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Mittwoch, September 28, 2022

Ai Weiwei: Unbequeme Perspektiven in der Albertina Modern

Bild: ©Mischa Nawrata/2022 Ai Weiwei

Ai Weiwei zählt zu den einflussreichsten Künstlern unserer Zeit. Eine umfangreiche Retrospektive in der Albertina Modern gibt Einblick in alle Schaffensphasen seiner Laufbahn und unterstreicht dabei seine unvergleichbaren ästhetischen Gestaltungsprinzipien.

Eine umfangreiche Retrospektive in der Albertina Modern gibt Einblick in die Laufbahn des weltbekannten Künstlers Ai Weiwei.
Der Künstler und Menschenrechtsaktivist Ai Weiwei. – ©Ai Weiwei Studio/GaoYuan

Menschenrechtsaktivist und Künstler

Ai Weiwei, dessen Familie während der „Kulturrevolution“ aus China verbannt wurde, schrieb sich nach Maos Tod und der Rückkehr aus dem Exil 1978 in die Pekinger Filmakademie ein – in den ersten Jahrgang, der seit der „Kulturrevolution“ zugelassen wird. Schon früh distanziert sich Weiwei von den ästhetischen Leitlinien der Kommunistischen Partei Chinas und stellt den Einparteienstaat und die Einschränkung der Meinungsfreiheit in Frage.

Nach einem Studium in in New York nahm Ai Weiwei eine Faszination mit Minimalismus, Konzept- und Raumkunst, Performance, Dada und Pop Art. Er gelangte zur wegweisenden Erkenntnis, dass Kunst auch eine Lebensweise, eine Haltung sein kann.

Ai zog zurück nach Peking, um sich um seinen kranken Vater Ai Qing zu kümmern. Er sammelte neolithische Gefäße und alte chinesische Möbel, deren Handwerkskunst er bewunderte, welche er aufgrund der rigorosen Modernisierung und zunehmenden kapitalistischen Massenproduktion gefährdet sah. Er bezog die uralten Traditionen Chinas in seine Kunst ein und veröffentlichte zugleich Untergrundpublikationen zur chinesischen Avantgarde.

2009 wurd Ai zum ersten Mal festgenommen, was ihn daran hinderte als Zeuge zugunsten des Aktivisten Tan Zuoren auszusagen. Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 an den chinesischen Systemkritiker Liu Xiaobo griff die Kommunistische Partei Chinas hart gegen mehr als 200 Dissidenten durch: Anwälte, Aktivisten und Schriftsteller wurden verhaftet und zum Schweigen gebracht. Auch Ais Studio wurde wegen angeblich „nicht sachgemäßer Nutzung“ von den Behörden abgerissen. Die Geheimpolizei hielt Ai ohne Anklage und ohne Verurteilung für unbestimmte Zeit an einem unbekannten Ort fest.

Nach 81 Tagen und internationalen Protesten kam Weiwei gegen Kaution frei, stand aber weiterhin unter strengster Überwachung.

Erst 2015 erhielt der Künstler seinen Reisepass von den chinesischen Behörden zurück und zog nach Berlin.

Durch die Verlagerung seines Lebensmittelpunkts nach Europa positionierte Ai Weiwei sich in seiner Rolle als Künstler und Aktivist noch stärker als Verfechter von Menschenrechten und demokratischen Grundwerten und bezieht bei aktuellen Ereignissen Stellung.

Ai Weiwei lebt und arbeitet derzeit an mehreren Orten, darunter Peking, Berlin, Cambridge (England) und Montemor-o-Novo bei Lissabon.


INFO

Bis 4.9.2022
Albertina Modern, Karlsplatz 5, 1010 Wien
albertina.at/albertina-modern

U1, U4 Station Karlsplatz

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