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Sonntag, Juli 3, 2022

Love me Kosher: Liebe und Sexualität im Judentum

Bild: ©Ursula Raberger

Das Jüdische Museum Wien befasst sich bis 13. November 2022 mit Liebe und Sexualität im Judentum. Die Ausstellung im Museum Dorotheergasse geht vom paradiesischen Zustand nach der Erschaffung der Welt aus. Besucher*innen können über die Betrachtung von Liebe und Sexualität in Tora und Talmud, jüdische Hochzeitsrituale, Wien als Zentrum der Sexualwissenschaft um 1900, bis hin zu „Dr. Ruth“ Westheimer und den aktuellen Diskussionen im modernen Judentum zu Partnerschaft und LGBTIQ-Themen erfahren.

Himmlische Lust

„Im Judentum nehmen Liebe und Sexualität einen hohen Stellenwert ein. Dass der Anfang des Lebens eine zwischenmenschliche Beziehung voraussetzt, proklamiert schon die Tora: ‚Gott segnete Adam und Eva und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret Euch und erfüllet die Erde.‘
Sexualität ist somit ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Dass beide Partner dabei Glücksgefühle empfinden, gilt als Pflicht. Die freudige und lebensbejahende Tradition des Judentums wirkt in Ehe und Beziehungen ein. Reinheitsgebote spielen dabei eine wichtige Rolle. In der Kabbala hat die Sexualität eine spirituelle und kosmische Dimension. Die Verbindung von Mann und Frau ist eine Vereinigung von Weisheit und Verstand, die Erkenntnis schafft. Die Hochzeit ist ein heiliges Ereignis, das den Menschen vollkommen macht. Um die stetige Neuverhandlung dieser Grundlagen zu zeigen, sollen in der Ausstellung auch die Ansichten aktuell in Wien tätiger Rabbiner zu den unterschiedlichsten Themen durch Interviews aufgezeigt werden.“

Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, befasst sich mit „Love me Kosher“ mit Liebe und Sexualität im Judentum.
Venus as a Boy (TERRA SANCTA) – ©Benyamin Reich

Der Paradiesgarten von André Heller und zeitgenössische Kunst

In der Ausstellung nimmt auch die Auseinandersetzung von Sexualität und zeitgenössischer Kunst einen hohen Stellenwert ein. Erstmals wird André Hellers Paradiesgarten in einem Museum präsentiert. Als magischer Ort der Sinnlichkeit, des Staunens, der Kontemplation, der Freude, der Heilung und der Inspiration wird André Hellers Paradiesgarten Anima bei Marrakech beschrieben. André Heller schafft mit seinen Gärten eine Vorstellung des irdischen Gartens Eden. Sie sollen uns in das Paradies als Ursprung allen Lebens und der Sexualität führen. Dort beginnt unsere Entdeckungsreise zu Liebe und Sexualität im Judentum.

Ein offener Umgang mit Sexualität zeigt sich vor allem in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Viele Kunstschaffende, wie Arik Brauer, Marc Chagall, Eva Schlegel, Benyamin Reich und Friedensreich Hundertwasser, beschäftigen sich in ihren Werken mit Liebe und Sex und sind mit ihren Arbeiten in der Ausstellung vertreten.

100 Prozent unkoscher? Jüdisch und queer

Grundsätzlich sind männliche homosexuelle Handlungen im Judentum verboten. In der Tora steht: „Du sollst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; ein Greuel ist das“ (Wajjikra/Lev 18, 22). Weibliche Homosexualität wird weder in der Tora, noch in der rabbinischen Literatur erwähnt. Im Gegensatz zum orthodoxen Judentum sind konservative und liberale Gemeinden offener. So werden in der Wiener Gemeinde Or Chadasch auch Trauungen gleichgeschlechtlicher Partner gefeiert. Mit der Gründung des Kibbutz Klub im Jahr 2013 verbreitete sich auch in Wien ein weltoffeneres Lebensgefühl nach dem Vorbild Tel Avivs. Trotzdem sehen sich queere Mitglieder der orthodox geprägten Wiener Israelitischen Kultusgemeinde mit einer weitgehenden Ablehnung von Homosexualität konfrontiert.


INFO

Jüdisches Museum Wien
Dorotheergasse 11, 1010 Wien
Bis 13. November 2022
Sonntag bis Freitag, 10.00 bis 18.00 Uhr
jmw.at

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