Wenn Stimmen für Tiere laut werden: Buchpräsentation bei Thalia Wien Mitte

Beitragsbild: © Sandra Oblak

Mitten im Alltagstrubel der Stadt, zwischen Büchern, Einkaufstaschen und schnellen Wegen, wurde bei Thalia Wien Mitte ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, das selten laut, aber umso dringlicher ist: der Tierschutz.

Anlass war die Präsentation des Buches „180 Jahre Tierschutz in Österreich“, erschienen im echomedia buchverlag – und zugleich ein Rückblick auf eine der ältesten Tierschutzbewegungen Europas.

Ein Abend zwischen Geschichte und Gegenwart

Die Veranstaltung stand im Zeichen eines Jubiläums, das weit über eine reine Zahl hinausgeht. 180 Jahre Tierschutz in Österreich bedeuten 180 Jahre Engagement, Konflikte, Fortschritte und offene Baustellen.

Auf dem Podium diskutierten Madeleine Petrovic, Präsidentin von Tierschutz Austria, und Chris Lohner, ORF-Legende und langjährige Tierfreundin, gemeinsam mit Moderatorin Christine Dobretsberger über die Entwicklung des Tierschutzes – und darüber, warum er heute relevanter ist denn je.

© Sandra Oblak

Die Stadttaube als Ausgangspunkt

Ein überraschend alltägliches Bild eröffnete den Abend: das Buchcover zeigt eine Stadttaube. Von dort aus entwickelte sich eine Diskussion über den Umgang mit sogenannten „gewöhnlichen“ Stadtbewohnern auf vier oder zwei Flügeln.

Während Wien zunehmend auf nachhaltige Konzepte im Umgang mit Stadttauben setzt, greifen andere Städte noch immer zu Verboten oder Strafen. Schnell wurde klar: Der Umgang mit Tieren im urbanen Raum ist auch eine Frage von Haltung – nicht nur von Regelwerk.

180 Jahre Einsatz für Tiere

Die historische Dimension des Abends führte zurück ins Jahr 1846, als der Schriftsteller Ignaz Franz Castelli den „Niederösterreichischen Verein gegen Misshandlung der Tiere in Wien“ gründete. Aus dieser Initiative entwickelte sich der heutige Wiener Tierschutzverein, besser bekannt als Tierschutz Austria.

Was damals als kleine zivilgesellschaftliche Bewegung begann, ist heute eine der wichtigsten Tierschutzorganisationen des Landes – mit einer Geschichte, die eng mit gesellschaftlichem Wandel verbunden ist.

Nähe, die Verantwortung schafft

Persönliche Worte kamen von Chris Lohner, die über ihre Beziehung zu Hunden sprach. Haustiere, so Lohner, seien weit mehr als Begleiter – sie geben Struktur, Nähe und können Einsamkeit durchbrechen.

Gleichzeitig schilderte sie einen Moment, der nachhallt: die Konfrontation mit einem Hundebesitzer, der sein Tier misshandelte. Ihre Botschaft war klar formuliert: Wegsehen ist keine Option. Zivilcourage beginnt dort, wo Tierleid sichtbar wird.

Alltag zwischen Rettung und Rehabilitation

Madeleine Petrovic gab Einblicke in die tägliche Arbeit von Tierschutz Austria, die oft im Verborgenen stattfindet. Verletzte Wildtiere, Fundtiere, Notfälle – viele von ihnen werden aufgenommen, medizinisch versorgt und, wenn möglich, wieder ausgewildert.

Vom Vogel bis zum Reh arbeiten Tierärztinnen und Tierärzte daran, Leben zu retten, das sonst oft unbemerkt bleiben würde. Auch Assistenzhunde und die Bedeutung von Tieren für ältere oder einsame Menschen wurden thematisiert: Tiere als soziale Brücke, nicht nur als Haustiere.

Lernen, Tiere zu verstehen

Ein zentraler Punkt des Abends war die Frage, wie respektvoller Umgang mit Tieren gelernt wird. Besonders bei Kindern – aber nicht nur bei ihnen. Nicht jeder Hund möchte berührt werden, nicht jedes Verhalten ist harmlos, auch wenn es so wirkt.

Respekt, so der Tenor, beginnt mit Wissen. Wer Tiere hält oder ihnen begegnet, übernimmt Verantwortung – und entwickelt im besten Fall genau jene Empathie, die auch im menschlichen Miteinander entscheidend ist.

Zwischen Fortschritt und offenen Fragen

Neben der historischen Perspektive wurden auch aktuelle Herausforderungen angesprochen: Tiertransporte, Haltungsbedingungen, Konflikte im ländlichen Raum oder fehlende Fachkenntnis in politischen Entscheidungsprozessen.

Chris Lohner erinnerte zudem daran, dass Tierleid kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern global weiterhin Alltag – etwa in der Pelzindustrie oder in Regionen, in denen Tierschutz kaum reguliert ist.

Ein Buch als Einladung zum Hinschauen

Am Ende blieb ein Eindruck, der über den Abend hinausweist: Tierschutz ist kein Nischenthema, sondern ein gesellschaftlicher Spiegel. Er zeigt, wie eine Gesellschaft mit jenen umgeht, die keine Stimme haben.

Das Buch „180 Jahre Tierschutz in Österreich“ versteht sich dabei nicht nur als Rückblick, sondern auch als Einladung zur Auseinandersetzung – und zur Unterstützung.

Buchtipp: „180 Jahre Tierschutz in Österreich: Wiener Tierschutzverein“, echomedia buchverlag, 160 Seiten, 22,90 Euro. Der Erlös unterstützt die Arbeit von Tierschutz Austria.

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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