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Samstag, Juni 25, 2022

Frau mit Stimme und Gitarre

Mira Lu Kovacs
Das neue Album der 33-Jährigen ist ihr erstes Soloprojekt und so persönlich wie Musik nur sein kann – entstanden im Lockdown inklusive (milder) Corona-Erkrankung.

Mitten in einem Arbeitsbesuch in Los Angeles musste Mira Lu Kovacs im März 2020 plötzlich alles ab­brechen und nach Österreich zurückfliegen. Das ­Außenministerium hatte dringende Warnungen an alle Österreicher im Ausland ausgeschickt. Aus war es mit dem Leben on tour – denn die Songschreiberin, Sängerin und Gitarristin spielt seit Jahren in vielen Formationen und veröffentlichte auch schon jede Menge Alben. Sie war etwa Mastermind des Trios „Schmieds Puls“, die Stimme der avantgardistischen Supergroup „5K HD“, sowie Gitarristin bei „My Ugly Clementine“. Nebenbei komponierte sie dem Belvedere das Corporate Design.

Karriere mit vielen Bands
Bis zu zehn Bandmitglieder hatte sie zeitweilig zu koordinieren. Und doch litt sie zeitweise immer wieder auch daran, dass Frauen in der Popszene nur als schönes Beiwerk gesehen werden. „Mich hat am meisten genervt, dass man mich nur als Sängerin gesehen hat. Ich war eine Zeitlang limi­tiert in dieser Rolle – obwohl ich längst alles arrangiert, komponiert und sogar gemanagt hatte. Ich wollte, dass die Menschen verstehen, dass
da ein großes Kunsthandwerk dahinter­steckt, denn ich überlasse nichts gerne dem Zufall.“

Aufgewachsen ist die Musikerin im Burgenland und im Speckgürtel von Wien, wo sie auch eine Musikschule besuchte, nachdem ihren ­Eltern aufgefallen war, dass sie überall herumklopft und Freude an Tönen hatte. An der Bruckner Univer­sität in Linz studierte
sie Jazzgesang und mit Walter Singer und Christian Grobauer entwickelte sie die Idee zu „Schmieds Puls“, einem Projekt, das seine Jazzwurzeln nicht verleugnen konnte. Mit dem ­Debütalbum des Trios „Play Dead“, das 2013 erschien, kam ihre Karriere so richtig in Schwung. Es folgten ­diverse Bandprojekte und zahlreiche Preise wie der Amadeus. 2018 spielte sie bei der Eröffnung der Wiener Festwochen unter anderem eine Interpretation des Arbeiterprotestsongs von 1927 „Die Arbeiter von Wien“ mit dem Duo „EsRap“. Im Jahr darauf kuratierte sie ­gemeinsam mit Yasmo das 10. Popfest Wien.

Selbstbildnis mit Gitarre: Die Musikerin studierte an der Anton Bruckner Universität in Linz. – ©Hanna Fasching
Selbstbildnis mit Gitarre: Die Musikerin studierte an der Anton Bruckner Universität in Linz. – ©Hanna Fasching

What Else Can Break
Aber schließlich musste erst eine Pandemie ausbrechen, damit Mira Lu Kovacs ihr erstes Soloalbum unter ihrem Namen komponieren konnte. Ohne Auftritte hatte sie plötzlich Zeit und war in der richtigen Stimmung, um sich in ihrer Wohnung ein kleines Aufnahmestudio mit ordentlichen Mikrofonen einzurichten. Sonst brauchte sie nicht viel, denn „What Else Can Break“ besteht in der Hauptsache aus ihrer Stimme und ihrem Gitarrenspiel. Die zwölf Songs sind intime, fragile Kunstwerke, die von Liebe und Beziehungen handeln. Dass Kovacs auch eine Corona-Erkrankung überstehen musste, hat das Album auch nicht unbedingt fröhlicher gemacht. „Der Stress und die Anspannung bei Konzerten – ich habe ja immer Lampenfieber – geht mir nicht ab. Aber die Verbindung zum Publikum natürlich schon. Wenn Menschen bei einem Konzert emotional mitgehen – da kommt schon was zurück.“ Kovacs hat aber keine Probleme damit, denn Freizeit ist für sie sowieso ein „komisches Wort“. Selbst wenn sie in der Sonne sitzt, denkt sie über Musik und Klänge nach.

Stay A Little Longer
Kovacs hat keine Scheu, persönliche Abgründe in Liedform zu präsen­tieren, vergangene Lieben zu beschreiben oder Dialoge mit sich selbst zu führen. Auf dem Video zu „Stuck“, dem ­ersten Song des Albums, erzählt
sie von Gefühlsschwankungen und sitzt dabei – allerdings angezogen – in der Badewanne. Direkt während ihrer eigenen Covid-Erkrankung ist „Stay A Little Longer“ entstanden, als sie zwar nicht wirklich Angst vor einem schlimmen Verlauf hatte, aber sich doch Bettruhe verordnen musste. Der vielleicht beste, sicher aber eindringlichste Song des Albums, hat – wie die Künstlerin erzählt – anderen Mut gemacht. Und man versteht, was Kovacs mit dem für sie wichtigen Begriff der „Radical Softness“ meint.


WHAT ELSE CAN BREAK – Play Dead

WHAT ELSE CAN BREAK – Play Dead
Auf dem ganzen Album ist natürlich Mira Lu Kovacs mit Stimme und Gitarre zu hören – nicht bei allen Nummern und in wechselnder Zusammensetzung spielen Alex Kerbl am Schlagzeug, Beate Wiesinger am Bass und Mona Matbou Riahi an der Klarinette. Sophie Lindinger fungiert gemeinsam mit Kovacs als Produzentin.

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