Ein Kaffee rettet den Tag, zwei vielleicht das Kaffeehaus Michael Chuop / Fachgruppe Wien der Kaffeehäuser
Aktion

Ein Kaffee rettet den Tag, zwei vielleicht das Kaffeehaus

Kaffeehäuser gehören zu Wien wie das Riesenrad und die Sachertorte. Doch auch diese Institution kämpft mit den Folgen der Corona-Krise: Die Gäste bleiben aus! Die Fachgruppe Wien der Kaffeehäuser startet daher nun eine Kampagne zur Rettung der Betriebe. Prominente Künstlerinnen und Künstler wie Adele Neuhauser, Josef Hader, Nicholas Ofczarek, Thomas Maurer und Michael Ostrowski unterstützen das Projekt. Sie rufen in amüsanten Kurzvideos dazu auf, wieder öfter das Lieblingscafé zu besuchen und dort nicht nur einen, sondern ab jetzt zwei Kaffees zu genießen.

Das Wiener Kaffeehaus erlebt seit vielen Jahrhunderten Auf und Ab`s. Seit 1683 bis heute wird in der Hauptstadt gewerblich Kaffee in einem Kaffeehaus ausgeschenkt. Dazwischen liegen Wirtschaftskrisen, Kriege, politische Wirren und gesellschaftliche Veränderungen. Doch sie alle konnten diesem einmaligen Lokalkonzept bis heute kaum etwas anhaben. Die aktuelle Situation ist allerdings für viele Betriebe eine besondere Herausforderung: „Die Corona-Krise, der zweimonatige Shutdown und die rasante Veränderung des Ausgehverhaltens danach sowie die herrschende Unsicherheit führten bei vielen Kaffeehäusern zu dramatischen Umsatzeinbrüchen und existenziellen Sorgen. Die Auslastung liegt aktuell oft nur bei 40 – 50 %“, beschreibt Wolfgang Binder, Obmann der Fachgruppe Wien der Kaffeehäuser und Inhaber des Café Frauenhuber, die prekäre Situation, „viele sind noch im Homeoffice, Geschäftstermine finden oft noch nicht wieder im Kaffeehaus statt und natürlich merken wir auch ganz stark das Ausbleiben der internationalen Gäste.“

 

Mehr Zeit – mehr Kaffee

Unter dem Motto „Ein Kaffee kann den Tag retten, zwei vielleicht das Kaffeehaus“ ersuchen die Wiener Kaffeehäuser daher nun die Wienerinnen und Wiener um ihre Unterstützung. „Das Kaffeehaus ist ja seit jeher ein Ort, wo Zeit und Raum konsumiert und genossen werden. Man kann hier ganz leicht Stunden verbringen, ob zum Plaudern, Arbeiten oder einfach nur Leute beobachten. Am Ende steht dann aber oft nur ein Kaffee auf der Rechnung – in Zukunft hoffentlich zwei“, so Alexandra Psichos, Eigentümerin des Café Haller über die Idee. Verbildlicht wird die Kampagne mit sieben Videos, die nun erstmals präsentiert wurden. Fünf Prominente stellen sich dafür in den Dienst der guten Sache: Josef Hader, Adele Neuhauser, Nicholas Ofczarek, Thomas Maurer und Michael Ostrowski inszenieren in kurzen Clips die Bedeutung der Wiener Kaffeehäuser und ihre ganz persönlichen Rettungsgedanken.

 

Prominente Unterstützer

„Ich bestelle mir immer gleich einen zweiten Kaffee. So glauben alle, da sitzt noch jemand, und ich habe meine Ruhe beim Schreiben“, hat Josef Hader augenzwinkernd erkannt. Den Trick wendet auch Thomas Maurer an, doch ist er manchmal dann doch froh, wenn ihn jemand stört: „So ist man wenigstens nicht selbst schuld, wenn einem nichts einfällt.“ Ganz nach der alten Volksweisheit „Der Tod soll ja ein Wiener sein. Wie dem auch sei, Hauptsache er kommt nicht in mein Lieblingscafé“, möchte auch Nicholas Ofczarek die Wiener Kaffeehäuser vor dem Ende bewahren. „Grüß Gott Herr Professor! Küss‘ die Hand Frau Magister! – Wo, außer im Kaffeehaus, gibt es noch Sitten wie diese und vor allem wie lange noch“, ist auch Michael Ostrowski von der Notwendigkeit der Kaffeehaus- Rettung überzeugt. „Trinken wir für jeden ausbleibenden Touristen einen Kaffee mit“, stimmt dann auch Adele Neuhauser mit ein. Entwickelt wurden die Videos von der Agentur kratkys.net. Authentisch, humorvoll und vor allem typisch wienerisch zeigen sie die Dringlichkeit der Situation. Damit die Kaffeehäuser bald wieder voll und auf der Rechnung dann nicht nur ein kleiner Brauner, sondern auch ein zweiter steht.

Wien: Kaffeehauskultur zwischen Tradition und Hipster-Chic

– Das erste Wiener Kaffeehaus wurde im Jahr 1683, also vor über 335 Jahren, eröffnet. Von Beginn an spielt die Qualität des Kaffees eine wesentliche Rolle.

– Aktuell gibt es in Wien rund 2.200 Kaffeehäuser, Kaffeerestaurants, Kaffeekonditoreien und Espressi.

– Der Bogen spannt sich von rund 130 so genannten Traditionskaffees bis hin zu kleinen, modernen Röstereien mit speziellen Trend-Kreationen und einem Revival des Filterkaffees.

– Die Wiener Kaffeehausbetriebe sind weltberühmt und ein Besuch in einem der zahlreichen Cafés ist für die Touristen ein fixer Bestandteil des Besichtigungsprogramms. Über 80 % der Wien-Gäste besuchen, genießen und schätzen das Wiener Kaffeehaus.

– Seit 10. November 2011 ist die Wiener Kaffeehauskultur als „typische gesellschaftliche Praxis“ in das Verzeichnis des nationalen immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

– Die Fachgruppe Wien der Kaffeehäuser gehört zur Sparte Tourismuswirtschaft. Hier werden in rund 470 Betrieben ca. 1.700 Lehrlinge ausgebildet, davon rund 200 in der Fachgruppe Kaffeehäuser.

– Rund 51.000 ArbeitnehmerInnen sind in der Gastronomie und Beherbergungsbranche tätig (exkl. geringfügig Beschäftigter). Die Lehrberufe „Koch/Köchin“ sowie „Restaurantfachmann/-frau“ sind regelmäßig unter den Top 10 der beliebtesten Lehrberufe in Wien.

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