Ein Turm als Leinwand: Moldauische Kunst erobert den Ringturm

Beitragsbild: Der moldauische Biennale-Künstler Pavel Brăila verhüllt den Ringturm mit „Your Happiness is in Your Own Hands“. © Hertha Hurnaus / Wiener Städtische Versicherungsverein

Mitten im ersten Bezirk hat der Ringturm wieder seine zweite Haut bekommen. Diesmal ist sie farbig, erzählerisch und überraschend intim: Die neue Verhüllung „Your Happiness is in Your Own Hands“ des moldauischen Künstlers Pavel Brăila wurde am 25. Juni offiziell eröffnet – und macht den Ringturm für die kommenden Wochen zu einer der größten Kunstinstallationen im öffentlichen Raum Europas.

4.000 Quadratmeter Kunst im Stadtbild

Was sonst Teil der Wiener Skyline ist, wird zur Bildfläche: 4.000 Quadratmeter Stoff, gespannt über das VIG-Headquarter, verwandeln den Ringturm in ein monumentales Kunstwerk zwischen Architektur, Plakat und Skulptur.

Die Arbeit von Brăila wurde im Beisein hochrangiger Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur präsentiert – darunter der stellvertretende Premierminister der Republik Moldau Eugeniu Osmochescu und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Bis Ende September bleibt die Installation sichtbar und prägt damit den Sommer im Stadtzentrum auf ungewöhnlich leise, aber präsente Weise.

Glück als kulturelle Frage

Der Titel der Arbeit klingt fast wie eine private Erinnerung: Your Happiness is in Your Own Hands. Doch Brăila denkt größer – und zugleich alltäglicher. Im Zentrum der Bildsprache stehen Hände, Bewegungen, Gesten. Sie zeigen die Zubereitung von Sarmale, einem traditionellen Gericht aus Moldau. Keine folkloristische Kulisse, sondern eine visuelle Choreografie von Handlungen, die Identität, Herkunft und Weitergabe von Wissen erzählen. Das Glück, so die Idee, ist hier kein abstrakter Zustand, sondern etwas, das durch Tun entsteht – durch Wiederholung, Erinnerung und Weitergabe.

Wien trifft Chișinău – und bleibt nicht stehen

Für Eugeniu Osmochescu ist die Verhüllung weit mehr als ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Sie steht für eine Beziehung zwischen Ländern, die sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell verdichtet.

Die Zusammenarbeit zwischen Österreich und Moldau, so der Tenor, zeigt sich nicht nur in Investitionen und Märkten, sondern in Vertrauen, Begegnung und kulturellem Austausch. Der Ringturm wird damit zu einer Art sichtbarem Zwischenraum – zwischen Diplomatie und Alltag, Wirtschaft und Kunst. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betont diese Dimension: Partnerschaften entstehen nicht durch Verträge allein, sondern durch gemeinsame Bezugspunkte. Und genau solche Momente schafft die Kunst am Ringturm.

Ein Projekt mit Tradition – und internationalem Fokus

Die Verhüllung des Ringturms ist längst mehr als eine einmalige Intervention. Bereits zum 18. Mal wird die Unternehmenszentrale des Wiener Städtischen Versicherungsvereins künstlerisch transformiert. Das Konzept: internationale zeitgenössische Kunst sichtbar machen – und jene Länder einbinden, in denen die Vienna Insurance Group (VIG) wirtschaftlich tätig ist. Pavel Brăila ist bereits der zehnte Künstler aus der CEE-Region, der diese Fläche gestaltet.

Ein Künstler zwischen Erinnerung und Migration

Brăila selbst gehört zu den international renommierten Stimmen seiner Generation. Geboren 1971 in Chișinău, arbeitet er zwischen Film, Video, Installation und Performance. Seine Arbeiten wurden unter anderem auf der documenta11, der documenta14 und der Manifesta 10 gezeigt, außerdem in Institutionen wie der Tate Gallery in London. Seine Themen: Erinnerung, Identität, Migration – und die Frage, wie sich persönliche und kollektive Geschichten überlagern.

Kulinarik, Gespräche und ein Land im Fokus

Die Eröffnung wurde von einem Abend begleitet, der Moldau nicht nur als geopolitischen Raum, sondern als kulturelle Landschaft zeigte. Traditionelle Speisen wie Sarmale oder Babă neagră trafen auf moldauische Weine und Gespräche zwischen Diplomatie, Wirtschaft und Kunst. Ein Land, das in Wien für einen Moment nicht als abstrakte Region erscheint, sondern als konkrete Erfahrung – über Geschmack, Sprache und Bilder.

Am Bild v. l. Dr. Eugeniu Osmochescu (stellvertretender Premierminister und Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Digitalisierung der Republik Moldau), Dr. Wolfgang Hattmannsdorfer (Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus der Republik Österreich), Künstler Pavel Brăila, Mag. Robert Lasshofer (Vorstandsvorsitzender des Wiener Städtischen Versicherungsvereins), Mag. Peter Höfinger (Deputy CEO Vienna Insurance Group) und Dr. Günter Geyer (Aufsichtsratspräsident des Wiener Städtischen Versicherungsvereins). ©️ Wiener Städtische Versicherungsverein / Richard Tanzer
Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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