Beitragsbild: © Reiner Riedler
Noch bis 21. Juni 2026 zeigt das Leopold Museum eine Retrospektive, die Kunstinteressierte nicht verpassen sollten: „Gustave Courbet. Realist und Rebell“. Über 130 Werke – darunter 90 Gemälde, 20 Grafiken und zahlreiche Archivalien – zeichnen ein umfassendes Bild des französischen Ausnahmekünstlers Gustave Courbet und seines bahnbrechenden Realismus.
Revolutionär des Realismus
Courbet war nicht nur Maler, sondern ein echter Rebell. Schon früh erkannte er: Skandale verkaufen sich – und seine Kunst sollte die Realität seiner Zeit zeigen. Anstelle von historischen oder mythologischen Szenen malte er Menschen aus seinem direkten Umfeld – Bauern/Bäuerinnen, Arbeiter*innen, Bürger*innen – in monumentalen Formaten. So verlieh er dem Alltäglichen eine heroische Präsenz, die zuvor nur klassischen Historienbildern vorbehalten war.
Ein frühes Meisterwerk, das dies eindrucksvoll zeigt, ist „Nach dem Abendessen in Ornans“ (1849). Das großformatige Bild einer gewöhnlichen Szene aus seiner Heimatstadt wurde im Pariser Salon ausgezeichnet und offiziell angekauft – eine Premiere für ein alltägliches Motiv.
Selbstbewusst und unabhängig
Courbets Unabhängigkeit zeigt sich nicht nur in seiner Bildsprache. In „Die Begegnung“ – auch bekannt als „Bonjour, Monsieur Courbet“ (1854) – begegnet er seinem Mäzen auf Augenhöhe und fordert so seinen Anspruch auf künstlerische Autonomie ein. Als seine Werke 1855 bei der Pariser Weltausstellung kaum Beachtung fanden, reagierte er mit einem eigenen Ausstellungspavillon – ein Meilenstein moderner Ausstellungspraxis.
Auch technisch brach Courbet mit Konventionen: Mit dem Palettenmesser schichtete er Farbe nahezu skulptural auf und schuf eine radikal realistische Bildwelt, die Materialität spürbar machte, statt Illusion zu erzeugen. „Gerade diese technisch unkonventionelle Malweise macht Courbet zu einem Wegbereiter der modernen Malerei“, erklärt Kurator Niklaus Manuel Güdel.


Skandal und Provokation
Courbets vielleicht berühmtestes Werk, „Der Ursprung der Welt“ (1866), sprengt alle moralischen Konventionen: Ein unidealisiert dargestellter weiblicher Akt, direkt und kompromisslos. Seit 1995 im Musée d’Orsay, wird es in Wien erst zum vierten Mal außerhalb Frankreichs gezeigt – ein zentrales Exponat der Retrospektive.

Kunst trifft Politik
Kunst und gesellschaftliches Engagement gehörten für Courbet zusammen. Während der Pariser Kommune 1871 übernahm er Verantwortung im öffentlichen Kunstwesen. Nach der gewaltsamen Niederschlagung wurde er inhaftiert und später ins Schweizer Exil gezwungen, wo er 1877 verstarb. Die Ausstellung beleuchtet auch diese prägenden Jahre, zeigt Akte, Landschaften, Jagdszenen, Meeresdarstellungen und Arbeiten aus Haft und Exil – und stellt sie in den kunsthistorischen Kontext.
„Mit Gustave Courbet zeigen wir einen Avantgardisten, der immer wieder mit Konventionen gebrochen hat.“
– Hans-Peter Wipplinger
Eine Ausstellung mit Anspruch
„Nach Jahren intensiver Vorbereitung ist die Ausstellung nun Wirklichkeit geworden. Wir freuen uns, unserem Publikum diese umfangreiche Personale präsentieren zu können“, sagt Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum. „Mit Gustave Courbet zeigen wir einen Avantgardisten, der immer wieder mit Konventionen gebrochen hat.“
Die Schau wird von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier unterstützt und anschließend im Museum Folkwang in Essen gezeigt.
Über Gustave Courbet
Gustave Courbet (1819–1877) wurde in Ornans, Frankreich, geboren und begann seine künstlerische Ausbildung unter freier Naturmalerei. Statt die École des Beaux-Arts zu besuchen, studierte er in Paris alte Meister im Louvre und arbeitete nach lebenden Modellen. Früh wandte er sich vom akademischen Salon ab und entwickelte seinen radikalen Realismus: Alltagsszenen, einfache Menschen und Landschaften in monumentalen Formaten. Mit Werken wie Nach dem Abendessen in Ornans oder Die Steinklopfer schockierte er die Kritik und setzte Maßstäbe für moderne Malerei. Courbet kämpfte für künstlerische Unabhängigkeit, organisierte eigene Ausstellungen und brach bewusst mit Institutionen. Politisch engagierte er sich während der Pariser Kommune, wofür er inhaftiert wurde und später ins Schweizer Exil floh. Dort verstarb er 1877 in La Tour-de-Peilz; sein Werk gilt bis heute als wegweisend für Realismus und Avantgarde.ƒ
INFO:
Vollpreisticket € 19,-
leopoldmuseum.org





