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Donnerstag, Juni 30, 2022

Erni Mangold – Eine Retrospektive

Alles Gute, Erni Mangold! Die legendäre Schauspielerin feiert heute ihren 95. Geburtstag. Das Filmarchiv widmet ihr eine Retrospektive.

„Zurückschauen, Vergangenheit, Theater, Film, Fernsehen – wen kümmert das? Mich am allerwenigsten.“ Im Vorwort ihrer Biografie stellt Erni Mangold schon nach zwei Sätzen klar, wie ihr Verhältnis zum eigenen Lebensweg aussieht. Statt auf die Vergangenheit richtet sie den Blick lieber auf Gegenwärtiges. Das Filmarchiv widmet der Österreichischen Schauspiellegende dennoch eine Rückschau, die Erni Mangold pur verspricht: von ihren frühen Filmauftritten als „Sexerl“ von der Josefstadt über ihre erste Hauptrolle in Peter Patzaks „Weltmaschine“ bis hin zu ihrem starken Spätwerk. Eine Schauspielerin ersten Ranges, die sich in ihrer Arbeit viel abverlangt und damit ihr Publikum von Jahr zu Jahr mehr begeistert.

Biografie

„1927 als Ernestine Goldmann geboren, zieht es Erni Mangold bereits früh auf die Bühne. In Wien ist sie ab 1946 am Theater in der Josefstadt engagiert und steht kurz darauf schon vor der Kamera. Ihren ersten Filmauftritten wohnt etwas Verruchtes, vielleicht sogar Laszives inne: Als Sekretärin des Gestapo-Chefs Latheit weiß sie in „Das andere Leben“ nicht nur ihren Vorgesetzten um den Finger zu wickeln, gibt in „Fiakermilli“ in einer kurzen, aber memorablen Gesangsszene den Vamp.

Alles gute Erni Mangold! Die Ausnahmeschauspielerin feiert heute ihren 95. Geburtstag. Das Filmarchiv widmet ihr eine Retrospektive.
Erni Mangold in „Das andere Leben“. – ©Filmarchiv

Vielleicht hallt in diesen Rollen auch ein wenig von ihrem eigenen, unangepassten Lebenswandel dieser Tage wider, in denen sie gemeinsam mit Helmut Qualtinger, Michael Kehlmann, Ernst Haas und anderen Gleichgesinnten Wien bei Nacht unsicher macht. Ganz sicher sind es auch Projektionen der männlich dominierten Filmwirtschaft, die Mangold – und viele Kolleginnen – in bestimmten Posen sehen und ein Nein nicht akzeptieren wollte. Wichtig für Mangolds Filmkarriere wird die Begegnung mit Peter Patzak. Mit ihm dreht sie nicht nur zwei „Kottan“-Folgen, von denen eine im Rahmen dieser Retro zu sehen ist, er verschafft ihr auch die erste Hauptrolle in einem Spielfilm: „Die Weltmaschine“. Wie Erni Mangold Film und Fernsehrollen sind im Verhältnis zu ihrer Arbeit auf und abseits der Bühne jedoch weiterhin rar. Es scheint, als habe sie dieses Metier erst Anfang des Jahrtausends für sich erobert.

Alles gute Erni Mangold! Die Ausnahmeschauspielerin feiert heute ihren 95. Geburtstag. Das Filmarchiv widmet ihr eine Retrospektive.
„Der letzte Tanz.“ – ©Filmarchiv

Egal, ob massentaugliche Unterhaltung oder ambitionierte Kleinprojekte, für die sie sich immer wieder gewinnen lässt: Mit ihrem trockenen Humor, ihrer unverblümten Direktheit und ihrer fast schon kindlichen Furchtlosigkeit drückt sie den Rollen ihren unverkennbaren Stempel auf. Und sie wird genau dafür geliebt. Elfriede Jelinek bringt es auf den Punkt: ‚Eine unglaublich schöne Schauspielerin, nicht mehr, aber weniger eben auch nicht, eine, die einfach spielt, weil sie das will und genauso will, wie es halt sein muss.’“


INFO

Bis 2. 2. 2022 – Retrospektive im METRO Kinokulturhaus, Johannesgasse 4, 1010 Wien, filmarchiv.at

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