtig, dass Spannung, Charakterentwicklung und psychologische Tiefe eine enge Beziehung in meinen Büchern zueinander haben.
Bitte einmal zurückblicken: Würden Sie etwas anders machen? Dem „jüngeren Ich“ etwas mit auf den Weg geben?
Ich würde hinsichtlich des Schreibens nichts anders machen. Der Weg, den ich gegangen bin, war, wie ich finde, der richtige. Es ist mein Weg, und ich bin gespannt, was mich in Zukunft erwarten wird.
In ihrem Thriller „Der rote Pool von Samui“ entwirft Aline Tosch ein ebenso faszinierendes wie verstörendes Szenario: Auf der tropischen Insel Koh Samui betreibt der Arzt Dr. Luc Beaurallet eine Organisation, die sich einem radikalen Experiment verschrieben hat. Verurteilte Mörder, die von der Gesellschaft längst abgeschrieben wurden, sollen mithilfe modernster neuropsychologischer Methoden zu echter Reue geführt werden – ein Versuch, Schuld und Bewusstsein neu zu denken. Doch als innerhalb der abgeschotteten Anlage ein weiterer Mord geschieht, kippt das Projekt ins Unheimliche. War das Experiment von Anfang an zum Scheitern verurteilt – oder verbirgt sich hinter der Vision ihres Leiters ein Geheimnis, das gefährlicher ist als jeder der Insassen?
Softcover € 14,50 oder Hardcover € 19,50 – im Buchhandel erhältlich

Über Aline Tosch

Die neue Stimme im Thriller-Genre.
Die junge Autorin Aline Tosch entdeckte ihre Leidenschaft für das Schreiben bereits früh – ausgelöst durch ein ungewöhnliches Weihnachtsgeschenk: eine Schreibmaschine. Aus ersten Textversuchen entwickelte sich rasch eine tiefergehende Faszination für das Erzählen von Geschichten. Ihre Geschichten zeichnen sich durch eine besondere Sensibilität für Stimmung, Orte und menschliche Abgründe aus. Die Bücher erscheinen im MAO Verlag.
INFO:
alinetosch.com



