Buchkritik: Mord, Medienwahnsinn und jede Menge Schmäh

Beitragsbild: © Symbolbild / Canva

Ein Toter im Heustadl, eine Reality-TV-Show und ein Dorf, das plötzlich im Scheinwerferlicht steht: Mit „Blind Date im Heu“ liefert Herbert Hirschler eine herrlich bissige Krimikomödie voller Tempo, Witz und österreichischem Charme. Fast bis zur letzten Seite bleibt offen, wer tatsächlich hinter weiteren Morden steckt – und genau das macht diesen Roman zu einem ebenso spannenden wie unterhaltsamen Lesevergnügen. Sie lesen eine Buchkritik von Dr. Ursula Scheidl.

Eine wunderbar pointierte Milieustudie des Dorflebens

Im idyllischen Marienschlag soll eine spektakuläre Kuppelshow für Aufregung sorgen. Doch was als romantisches TV-Event beginnt, endet live zur besten Sendezeit mit einem Todesfall. Mitten im Chaos ermittelt erneut Revierinspektorin Marie Unterholzer – bodenständig, klug und mit trockenem Humor. Unterstützung erhält sie diesmal wieder von ihrer Freundin Janine, einer exzentrischen Wienerin, die als Strohwitwe im Dorf lebt, während ihr weltberühmter Geiger-Ehemann rund um den Globus konzertiert. Gemeinsam geraten die beiden in ein Geflecht aus Dorftratsch, Eitelkeiten, Geheimnissen und medialer Inszenierung.

Zwischen Zirbenschnaps, Fernsehkameras und falschen Fassaden

Herbert Hirschler gelingt dabei eine wunderbar pointierte Milieustudie des Dorflebens. Zwischen Zirbenschnaps, Fernsehkameras und falschen Fassaden entfaltet sich ein Krimi, der sich angenehm flüssig liest und sofort den Wunsch weckt, tiefer in die Geschichte einzutauchen. Marienschlag wirkt dabei gleichzeitig idyllisch, skurril und gefährlich – ein Ort, an dem jeder jeden kennt und dennoch niemand die ganze Wahrheit sagt.

Besonders gelungen ist die Mischung aus Spannung und Humor. Hirschler nimmt das Reality-TV-Genre gekonnt aufs Korn und stellt die Frage, was passiert, wenn echte Gefühle auf mediale Inszenierung treffen. Oder wie der Autor selbst sagt: „Reality-TV ist für mich ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen Echtheit und Inszenierung.“

Und auch sein literarisches Erfolgsrezept bringt er treffend auf den Punkt:

„Der österreichische Schmäh ist meine Geheimwaffe. Er entschärft, ohne die Geschichte ins Lächerliche zu ziehen.“

Mit viel Gespür für Dialoge, Situationskomik und überraschende Wendungen bestätigt Herbert Hirschler einmal mehr sein Talent für mörderisch gute Unterhaltung. „Blind Date im Heu“ ist eine ebenso humorvolle wie spannende Reise in die Abgründe des Dorflebens – voller schräger Figuren und mit einem Finale, das bis zuletzt offenbleibt.

Kurzbiografie Herbert Hirschler

© beigestellt

Herbert Hirschler, geboren 1965, ist Songtexter für mehr als 700 Musiktitel unterschiedlichster Genres, Krimiautor sowie Verfasser mehrerer Wanderbücher. Mit Krimilesungen und Vorträgen über seine Pilgerreisen ist er im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs. Er lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf im südlichen Niederösterreich – dort, wo er Ruhe findet und zugleich Inspiration für seine mörderisch unterhaltsamen Geschichten sammelt.

Herbert Hirschler, „Blind Date im Heu“
Krimikomödie aus Österreich
ueberreuter Verlag
224 Seiten
€ 16,-

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