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Dienstag, Juni 25, 2024

Vorstellung: Kunst

Simon Quendler

Der Kunstschaffende über das Aufbrechen von Strukturen, die Suche nach der Urfarbe und seine nächste Ausstellung im Red Carpet Showroom am Karlsplatz.

Kunst muss sich wieder erheben!

Sieht man dem Künstler in seiner Werkstatt beim Arbeiten zu, würde man nicht denken, dass am Ende ein klassisches Gemälde entstehen soll. Vielmehr mutmaßt man, sich an einem apokalyptischen Filmset oder in einem Labor zu befinden. Zwischen Feuer, Kohle, Bronzegüssen, Leinwänden, Aschehaufen, Wasserfässern, ausgestopften Vögeln und Farbbergen entstehen Werke, die in internationalen Museen, Auktionshäusern und Galerien zu finden sind. Während Simon Quendler eine Leinwand bespannt, schmelzen neben ihm im 3.000 Grad heißen Hochofen Metalle und Erdmaterialien, die anschließend in die Gemälde eingebaut werden. Das laute Geräusch der Motoren, die für die Erhitzung benutzt werden, hallt durch die Räumlichkeiten. „Das Aufbrechen von Strukturen mittels Verbrennung ist ein essenzieller Prozess, der uns dem Ursprung näherbringt“, erwähnt Quendler beiläufig.

Im nächsten Schritt beginnt der Maler mit dem Mischen von Ölen und Farben mittels einer selbst gebauten Zentrifuge, was höchste Konzentration erfordert. Aus einem Sammelsurium von konservierten Farben entstehen so, nach alchimistischem Vorbild, Farbmischungen, mit denen anschließend gemalt werden soll. Diese extremen Verfahren sorgen dafür, dass sich die Werke teilweise noch während der Ausstellungseröffnung durch Oxidation verändern und für „Erscheinungen“ sorgen. Ohne den Einfluss des Künstlers scheint sich durch „Geisterhand“ ein Objekt in den Vordergrund zu ‚drücken‘. Dieser von Simon Quendler erfundene Effekt sorgte schon im Landesmuseum Niederösterreich für Verwirrung, als ein Triptychon – ein fast drei Meter langes dreiteiliges Gemälde – während der Ausstellung kleine Elefanten zum Vorschein brachte. Anrufe von Museumsbesuchern beim Künstler waren in den Tagen darauf die Folge und stilisierten die Illusion letztendlich zum Gesamtkunstwerk hoch.

Wenn man sich weiter umschaut, entdeckt man beim Besuch der Werkstatt Quendlers einen 70 Kilogramm schweren Bronze- Fisch mit Federn statt Flossen, der über einen Zeitraum von drei Monaten vom Künstler gegossen wurde. Die Skulptur mit dem Namen „Hybris“ wird am 19. Februar im Künstlerhaus bei der Ausstellungseröffnung zu sehen sein. Quendlers Suche geht noch viel weiter, als man im ersten Moment erahnen würde. Für große Verwunderung beim Rundgang in der Arbeitsstätte sorgen große Wasserfässer, die eingelagert sind, denn auch in diesem Element werden Farbexperimente vorangetrieben. Für ein Artist-in-Residence- Projekt des Unternehmens Verbund lebte der Künstler 2011 über zwei Monate an den Staubecken der Mur, um Teilchen aus dem Wasser zu filtern, die für die Farbgebung relevant sind. Diese Basis bildet eine spezielle blaue Farbgebung, die sich in diversen Bildern findet und die für Quendler charakteristisch geworden ist. „Es geht nicht vordergründig um die Zerstörung des Bestehenden, sondern um die Besetzung von Gewohntem mit neuen Materialeigenschaften und den folgenden kreationistischen Aufbau mittels Malerei. Die Suche nach der ‚Urfarbe‘ ist die Suche nach der Göttlichkeit an sich! Kunst muss sich wieder erheben, zu Größerem führen“, erzählt der Kunstschaffende. Vielleicht trifft genau durch diese Thematik Quendlers Ausstellung besonders die Wunden unserer Zeit und besticht durch die Ruhe, mit der an dieses ernste Thema herangegangen wird.

Nur wenige Sammler erhielten Zugang zum exklusiven Wirkungsareal des medienscheuen Künstlers, weshalb die kommende Ausstellung im Red Carpet Showroom am Karlsplatz zu einem Must-see für Presse, Sammler und Kunstinteressierte wird, da dort ein Teilnachbau seines Ateliers zu sehen sein wird, um den Besuchern die Möglichkeit zu bieten, an seine Arbeitsweise herangeführt zu werden. Jedoch ist diese Ausstellung nur eine Vorschau auf seine große Einzelausstellung im Künstlerhaus ab 19. Februar 2015. Zur feierlichen Eröffnung um 19 Uhr laden der Rote Teppich für junge Kunst und die Galerie The House Gras.

 

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