Kein Schmäh, klare Rechnung: Rücksicht in den Öffis kostet nichts. Schlechte Manieren schon.

Beitragsbild: v.l.n.r. Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, Wiens Mobilitätsstadträtin Ulli Sima und Alexandra Reinagl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Wiener Linien und Mitarbeiter:innen der Wiener Linien. © Stadt Wien / Christian Fürthner

Mit „Host no immer kan Genierer?!“ setzen die Wiener Linien ihre Rücksichtskampagne fort. Wer die Öffi-Regeln bewusst ignoriert, muss mit 50 Euro Strafe rechnen. Ab 6. November sind die neuen Sujets in der Stadt zu sehen.

Eine U-Bahn ist vieles: Arbeitsweg, Heimfahrt, Treffpunkt auf Zeit. Vor allem aber ist sie aber auch ein Raum, den man mit Mitmenschen teilt. Dass dabei nicht jedes Telefonat zur öffentlichen Angelegenheit und nicht jede Fahrt zur Jausenpause werden muss, sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Tut es offenbar nicht immer. Die Wiener Linien legen deshalb nach. Auf „Host kan Genierer?“ aus dem Frühjahr folgt jetzt „Host no immer kan Genierer?!“. Der Ton bleibt wienerisch, die Botschaft wird deutlicher. Oder, wie es auf den neuen Plakaten heißt: „Bist für andere a Qual, dann zahl!“

Wiener Linien geben Störfaktoren einen Preis

Die Kampagne greift Situationen auf, die vielen Fahrgästen bekannt vorkommen dürften: Essen in der U-Bahn, Telefonieren mit Lautsprecher, Hunde ohne Maulkorb und die Mitnahme von E-Scootern während der Stoßzeiten in der U-Bahn. Was für die einen praktisch oder harmlos wirkt, kann für andere unangenehm werden. Genau an diesem Punkt setzt die Kampagne an: Gemeinsamer Raum braucht gemeinsame Regeln. Wer sie bewusst missachtet, muss mit einer Strafe von 50 Euro rechnen. Öffi-Stadträtin Ulli Sima formuliert den Anspruch so: „Unser Ziel ist nicht maximale Bestrafung, sondern maximale Rücksichtnahme und das bestmögliche Fahrerlebnis für alle Fahrgäste.“

„Unser Ziel ist nicht maximale Bestrafung, sondern maximale Rücksichtnahme und das bestmögliche Fahrerlebnis für alle Fahrgäste.“

–Mobilitätsstadträtin Ulli Sima

Weniger Beanstandungen seit dem Frühjahr

Die erste Runde der Kampagne sorgte auch außerhalb Wiens für Aufmerksamkeit. Eine Umfrage rund einen Monat nach ihrem Start lieferte zudem Hinweise darauf, dass die Botschaft angekommen war: Rund drei Viertel der Befragten gaben damals an, die Kampagne habe sie dazu veranlasst, störende Verhaltensweisen wie Essen in der U-Bahn, Telefonieren mit Lautsprecher oder das Tragen des Rucksacks am Rücken zu unterlassen. Auch die Zahl der registrierten Beanstandungen ging zurück. Zum Kampagnenstart im März waren es rund 12.000, im September 8.898 und im Oktober 8.283. Das entspricht einem Rückgang von rund 26 beziehungsweise 31 Prozent gegenüber März. Die Entwicklung ist erfreulich.

Meist reicht ein Hinweis

Kontrolliert wird die Einhaltung von Hausordnung und Beförderungsbedingungen von rund 300 Mitarbeitenden des Service- und Sicherheitsdienstes sowie von den Kontrollorinnen und Kontrolloren der Wiener Linien. Ihre Erfahrung: Die große Mehrheit der Fahrgäste verhält sich bereits rücksichtsvoll und kooperativ. In vielen Fällen genügt eine Ermahnung. Konsequenter vorgehen wollen die Wiener Linien dort, wo Menschen die Regeln trotz wiederholter Hinweise bewusst ignorieren. Geschäftsführerin Alexandra Reinagl sagt dazu: „Unsere Fahrgäste erwarten zu Recht, dass die Wiener Linien für ein gutes Miteinander in den Öffis sorgen.“ Auch Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, betont die gemeinsame Verantwortung: Ein angenehmer Öffi-Alltag brauche Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme.

„Unsere Fahrgäste erwarten zu Recht, dass die Wiener Linien für ein gutes Miteinander in den Öffis sorgen.“

-Wiener Linien GF Alexandra Reinagl

Eine Ansage, die mitfährt

Ab 6. November sind die neuen Sujets im gesamten Stadtgebiet zu sehen. Dazu kommen interaktive Quizze auf Infoscreens, Social-Media-Formate und Informationen auf den eigenen Kanälen der Wiener Linien. Stationsdurchsagen bringen die Regeln direkt dorthin, wo sie gebraucht werden.

INFO:
www.wienerlinien.at/hostkangenierer

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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