Kürbisse und Kuriosa

Barbara Kaudelka retourkutschiert gen Halloween.

„Na, DU hast jetzt natürlich wieder a Freud’!“, schallte es mir kürzlich nach einem Probentag am Theater entgegen. Ein Schauspielkollege flötete diese Worte zwischen Abschminktuch und Requisitenkiste, nicht ohne dezent vorwurfsvollen Unterton. Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass mir als Herbstkind die goldene Jahreszeit die Liebste ist. 40 Grad im Schatten plus ol-faktorischen Meuchelmord in hochsommerlichen Öffis find’ ich halt nur bedingt prickelnd, man steinige mich.

Der Oktober ist ins Land gezogen und die Anwürfe stimmen: Ich freu’ mich! Spaziergänge im Kuschelpulli auf der Prater Hauptallee, umgeben von bunt-schillern-dem Laub, kühlerer Luft und den ersten Maronibratern am Weg. Prächtige Sonnennachmittage haben Schichtbetrieb mit mystisch-nebelverhangenen Tagen, überall duftet’s nach Sturm, Bratäpfeln oder Zimtschnecken und alles gibt’s in Kürbisgeschmack, -duft, -form und -farbe. Und ja, den Höhepunkt bildet natürlich das Hochamt der Gruselfans und Ghoule, das Fest des gepflegten Schauderns: Halloween. „Eh liab, aber schon ziemlich kindisch, dass ma sich als erwachsener Mensch noch verkleidet für a Festl, oder? Wie im Fasching!“, frotzelt es da aus der kollegialen Ecke.

Ich hab ihn lieb, meinen Bühnenbuddy, aber ich konnte es mir dann doch nicht verkneifen, dass dies ein durchaus gewagtes Verdikt für jemandem ist, der seine Brötchen damit verdient allabendlich geschminkt und in Kostüm auf der Bühne zu stehen und zu spielen, er sei jemand anderer. Natürlich verstehe ich, dass der Spaß an der Gänsehaut nicht jedermanns Sache ist; nicht jeder knuddelt gern Fledermäuse, schmeißt sich in die feinste Zombie-Panier oder schlürft gern Augapfel-Bowle – glücklicherweise bietet der Oktober mannigfaltig (kuriose) Feier-Alternativen.

So begeht man am 1. Oktober den Welttag des Kaffees, am 2. Oktober den Tag des Lächelns und am 4. des Monats den Glühbirnen-Austausch-Tag in den USA. Während der 9. Oktober in den Staaten dem Schimmelkäse gehört, zelebriert man am 11. Oktober in Deutschland den Tag des Schauspiels, am 12. den internationalen Tag der Frustrationsschreie und am 14. Oktober den Nimm-Deinen-Teddybär-mit-zur-Arbeit-Tag. Der 19. Oktober markiert den internationalen Gin-Tonic-Tag, der 25. Oktober den Schwiegermutter-Tag in den USA. Wer den auslassen will, kann am selben Tag alternativ den „World Pasta Day“ feiern. Zur Einstimmung auf Halloween gibt man sich am 26. Oktober dem Heul-den-Mond-an-Tag hin und am 30. Oktober dem Tag des verfluchten Kühlschranks.

Apropos kalt – noch ein kleiner Fun-Fact: Als die USA 1867 Alaska von Russland abkauften, änderten sie den in Alaska verwendeten Julianischen Kalender zu dem in den Staaten verbreiteten Gregorianischen Kalender. Das führte dazu, dass in Alaska der 8. bis 17. Oktober 1867 niemals existierte. Irgendwie gruselig, nicht?

Michaela Görlich
Michaela Görlich
Chefredaktion

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