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Donnerstag, Dezember 8, 2022

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Bild: ©Eva Würdinger

Eigentlich wollte ich Sie, geschätzte LeserInnen, mit einer Kolumne über die faszinierende Gemeinsamkeit von Romanesco-Gemüse und fernen Galaxien überraschen. Aufgrund der aktuellen Ereignisse, sehen Sie’s mir bitte nach, wird es heute doch ein bisserl animalischer. Disclaimer: kann Spuren von Satire enthalten.  ;)

Gottes Zoo ist groß, lautet ein landläufiges Sprichwort. Losgelöst von der persönlichen Glaubensarchitektur, ob man nun einen Weltenschöpfer präferiert oder im #TeamDarwin spielt: Können wir uns darauf einigen, dass 155.000 Euro Steuergeld weitaus sinnvoller investiert werden können, als in eine „Studie“, die „untersucht“, mit welchen Tierarten Österreich die politische Führungsetage assoziiert? In den Erhalt realökologischer Artenvielfalt zum Beispiel, also das mit den echten Viecherln. Nur so ein Gedanke. 155.000 Kröten! Geld aus dem Börserl der SteuerzahlerInnen, die hiermit verladen wurden – auf den Stimmvieh-Transporter nach St. Merktehkasau an der Schwammdrüber. Der zoologische Ansatz jener jüngst öffentlich gewordenen Meinungsanalyse aus dem Hause Beinschab sorgte für Furore. Manch einer sah sich verleitet, die Sinnhaftigkeit dieser Erhebung in Frage zu stellen, gar die Stirn heftig der Tischplatte zu nähern – aber lassen Sie uns kurz innehalten: Werden wir Zweifler doch eines Besseren belehrt? Vielleicht ist er gefunden, der seidene Faden, an dem der Mehrwert dieser „Studie“ baumelt. Möglicherweise muss man das Motiv aus einem Metakontext heraus betrachten: Österreichs Politik ist halt einfach naturverbunden! So nannte man beispielsweise die frisch installierte Speerspitze der Pandemiebekämpfung GECKO und referenziert per Akronym auf ein dämmerungsaktives Reptil, das bei Gefahr sein Derrière abwerfen kann. Auch Maulwürfe, Wildschweine, Affen und Hyänen verortete jene „Studie“ im Polit-Biotop; an der Spitze der Nahrungskette durchstreifte bald darauf ein Eichhörnchen-Delphin-Pfau-Dachs-Hybrid sein Revier, „süß aussehend“ und „hinterfozig“ [sic], um final im Rösselsprung zwei Felder vor und eins zur Seite zu treten. Apropos Pferderln: im politischen Kontext hierzulande ja irgendwie ein bisserl … So manchem Volksvertreter misslang bereits die saubere Kapriole, selbst wenn er fest im Sattel saß; ob’s nun 2,3 Millionen Euro waren, die mit Freund und Helfer hoch zu Ross durchs Budgetloch galoppierten, oder die Mä(h)r(e) des Pferde-Entwurmungsmittels. Manche Ministerin ließ sich durch die gemeine Seepocke ausbremsen, während ein als Klapperschlange Verorteter auf einer zauberhaften, jedoch unglücklich verwanzten Baleareninsel ein wenig zu laut rasselte und folglich das politische Dschungelcamp verlassen musste. 

Fazit: Die eierlegende Wollmilchsau ist noch nicht am politischen Wasserloch erschienen, aber wie sang Randy Newman so richtig: „It’s a jungle out there“.


Verehrte Leser:innen, mein Name ist Barbara Kaudelka und ich freue mich darauf, als Kolumnistin ab sofort ein wenig erzählen zu dürfen.

Barbara Kaudelka ist Schauspielerin, Tonstudiosprecherin und Medienmensch – und vormagazin-Kolumnistin!

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