Beitragsbild: © Stefan Dienser
Mit seinem zweiten Festivaltag fand „Rund um die Burg“ am 9. Mai 2026 einen stimmigen Abschluss. Nach dem fulminanten Auftakt im Café Landtmann verlagerte sich das literarische Geschehen am Samstag ins Vestibül im Burgtheater. Bei freiem Eintritt herrschte den gesamten Vormittag reges Kommen und Gehen, zwischen Lesungen, Gesprächen und jenen spontanen Begegnungen, die gute Literaturfestivals oft erst wirklich ausmachen.
Persönliche Geschichten, politische Gegenwart
Eröffnet wurde der zweite Festivaltag von Christian Klinger und Walter Posch – zwei Autoren, deren Zugänge kaum unterschiedlicher sein könnten und gerade deshalb einen spannenden Auftakt bildeten. Klinger sprach mit Ursula Scheidlüber seinen Roman Giovanni, du stinkst!, über literarische Umwege, autobiografische Spuren und seine langjährige Verbindung zu Italien. Posch wiederum stellte mit Schräg gegen die Zeit einen Text vor, der mit scharfem Witz und analytischer Präzision auf jene Fragen blickt, die unsere Gegenwart bestimmen – von geopolitischen Konflikten bis zu gesellschaftlichen Verschiebungen.
Literatur trifft auf Musik trifft
Einen der atmosphärisch dichtesten Momente des Vormittags schuf Otto Brusatti mit „10 Neu – Duineser Elegien“, begleitet von Elias Kim an der Bratsche. Literatur und Musik traten hier nicht nebeneinander auf, sondern gingen für einen Moment ganz selbstverständlich ineinander über. Direkt im Anschluss setzte die Poesiegalerie mit Daniela Chana und Affäre mit einem Erzähler sowie Barbara Pumhösel mit Wortnester einen bewusst gesetzten Akzent für die Lyrik – leise, konzentriert und gerade deshalb besonders präsent.
Literatur als Erinnerung und Intervention
Dass Literatur weit mehr sein kann als reine Erzählung, zeigte der weitere Verlauf des Vormittags. Elena Messner präsentierte mit Die Ablenkung einen Roman, der politische Verantwortung ebenso verhandelt wie gesellschaftliche Mechanismen. Besonders eindrucksvoll war auch der Auftritt von Marko Dinić mit Buch der Gesichter. Im Gespräch mit Ursula Scheidl sprach er über Erinnerungskultur, persönliche Verbindungen zum Balkan und über Literatur als Möglichkeit, historische Brüche erzählerisch weiterzudenken.
Ein emotionaler Schlusspunkt
Den Abschluss von „Rund um die Burg“ 2026 gestaltete schließlich die vielfach ausgezeichnete Autorin Julya Rabinowich mit Mo & Moritz. Mit ihrer ebenso fein beobachteten wie emotional präzisen Erzählung über Identität, Nähe und das Überschreiten gesellschaftlicher Grenzen setzte sie den letzten literarischen Akzent dieses Festivalwochenendes.
Literatur mitten in Wien
Mit zwei Festivaltagen, 15 Stunden Literatur und 21 renommierten Autorinnen und Autoren hat „Rund um die Burg“ auch 2026 eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig, vielfältig und gesellschaftlich relevant österreichische Gegenwartsliteratur heute ist. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher machten das Festival erneut zu einem besonderen literarischen Treffpunkt im Herzen Wiens. Die Vorfreude auf die nächste Ausgabe ist bereits da – der Termin für „Rund um die Burg“ 2027 wird in Kürze bekanntgegeben.















