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Montag, August 15, 2022

Carl Spitzweg trifft auf Erwin Wurm

Mit „Carl Spitzweg – Erwin Wurm. Köstlich! Köstlich?“ präsentiert das Leopold Museum noch bis zum 19. Juni 2017 die erste Ausstellung von Carl Spitzweg in Österreich und zeigt ein verblüffend aktuelles Œuvre. In der von Leopold Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger kuratierten Schau trifft der dem Biedermeier zugeordnete, ironisch-humorvolle deutsche Maler Carl Spitzweg (1808–1885) auf Erwin Wurm (geb. 1954), den Meister des erweiterten Skulpturbegriffs.

Der epochenübergreifende, dialogische Ansatz der Ausstellung lässt sich über die einzelnen thematischen Kapitel der Präsentation nach verfolgen. So treten etwa die kleinstädtischen Bilder Carl Spitzwegs, die durch eine detailreiche Konzeption getragen sind, im ersten Raum in einen Dialog mit Erwin Wurms Arbeit Narrow House von 2010.

Autoritäre Strukturen und idyllische Szenarien

Spitzwegs Werke gleichen nur auf den ersten Blick idyllischen Stadtszenarien, die mit volkstümlich gekleidetem Personal – vornehmlich Wachposten, Musikanten, Sänger und weibliche Darstellerinnen – bevölkert sind. Bei genauerer Betrachtung zeichnen sich feudale, hierarchische, patriarchalische und autoritäre Strukturen ab, die auf das System bornierter Beschränkungen verweisen, das geprägt war von den in Spitzwegs Epoche gültigen Moralvorstellungen.

Den Eindruck von kleinlichem Gewinkel vermittelt auch Wurms Arbeit Narrow House, die das Elternhaus des Künstlers in Volumen und Proportionen verändert zitiert, um damit auf die gesellschaftliche Enge vergangener Jahrzehnte zu reflektieren.

Korruption und Ungerechtigkeit

Zahlreiche Werke Carl Spitzwegs offenbaren auch seine subversive Haltung gegenüber den Mächten des Staates, seien es Zollbeamte, Wachposten oder Bürgersoldaten. Die Beschäftigungslosigkeit der Uniformierten in den friedlichen Zeiten nach den Napoleonischen Kriegen verleitete Spitzweg zu grotesken Darstellungen wie strickenden Soldaten. Er scheute auch nicht vor der Thematisierung von Korruption und Ungerechtigkeit im Überwachungsstaat zurück.

Die Aktualität dieser Themen wird durch Erwin Wurms Arbeit New York Police Cap Gold von 2010 unterstrichen, die der Polizeikappe überdimensionale Größe verleiht und die Betrachtenden dazu einlädt, sich unter dieses nicht nur schützend, sondern auch bedrohlich wirkende Symbol des Rechtsstaates zu stellen.

Weitere Informationen über die Ausstellung finden Sie hier.

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