Es grünt so grün auf Wiens Bim-Gleisen

Beitragsbild: © Wiener Linien / Simon Woehrer

Wo die Bim rollt, sprießt immer öfter zartes Grün: Bereits rund zwölf Kilometer begrünter Gleise durchziehen Wien, heuer kommen 600 Meter dazu. Das kühlt die Stadt, speichert kostbares Regenwasser und macht das Öffi-Fahren noch schöner.

Ob Linie 1 oder D, ob O, 18 oder 71: Bereits auf vierzehn Straßenbahnlinien gleitet die Bim über weiche Polster statt über grauen Schotter oder kahlen Beton. Den größten Anteil am grünen Netz hat mit 8,5 Kilometern klassischer Rasen, je rund zwei Kilometer entfallen auf Sedum und auf Lochplatten – das sind Betonelemente, deren Zwischenräume mit Pflanzen gefüllt sind und die damit Stabilität und Grün verbinden. Zuletzt kamen begrünte Abschnitte bei der neuen Linie 27, der Linie 12, beim Frödenplatz (Linie 11) sowie auf der Rechten Wienzeile/Margaretengürtel hinzu (Linie 6 und Linie 18).

© Wiener Linien / Christian Fuerthner

Auf einem Grüngleis mit Sedum-Bewuchs der Linie 18 (v. l. n. r.): Ulli Sima, Stadträtin für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke; Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin Wiener Stadtwerke und Alexandra Reinagl, Vorsitzende der Geschäftsführung, Wiener Linien. Im Vergleich: Rasenbepflanzung bei der Linie 12.

KÜHLENDER EFFEKT.

Bis Ende Oktober wächst das Netz nun um weitere 600 Meter, verteilt auf gleich mehrere Baustellen: Bei der verlängerten Linie 18 liegt beim Ernst-Happel-Stadion schon ein 70 Meter langes Teilstück, dazu kommen die Windtenstraße in Favoriten für die Linie 1 sowie die Pantucekgasse und die Simmeringer Hauptstraße für die Linien 11 und 71. Der Gewinn liegt nicht nur in der Optik. „Begrünte Gleise können Regenwasser aufnehmen und speichern. Durch die Verdunstung entsteht Kühlung, was speziell an heißen Sommertagen wichtig ist“, betont Öffi-Stadträtin Ulli Sima. Zugleich entstünden neue Grünflächen mitten im dicht verbauten Gebiet, die Stadt und Öffis attraktiver machten. Das zahlt sich gerade dort aus, wo Asphalt und Fassaden im Hochsommer zu wahren Hitzespeichern werden: Statt Wärme abzustrahlen, gibt das Grün Feuchtigkeit ab, und Regen versickert vor Ort, anstatt den Kanal zu belasten. Die Pflanzen fangen außerdem Feinstaub ein, und je nach Aufbau dämpft der grüne Teppich auch das Rollgeräusch der Garnituren.

Grüngleis-Abschnitte sind nicht nur optisch ein Gewinn: Die üppige Bepflanzung mit Rasen oder robustem Sedum verschafft an heißen Tagen Kühlung. Bienen finden hier zusätzlich einen „Naschplatz“.

© Wiener Linien / Timo Peischl

RASEN ODER SEDUM?

Welche Bepflanzung passt, entscheidet der Standort. Rasen bietet die üppigste Optik und – ausreichend Feuchtigkeit vorausgesetzt – die stärkste Verdunstungskühlung, verlangt aber regelmäßigen Schnitt, eine tiefere Substratschicht und bei Hitze oft zusätzliche Bewässerung. Er spielt seine Stärken auf breiten, gut erreichbaren Trassen mit verlässlicher Wasserversorgung aus, etwa auf Abschnitten, die zeitweise im Schatten von Bäumen oder Häuserzeilen liegen. Sedum, auch Fetthenne genannt, ist dagegen der Spezialist für die Extreme: Die Dickblattgewächse bilden flache, dichte Matten, wachsen nie zu hoch und lagern Wasser in ihren fleischigen Blättern ein. So überstehen sie Trockenphasen und pralle Sonne, brauchen kaum Pflege und kommen mit einem dünnen, leichten Aufbau aus – ideal für exponierte, heiße Abschnitte, auf denen Gras rasch verdorren würde.

Als Draufgabe blühen die Polster im Sommer gelb, weiß oder rosa und locken Bienen an. „Wir prüfen bei allen Bim-Neubauprojekten und -Modernisierungen, ob ein Grüngleis möglich ist“, erklärt Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien. Gewählt werde jeweils die Ausführung, die zu Ort und Rahmenbedingungen passe: „Egal ob Rasen oder Sedum: Wir forcieren Grüngleise, weil sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und auch noch das Stadtbild aufwerten.“ Ganz ohne Grenzen geht es allerdings nicht. Voraussetzung ist ein eigener Gleiskörper, den die Tram nicht mit dem Autoverkehr teilt, denn wo regelmäßig Busse, Pkw oder Einsatzfahrzeuge darüberrollen, verkümmert das Grün. Auch Haltestellen, Kreuzungen, Weichen und Unterführungen bleiben grundsätzlich ausgespart.

Ein Vergleich, der überzeugt: Vorher grauer Beton und Asphalt; nachher einladende Grünpolster zwischen den Gleisen in der Simmeringer Hauptstraße. © Wiener Linien
© Wiener Linien
Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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