Beitragsbild: Peter Biwald bei seinem Besuch bei uns in der Redaktion. © Sandra Oblak
Von der Wiese bis zur Stadiontribüne: Ein neues Buch erzählt Österreichs Fußballgeschichte aus der Perspektive der Leopoldstadt. Und zeigt, wie viel sich über das große Spiel erfahren lässt, wenn man einen Bezirk genauer anschaut.
Der Prater kann vieles: Ausflugsziel sein, Rückzugsort, Bühne für eine lange Nacht. Er ist aber auch ein Stück österreichisches Fußballgedächtnis. Auf seinen Wiesen wird nachweislich seit dem Sommer 1894 gekickt. Was damals beginnt, wächst weit über den zweiten Bezirk hinaus.
Mit „Von der Praterbahn zum Ernst-Happel-Stadion“ widmen Mario Kubista, Bernhard Hammer und Thomas Pöltl dieser Geschichte ein ganzes Buch. Ihr Ausgangspunkt ist die Leopoldstadt, ihr Thema der österreichische Fußball. Eine naheliegende Verbindung: Kaum irgendwo lässt sich dessen frühe Entwicklung so dicht erzählen wie hier.
Ein Bezirk spielt sich nach vorne
2026 gibt es dafür einen doppelten Anlass. Zwei wichtige Ereignisse jähren sich zum 125. Mal: 1901 findet auf der Praterbahn das erste inoffizielle Länderspiel zwischen Österreich und der Schweiz statt. Im selben Jahr gewinnt mit dem Wiener Athletiksport Club, kurz WAC, ein Praterverein die erste österreichische Fußballmeisterschaft. Das Wort „inoffiziell“ gehört dabei ebenso zur Geschichte wie der Meistertitel. Der frühe Fußball war eine Welt im Werden. Was später selbstverständlich erscheint – Wettbewerbe, Spielklassen, internationale Begegnungen –, muss erst seine Form finden. Die Leopoldstadt ist einer der Orte, an denen das passiert ist.
Große Namen, viele Geschichten
Die Reise führt zu den „Cricketern“, zum WAC und zur Hakoah. Namen, die zur Geschichte des österreichischen Fußballs gehören und heute sehr unterschiedliche Bilder hervorrufen. Das Buch bringt ihre Erfolge, Niederlagen und prägenden Persönlichkeiten wieder ins Blickfeld. Dabei bleibt es nicht bei den frühen Jahrzehnten. Mit dem SC Maccabi Wien und dem FC Altera Porta reicht die Erzählung bis in die Gegenwart. Das ist eine gute Entscheidung: Wer Fußballgeschichte nur von ihren berühmtesten Namen her denkt, übersieht leicht, wo sie weitergeschrieben wird. Zwischen Praterbahn und Ernst-Happel-Stadion liegt deshalb mehr als eine Strecke auf dem Stadtplan. Es liegt die Entwicklung eines Sports, der vom Spielen auf der Wiese bis zum großen öffentlichen Ereignis reicht. Und dessen Geschichte auch dort stattfindet, wo keine volle Tribüne zuschaut.
Die Tabelle als Gedächtnis
Zum erzählerischen Zugang kommt ein umfangreicher statistischer Teil. Laut Buchankündigung werden erstmals sämtliche Abschlusstabellen der obersten Spielklassen des Wiener und österreichischen Fußballs von den Anfängen bis heute gemeinsam veröffentlicht – bei den Männern ebenso wie bei den Frauen. Das ist Material für Menschen, die gern nachschlagen, vergleichen und einer verschwundenen Vereinsbezeichnung nachgehen.

Von der Praterbahn zum Ernst-Happel-Stadion
Von den ersten Spielen auf den Praterwiesen bis zur Gegenwart: Mario Kubista, Bernhard Hammer und Thomas Pöltl erzählen in „Von der Praterbahn zum Ernst-Happel-Stadion“ Österreichs Fußballgeschichte am Beispiel der Leopoldstadt. Mit legendären Vereinen, prägenden Persönlichkeiten und allen Abschlusstabellen der höchsten Spielklassen der Männer und Frauen.
368 Seiten, gebunden
19,5 × 25 cm.
Oktober 2026
ISBN 978-3-903989-98-6
Erhältlich um € 39,90
Drei Autoren mit Nähe zum Spiel
Die Autoren bringen unterschiedliche Perspektiven mit. Mario Kubista, Jahrgang 1961 und Bauingenieur, ist seit 1989 Mitglied im Deutschen Sportclub für Fußballstatistiken und 2026 Mitgründer des Vereins „Wiener Fußball Geschichten“.
Bernhard Hammer, Jahrgang 1962, arbeitet als Bibliothekar und lebt seit Jahrzehnten in der Leopoldstadt. Seine Interessen gelten der Lokalgeschichte, der Genealogie und besonders dem Torwartspiel.
Auch Thomas Pöltl, Jahrgang 1967, ist Bibliothekar und stand einst im Nachwuchs des SK Sturm Graz im Tor. Heute spielt er weiterhin Fußball, inzwischen als Verteidiger. Mit der Mitgründung des „Club 2×11 – die Fußballdiskussion“ und der Gründung der „Fußballbibliothek“ bei den Büchereien Wien hat er außerdem Orte geschaffen, an denen über das Spiel nachgedacht wird.



