12.5 C
Wien
Donnerstag, Mai 30, 2024

Cape 10: Krank und arm geht gar nicht!

Bild: ©Arman Rastegar 

Auf Initiative von Siegfried Meryn entstand hinter dem Wiener Hauptbahnhof ein Gesundheitszentrum, in dem obdachlose Frauen Schutz finden und Menschen ohne Versicherung behandelt werden.

Das im Vorjahr eröffnete Gesundheits- und Sozialzentrum CAPE 10 in Favoriten ist neben den Gleisen der ÖBB weithin sichtbar und entfaltet bereits seine karitative Strahlkraft in Wien. In der „dock – Sozial- & Gesundheitspraxis von neunerhaus und Vinzenz Gruppe“ finden obdach- und wohnungslose Menschen medizinische Behandlung und Beratung. Und im „Obdach Ester – Tageszentrum für obdachlose Frauen“ finden Frauen ohne Wohnung einen sicheren – weil männerfreien – Platz zum Ausruhen und zur Erholung. Dazu versorgt ein Kassenkinderärzte-Team inzwischen fast 50 Prozent der kleinen Patienten in Favoriten und auch eine Primärversorgungseinheit mit engagierten Allgemeinmedizinern ist gut besucht – denn einzigartig in Wien sind die beiden Einrichtungen sieben Tage die Woche offen. Zusätzlich ordiniert ein HNO-Arzt. Die Österreichische Kinderhilfe und Licht ins Dunkel haben hier ihre Büros und spätestens im Frühjahr soll es im Erdgeschoß auch ein Café geben. Initiator Professor Siegfried Meryn: „Unser Haus war vom ersten Tag an mit Leben erfüllt!“

Krank und arm: Auf Initiative von Siegfried Meryn entstand hinter dem Hauptbahnhof ein Zentrum, in dem auch ohne Versicherung behandelt wird.
Prof. Meryn mit Elfriede Wittberger, die das Kinderförderprojekt „MAX & LARA“ betreut. – ©Arman Rastegar

Partizipation

Entstanden ist das CAPE 10 aus der Initiative „NEIN ZU KRANK UND ARM“.
Meryn: „Bei uns in Österreich sind mehr als 1,5 Millionen Menschen akut armutsgefährdet – davon mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche. Ihre Lebenserwartung verkürzt sich um zehn Jahre. Krankheit kombiniert mit Armut bedeutet neben materiellen Entbehrungen immer auch einen Mangel an gesellschaftlicher Partizipation.“

Das betrifft vermehrt auch den Mittelstand.

„Wir sehen das immer öfter – Krebsdiagnose, Verlust des Arbeitsplatzes, Strahlenbehandlung gehen einher mit dem Abrutschen in die Armut. Sie sagen uns immer den gleichen Satz: ,Ich hätte mir nie gedacht, dass das einmal mich betrifft.‘ So entstand schließlich die Initiative ,NEIN ZU KRANK UND ARM‘.“ Siegfried Meryn, Facharzt für Innere Medizin, Prof. emeritus der Medizinischen Universität Wien, nützte seine Bekanntheit als ORF-TV-Arzt, um Spenden für armutsbetroffene Menschen und Kinder mit dringend nötigen Therapien, Behandlungen und Heilbehelfen sammeln zu können.“

„Gemeinsam mit Sponsoren aus der Wirtschaft entstand die Idee, ein Gesundheits- und Sozialzentrum für Bedürftige zu schaffen. Und zwar gänzlich ohne öffentliche Unterstützung. Dass die 15 Millionen Euro für Grundstück und Errichtung aufgebracht werden konnten, ist ein kleines Wiener Wunder. Ziel ist es, CAPE 10 durch Untervermietung oder Charity-Aktionen, wie etwa ein Galadinner mit José Carreras oder Elīna Garanča, wirtschaftlich führen zu können. Büros können angemietet werden und im Keller ist ein moderner, technisch perfekt ausgestatteter Raum für Events, in dem auch schon kleine Messen und Symposien – etwa die Eröffnung der „Langen Nacht der Forschung“ – stattgefunden haben.

Schon jetzt wird CAPE 10 von 800 bis 1.000 Menschen täglich besucht.

Ökologisch

Auch von unten sichtbar ist das großzügige Dach des Hauses, das sich ebenfalls für Veranstaltungen eignet. Es wird sich mit den angepflanzten Sträuchern in Kürze grün überwuchert präsentieren.
Meryn: „Wir sind definitiv ein grünes, energieeffizientes Haus!“
Vor kurzem wurde auf dem Gelände des CAPE 10 mit tatkräftiger Unterstützung von Kindern einer Volksschule aus Favoriten der erste Tiny Forest Wiens fertiggestellt. Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern wurde nach dem speziellen Tiny-Forest-Konzept auf Initiative des Immobilienentwicklers Value One ein komplett sich selbst erhaltendes, widerstandsfähiges Ökosystem geschaffen. In diesem Mini-Stadtwald wachsen nur Bäume und Sträucher, die in Österreich heimisch sind.

Engagement

Die vielen aktuellen Krisen machen es immer schwieriger, Unterstützer aus der Wirtschaft zu bekommen. Dazu sagt Meryn: „Wir garantieren, dass jeder Cent, der hier im Haus durch Vermietungen und Veranstaltungen eingenommen wird, im Haus verbleibt, um damit unser Sozialengagement finanzieren zu können. Ich möchte daher an alle Sponsoren appellieren, uns weiterhin oder neu zu unterstützen.“

INFO
cape10.at

Latest Posts

Anzeige

Für den vormagazin-Newsletter anmelden – Bleib mit uns in Bewegung

Neueste Beiträge