Kurzfilm unter Sternenhimmel: dotdotdot zieht ins Palais Auersperg

Beitragsbild: In Htet Aung Lwyns Kurzfilm „JuJu vs the Possibilities of Life, Love and Death“ trifft die burmesische Transfrau JuJu in einem Kino in Bangkok auf eine unerwartete Begegnung – und beginnt, über Liebe, Repräsentation und die Möglichkeiten des eigenen Lebens nachzudenken. © Htet Aung Lwyn

Historische Mauern, alte Baumwipfel und spätsommerliches Grillenzirpen: Von 12. bis 23. September feiert das dotdotdot Open Air Kurzfilmfestival seine elfte Ausgabe im Palais Auersperg. Rund 80 Filme aus Österreich und mehr als 30 weiteren Ländern, internationale Filmschaffende und ein neuer Programmschwerpunkt machen aus zwölf Abenden weit mehr als Kino unter freiem Himmel.

Zum Start in seine zweite Dekade zieht dotdotdot an einen neuen, besonderen Ort. Dank der Unterstützung der Mozart Event Group verwandeln sich das Palais Auersperg und sein Park im 8. Bezirk für zwölf Abende in Festivalzentrale und Open-Air-Kino.

Open Air Kino im Palaispark

Auf dem Programm stehen rund 80 sorgfältig kuratierte Kurzfilme sowie Gespräche mit Filmschaffenden aus zahlreichen Ländern. Genau diese Mischung gehört zum Prinzip von dotdotdot: die Filme sollen nicht nur konsumiert werden, sondern als Ausgangspunkt für Begegnung, Diskussion und neue Perspektiven dienen.

„Kunst und Kultur brauchen Raum“, sagt Philipp Grünbacher, CEO der Mozart Event Group und Hauptmieter des Palais Auersperg. Das historische Ambiente und der Park sollen dafür einen besonderen Rahmen schaffen.

Wo fühlen wir uns sicher?

Inhaltliches Herzstück der Sonderausgabe ist der neue Schwerpunkt „In These Moments I Feel Safe“. Dahinter steht eine ebenso persönliche wie politische Frage: Was brauchen wir, um uns sicher zu fühlen – und wie entstehen Räume, in denen Menschen tatsächlich sein können, wer sie sind?

Acht Kurzfilmprogramme beschäftigen sich unter anderem mit psychischer Gesundheit, Kommunikation im Gesundheitswesen, Sorgearbeit, Intimität, inklusiven Räumen und radikaler Nähe. Zahlreiche Filmschaffende sind persönlich zu Gast, darunter Sybille Bauer-Zierfuß, Josephine Ahnelt, Anna Vasof, Gudrun Fürlinger, Rom Sheratzky, Christiana Perschon und Sophie Bösker.

Kino für alle

Offenheit ist bei dotdotdot nicht nur ein inhaltlicher Anspruch. Seit 2015 versteht sich das Festival als Österreichs erstes barrierefreies Filmfestival. 2026 kommt ein verstärkter Fokus auf unterschiedliche Aspekte von Neurokomplexität hinzu. Das Festival bietet unter anderem schwellenlosen Zugang mit Voranmeldung, eine barrierefreie Toilette und eine induktive Höranlage. Alle Filme laufen in Originalfassung mit englischen Untertiteln, ausgewählte Screenings zusätzlich mit deutschen Untertiteln für gehörlose und schwerhörige Menschen. Bei bestimmten Veranstaltungen werden Moderationen und Filmgespräche außerdem in Österreichische Gebärdensprache gedolmetscht. Auch die Ticketpreise sollen niemanden ausschließen: Nach dem Pay-as-you-can-Prinzip kann zwischen 5, 10 und 15 Euro gewählt werden. Zusätzlich steht ein Freikarten-Kontingent zur Verfügung.

Sign Night, queeres Kino und Animated Nights

Zu den Highlights gehört erneut die „Sign Night“. Unter dem Titel „What Moves Us“ stehen diesmal gehörlose Athlet:innen im Mittelpunkt. Zur Kinopremiere von „Unerhört sichtbar“ ist Katrin Neudolt zu Gast. Filmemacher Christoph Kopal begleitete die österreichische Spitzensportlerin bei den Badminton-Bewerben der Deaflympics 2025 in Tokio.

Eine Carte blanche erhält Isa Schieche, deren „Die Räuberinnen“ 2024 mit dem dotdotdot-Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Ihr Programm „Dreams, Possibilities and Lessons“ versammelt Arbeiten aus vier Jahrzehnten über trans, queere und lesbische Lebenswelten, Liebe, Sexualität, Freund:innenschaft und Familie.

Fixpunkt bleiben außerdem die Animated Nights. Das Festivalfinale am 23. September wird mit „Sing! The Animusical Edition“ besonders verspielt: Neun animierte Mini-Musicals erzählen von intergalaktischen Zwischenfällen bis zu epischen Alltagsdramen im Möbelhaus und in der Fischabteilung.

Wer hinter dotdotdot steckt

Veranstaltet wird das Festival vom dotdotdot – Verein zur Kultivierung der kurzen Form. Seit 2015 arbeitet das Team daran, Kurzfilm sichtbarer zu machen und innovative inklusive sowie barrierefreie Filmvermittlung zu entwickeln. Rund 3.000 Besucher:innen kommen mittlerweile jeden Sommer zum Festival. In der Online-Videothek stehen zudem rund 600 Festivalfilme kostenlos zum Streaming bereit.

Seit 2022 hat dotdotdot mit „Kikeriki“ außerdem ein Geschwisterchen: Das Kinderkurzfilmfestival in Tulln richtet sich an Kinder ab drei Jahren und ihre Erwachsenen und ist seit 2025 mit ausgewählten Veranstaltungen auch in Wien zu Gast.

© Peter Griesser

Festivalleiterin und Initiatorin beider Festivals ist Lisa Mai (Bild links). Die Absolventin der Filmakademie Wien arbeitet seit 2004 als Filmkuratorin, Filmvermittlerin und Kulturmanagerin. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf inklusiven und barrierefreien kulturellen Begegnungsräumen – eine Haltung, die dotdotdot bis heute prägt.

Zwölf Abende für neue Perspektiven

Eröffnet wird am 12. September mit „Where We Belong“. Danach folgen jeden Abend um 19.30 Uhr neue Kurzfilmprogramme und Filmgespräche. Am 19. September steht die Sign Night auf dem Plan, am 22. September übernimmt Isa Schieche mit ihrer Carte blanche und am 23. September endet die Sonderausgabe mit der Animated Night.

INFO:
dotdotdot Open Air Kurzfilmfestival 2026
12.–23. September 2026, Beginn 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr
Palais Auersperg, Eingang Trautsongasse 1b, 1080 Wien
Programm & Vorverkaufsstart: 24. August 2026

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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