30.8 C
Wien
Montag, August 15, 2022

Wiener Linien

Die Klimaanlage, bei der es nie Streit gibt? Alexander Facco lacht – und zeigt in eine der Bim-Montagebuchten: „Das schafft wohl nur diese Straßenbahn hier.“ Dabei grinst der Techniker fröhlich. Denn die Oldtimer-Tram, die hier, in der Hauptwerkstätte der Wiener Linien in Wien Simmering, gerade auf der Hebebühne steht, ist das Gegenteil von dem, was Fahrgäste heute erwarten: offene Plattformen, zugige Schiebefenster, Türen ohne Dichtung, und der Fahrer stand draußen, im Freien.

„Heute wäre das unzumutbar“, weiß der 37-Jährige. Und trotzdem – allen recht machen kann man es eben nie: „Nur eines ist unumstritten: Die ‚richtige‘ Temperatur gibt es nicht. Nicht nur bei uns, das ist ja in jedem Büro und auch bei der Autofahrt in den Urlaub ewiges Thema.“ Dennoch versuchen Alexander Facco und seine sechs Klimaspezialisten dem unerreichbaren Ideal zumindest nahezukommen: Facco und sein Team betreuen die Klimaanlagen im (Schienen-)Fuhrpark der Wiener Linien. Aber: Nein, man kann den Techniker nicht anrufen und für die Fahrt vom Jonas-Reindl nach Gersthof am Montag um 17.32 Uhr die persönliche Wunschtemperatur bestellen. Obwohl das sicher lustig wäre. „Die Soll-Temperatur im Inneren unsere Fahrzeuge beträgt 22 Grad“, erklärt der Techniker, „nur: die zu erreichen und dann auch zu halten ist schwer. Das hängt von 1.000 Faktoren ab.“ Und: Der Unterschied zur Außentemperatur soll maximal 5 Grad betragen.

 

Denn das „richtige“ Klima in der Bim ist ein bisserl komplizierter zu erzeugen als im Büro, im Hotel – oder im PKW: Zum einen, weil ein 35-Meter-ULF Wind, Sonne und Wetter andere „Angriffsflächen“ bietet als (gut dämmbare) Hauswände, Fenster oder Autos. Zum anderen, weil auch ein Reisebus nicht alle zwei Minuten stehenbleibt und alle Türen für eineinhalb Minuten aufreißt, während ein paar hundert Menschen ein- oder aussteigen. Da mit den Klimageräten, die seit den 2000er Jahren bei allen neu angeschafften ULFs, modernen U-Bahnen (den sogenannten V-Wägen) und Niederflurbussen auf den Dächern montiert sind, gegenzusteuern, weiß der Klima-Mann, „ist hochkomplex.“ Und mit den Aufgaben einfacher „privater“ Klimaanlagen kaum zu vergleichen: Jedes klimatisierte Öffi-Fahrzeug hat außen und innen etliche Sensoren. Diese Temperaturfühler vergleichen nonstop Innen- und Außentemperaturen – und geben die Daten an die auf dem Dach montierten „HKL-Kombigeräte“ (HKL steht für „Heizen – Kühlen – Lüften“) weiter. Schon auf der „kurzen“ 24-Meter-Tram sind das drei massive Geräte – auf einem U-Bahn-Zug sitzen gleich 14 Stück. Und die Klimaanlagen tun dann – untereinander vernetzt –, was Klimaanlagen eben tun. Freilich unter Bedachtnah- me darauf, ob da gerade mehr „Heizer“ (=Menschen) vorne oder hinten stehen. „Natürlich brauchen diese Anlagen Energie“, räumt Facco ein. „Aber das ist weit weniger, als wenn alle mit dem Auto im Stau stehen und dort die Klimaanlagen laufen.“ Klimaanlagen in den Öffis, erklärt der Techniker, sind „heute ‚Stand der Technik‘: Ohne geht es nicht mehr. Weltweit.“ Aber: Wieso eigentlich? Wiener Linien-Sprecher Dominik Gries weiß es: „Wenn wir die Leute aus dem Auto in die Öffis holen wollen, müssen wir jenen Komfort bieten, der im Auto als Standard gilt. Heute gibt es ja nicht einmal mehr Cabrios ohne Klimaanlage.“

Deshalb gilt in Wiens Öffi-Netz: Ältere Fahrzeuge (egal ob Bus, Bim oder U-Bahn) fahren noch „oben ohne“ – aber alles, was neu in den Dienst gestellt wird hat das Dach voll Klimatechnik. Um zu wissen, ob man „gekühlt“ fahren wird, muss man nicht aufs Dach steigen. „Bei den ULFs ist das ganz leicht: Die mit runden und innen stehenden Blinkern haben eine Klimaanlage – die anderen nicht.“

 

 

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