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Wien
Dienstag, April 16, 2024

Wie läuft’s? Es geht. – Barbara Kaudelka im Schwein(ehund)sgalopp

©Carina Antl

Die warmen Temperaturen der vergangenen Wochen bescherten Wien ein Stadtbild, das sich sonst meist erst gegen Mitte April bietet. Bunter wird’s! Nicht nur wegen der zart knospenden Bäume oder der ersten Frühlingsblumen, die schlaftrunken ihre Köpfchen aus den Beeten der Stadt emporrecken. Unterstützt werden die farbenfrohen Frühlingsboten von zahlreichen Läufer*innen, die in knallbunter Panier durch die Parks und Gassen tschörteln und Farbe in die Bundeshauptstadt bringen. Das und einen Hauch von Panik, weil einem dämmert, dass man den Ungustl von innerem Schweinehund heuer wohl etwas früher aus dem bequemlichen Winterschlaf watschen muss. Geht scho, Motivation! Also schnallte ich mir die Laufschuhe um, stöpselte die Playlist „Rennen statt Raunzen“ ein und warf mich mit feinstem Metalcore im Gehörgang quasi volley aus der Hibernation in den Ring. Also auf den Ring. Mission: erste Laufrunde des neuen Jahres.

Ging es ohne Schmerzen vonstatten? Durchaus. Ohne Geschnaufe? Sagen wir so: Die Elégance eines leichtfüßigen -Lipizzaners hatte meine Performance wahrscheinlich nicht, aber zum soliden Dampfross reichte es allemal. Beuschelziehen und Seitenstechen blieben auf erträglichem Level und ich war on fire! Ich lief, ich machte Meter … unbesiegbar … topfit … quasi Rocky Balboa … yes, baby – Eye of the Tiger! Als mich auf Höhe des Parlaments eine Gruppe rüstiger Lauf-Seniorinnen überholte, während sie mühelos miteinander plauderten und gackerten wie ein Hühnerstall, musste ich dann doch kurz innehalten. Das war … nun ja … autsch.

Ich blickte hoch in Pallas Athenes versteinerte Miene: Oh, she was judging, Freunde, she was judging! Und zwar nicht die quietschbunten Laufoutfits der Marathon-Omis. Während ich der neonfarbenen Lauftraube ungläubig hinterherglotzte, erschallte in meinem Kopf eine Lautsprecherdurchsage: „Die kleine Kondition möchte bitte aus der Versenkung abgeholt werden!“ Okay, eventuell war das eben doch kein Runner’s High, sondern mangelhafte Sauerstoffversorgung meines Gehirns, die mich denken ließ, ich hätte nix von der mühsam aufgebauten Lauf-Kondi des Vorjahres eingebüßt. Okay, eventuell war das Einzige, das mein Home-Laufband über die Wintermonate in Bewegung erlebt hatte, das Abstaubtuch, das ab und zu mal die Schicht der Schande beseitigte. Tja, das hieß dann wohl zurück an den Start. Gehend. Auf der Suche nach Puste. Die Omis waren mittlerweile umgedreht und liefen retour Richtung Oper. Sie passierten mich und zwei der Ladys bemerkten, wie ich sie bewundernd ansah, während ich noch dezent nach Luft japste. Sie zwinkerten mir zu – eine rief: „Imma ans Ziel denken, dann geht’s glei leichter!“ Und die andere lachte: „Unseres is’ immer die Mehlspeis’ am Schluss der Runde.“
Pfeif auf Rocky Balboa, ich hab neue Heldinnen!


Barbara Kaudelka ist Schauspielerin, Tonstudiosprecherin, Medienmensch und vormagazin-Kolumnistin.
Bild: ©Michael Taborsky

Barbara Kaudelka ist Schauspielerin, Tonstudiosprecherin, Medienmensch und vormagazin-Kolumnistin.
Bild: ©Michael Taborsky

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