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Montag, November 28, 2022

Entschuldigungen und inszenierte Reueakte im Jüdischen Museum Wien

Bild: ©David Bohmann

Das Jüdische Museum Wien präsentiert von 13. Oktober 2022 bis 12. Februar 2023 im Museum Dorotheergasse die Videoinstallation Apologies (Entschuldigungen). In der Arbeit des taiwanesisch-amerikanischen Filmkünstlers James T. Hong entschuldigen sich Staatsoberhäupter aus aller Welt für staatlich angeordnete oder sanktionierte Verbrechen.

Entschuldigungen hinterfragen

Beginnend mit Willi Brandt, der 1970 vor dem Denkmal des Warschauer Ghettoaufstandes auf die Knie fiel, sind kommentarlos Entschuldigungen aneinandergereiht. Jede Rede dauert nur wenige Minuten, dann folgt das nächste Staatsoberhaupt mit der nächsten Entschuldigung, chronologisch geordnet, bis in die jüngste Gegenwart. Jede oder jeder Einzelne liest ihren oder seinen vorbereiteten Text, sie unterscheiden sich nur in Mimik und Gestik. Jede Entschuldigung muss hinterfragt werden. Ist sie ernsthaft empfunden oder nur ein Lippenbekenntnis? Hat der symbolische Akt eine Wirkung? Manches Staatsoberhaupt ist sichtlich emotional bewegt, manches liest die Entschuldigung scheinbar unbewegt ab. Manche Entschuldigung wirkt ehrlich, manche erzwungen. Manche Staatsoberhäupter wie Barack Obama oder der Papst entschuldigen sich in dem Video mehrmals, manche kommen nur einmal vor.

Das Jüdische Museum Wien präsentiert von 13. Oktober 2022 bis 12. Februar 2023 im Museum Dorotheergasse die Videoinstallation „Apologies“.
Collage von sich entschuldigenden VerantwortungsträgerInnen. – ©James T. Hong/The Empty Gallery

Inszenierte Reueakte

Die insgesamt über eineinhalb Stunden dauernden Apologies evozieren Emotionen: Denn während eine Entschuldigung auf die nächste folgt, gehen die Verbrechen weiter – und alles, was folgt, ist die nächste Entschuldigung. Apologies lässt die Betrachtenden an der Menschlichkeit zweifeln und sowohl über politische Verantwortung nachdenken als auch über wohlfeile Entschuldigungen, die den Täter*innen oft mehr helfen als den Opfern.

„Die Zeit heilt nicht alle Wunden; sie kann nicht alle Rechnungen begleichen oder alle Streitigkeiten beilegen. Aber die Identität der einmal als solche benannten Täter kann sich ändern, und die Aufgabe einer staatlichen Entschuldigung besteht darin, einen symbolischen Akt zu dokumentieren, der den Auftakt für eine mögliche Versöhnung und Vergebung bilden soll. Um diese Ziele zu erreichen, ist die Aufrichtigkeit der Sprechenden von größter Bedeutung, vor allem, wenn sie ihren Text von einem für sie vorbereiteten Drehbuch ablesen.“ James T. Hong

Videoinstallation

„James T. Hong: Apologies v 2016.2, 2021“ ist von 13. Oktober 2022 bis 12. Februar 2023 im Jüdischen Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, zu sehen. Die Präsentation der Videoinstallation wurde vom Team des Jüdischen Museum Wien kuratiert.


INFO
Jüdisches Museum Wien

Dorotheergasse 11, 1010 Wien
Sonntag bis Freitag: 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Judenplatz 8, 1010 Wien
Sonntag bis Donnerstag: 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Freitag: 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr

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