Die Schaffnerin mit der Zwickzange privat

Die Schaffnerin mit der Zwickzange

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Emma Wenda zur Schaffnerin umgeschult. Nun feierte sie ihren 106. Geburtstag.

Emma Wenda sitzt zufrieden auf ihrer Terrasse im Pensionistenhaus Laaerberg, während sie aus ihrem Leben erzählt. Vor kurzem feierte die ehemalige Schaffnerin ihren 106. Geburtstag. Sie ist somit eine der ältesten lebenden MitarbeiterInnen der Wiener Linien. Die gelernte Köchin musste sich 1940 zur Schaffnerin umschulen lassen und einen „Männerberuf“ erlernen. Die meisten Männer waren während des Kriegs an der Front, daher -waren in dieser Zeit viele Frauen im öffentlichen Dienst tätig, erzählt Frau Wenda. 


Heute lebt Emma Wenda im Pensionistenhaus Laaerberg in Favoriten. – ©privat

VERBUNDENHEIT
Die Arbeit als Schaffnerin war nicht immer leicht, vor allem im Winter, wo es in den offenen Waggons sehr kalt wurde, und natürlich während des Kriegs. In dieser Zeit bewies Frau Wenda immer wieder ihre Zivilcourage. Einmal zum Beispiel stieg ein SS-Offizier zu ihr in die Straßenbahn. Er wollte einen jüdischen Mann aus ihrer Straßenbahn werfen. Das hat die couragierte Schaffnerin mit viel Mut verhindert. In früheren Jahren waren SchaffnerInnen jene Bediensteten, die unmittelbar Kontakt mit den Fahrgästen hatten. Sie hatten die Aufgabe, Tickets zu verkaufen und zu kontrollieren. Bis 1961 wurden die Fahrscheine mit Zwickzangen entwertet, die später durch moderne Stempelzangen ersetzt wurden. Bis 1970 war Frau Wenda als Schaffnerin im Einsatz. Ihre Verbundenheit zu den Öffis blieb ihr auch in der Pension: „Wenn ich an einem Tag nichts vor hatte, machte es mir immer Spaß, in eine Straßenbahn einzusteigen und bis zur Endhaltestelle zu fahren“, erzählt die 106-Jährige. Heute lebt Emma Wenda im Pensionistenhaus Laaerberg in Favoriten.