Beitragsbild: Jürgen Partaj übernimmt das Zepter der Tschauner Bühne von Monika Erb. Sie werben gemeinsam für unterhaltsames Sommertheater in Wien. © Basiskultur / Mehdi Rahmat
Jürgen Partaj übernahm im Juni 2026 die Leitung von BASiS.KULTUR.WiEN und der Tschauner Bühne. Der „Hofmusikdirektor“ über Kultur für alle, Wiener Identität und neue Ideen.
An kaum einem anderen Ort zeigt sich Wiens kulturelle Vielfalt so deutlich wie zwischen Hofburg und Grätzlbühne. Genau zwischen diesen Welten bewegt sich Jürgen Partaj seit Jahren mit großer Selbstverständlichkeit. Als Direktor der Wiener Hofmusikkapelle prägte er eine der ältesten Musikinstitutionen des Landes. Nun schlägt er ein neues Kapitel auf: Seit Juni 2026 leitet der Kulturmanager, Musiker und Jurist BASiS.KULTUR.WiEN – und übernimmt damit auch die Verantwortung für die traditionsreiche Tschauner Bühne.
Für Partaj ist dieser Wechsel kein Bruch, sondern eine konsequente Fortsetzung seines Kulturverständnisses. Hochkultur und Basiskultur gehören für ihn untrennbar zusammen. „Ich habe den Anspruch, traditionsreiche Institutionen nicht versteinern zu lassen, sondern mit neuen Ansätzen weiterzuentwickeln und eine Brücke zwischen allen Formen der Kultur und den Menschen zu bauen“, sagt er. Dieser Gedanke prägte bereits seine Arbeit mit den Neuen Wiener Stimmen und an der Hofmusikkapelle, wo er auf Nachwuchsförderung, kulturelle Vielfalt und einen möglichst niederschwelligen Zugang setzte. Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Institutionen und Interessenvertreter*innen habe ihn gelehrt, tragfähige Lösungen zu entwickeln, ohne den inhaltlichen Anspruch aus den Augen zu verlieren. Kulturarbeit, davon ist er überzeugt, müsse immer den Menschen dienen und dürfe niemals Selbstzweck sein.
Mit BASiS.KULTUR.WiEN übernimmt Partaj eine Organisation, die mehr als 400 Kulturvereine betreut, Festivals organisiert sowie Bildungs- und Jugendprojekte in den Wiener Bezirken umsetzt. Besonders reizt ihn die dezentrale Kulturarbeit. Kultur solle dort stattfinden, wo Menschen leben und sich begegnen. „Kultur für alle bedeutet Barrieren abbauen und Sichtbarkeit schaffen. Teilhabe bedeutet mitgestalten dürfen und nicht nur eingeladen werden.“ Genau darin sieht er die besondere Stärke der Organisation: kulturelle Angebote nicht nur in die Bezirke zu bringen, sondern gemeinsam mit den Menschen weiterzuentwickeln und neue Zielgruppen zu erreichen.
ALS BESONDERE STÄRKE von BASiS.KULTUR.WiEN nennt Partaj die große thematische Bandbreite – von Jugendförderung und Vereinsarbeit über Eigenveranstaltungen bis hin zu den Tochtergesellschaften Tschauner Bühne, Kultursommer Wien und Junge Theater Wien. Diese Vielfalt eröffne zahlreiche Möglichkeiten für Kooperationen und neue Formate. Zugleich möchte er an die erfolgreiche Arbeit seiner Vorgängerin anknüpfen und bestehende Strukturen gemeinsam mit dem Team behutsam weiterentwickeln.
„Jede gelungene Kulturarbeit beginnt mit echter Neugier auf Menschen und ihre Geschichten.“
-Jürgen Partaj
Eine Schlüsselrolle nimmt für ihn die Tschauner Bühne ein. Das letzte regelmäßig bespielte Stegreiftheater Europas sei ein unverzichtbarer Bestandteil der Wiener Theaterlandschaft und weit mehr als nostalgische Sommerunterhaltung. Für Partaj steht die Bühne exemplarisch für eine lebendige Wiener Kultur tradition, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und Menschen unterschiedlicher Generationen zusammenbringt. Besonders am Herzen liegt Partaj die nächste Generation. Junge Menschen versteht er nicht nur als künftiges Publikum, sondern als aktive Gestalter des kulturellen Lebens. Kultur könne Bildung, Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Tradition sieht er dabei nicht als starres Erbe, sondern als etwas, das sich ständig weiterentwickeln muss. Wer junge Menschen für kulturelle Angebote begeistern wolle, müsse ihnen nicht nur bestehende Formen vermitteln, sondern auch Raum geben, eigene Ausdrucksformen und neue Traditionen zu entwickeln.
DIE GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNGEN für das Kulturleben sieht er in der allgemein angespannten Budgetsituation in Österreich und den steigenden Kosten. Gleichzeitig plädiert er dafür, Kultur nicht nur als Ausgabeposten, sondern als gesellschaftliche Investition zu verstehen. Tradition müsse zwar erlebbar bleiben, dürfe aber nie zum Stillstand führen, sondern müsse offen für neue Perspektiven und Entwicklungen sein. Sein langfristiges Ziel für Wien formuliert er klar: „Den Zugang zur Kultur noch stärker zu öffnen, Barrieren an Orten und in den Köpfen weiter abzubauen und kulturelle Teilhabe für alle zu ermöglichen.“ Denn Kultur, davon ist Partaj überzeugt, entsteht dort, „wo Menschen zusammenkommen.“

Gemma Tschaunern! Klassische Stegreifkomödien, Konzerte, Kabarett, Kinderprogramme und Gastspiele stehen im August auf dem Spielplan.




Tschauner Bühne ist Weltkulturerbe
MEHR ALS EIN SOMMERTHEATER. Sie gilt als das letzte regelmäßig bespielte Stegreiftheater Europas und zählt zu den charmantesten Kulturorten der Stadt. Gegründet 1909 als einfaches Vergnügungstheater, prägen bis heute improvisierte Dialoge, Wiener Schmäh und unmittelbarer Kontakt zum Publikum den besonderen Charakter der Tschauner Bühne. Legendär sind die spontanen Reaktionen auf Wetterkapriolen. Beginnt es zu regnen, wird das Dach geschlossen, ein Ritual mit Kultsta- tus. Viele bekannte Künstlerinnen und Künstler sammelten hier ihre ersten Bühnenerfahrungen.
INFO:
tschauner.at



