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Donnerstag, September 29, 2022

Veli Kavlak

Veli Kavlak: Mein Ottakring

Als Veli Kavlak an diesem Freitagnachmittag im Mai aus der Moschee in die Veronikagasse tritt, bildet sich sofort eine Traube aus Kindern um ihn, jedes einzelne will ein Selfie mit ihm machen. „Ich bin jetzt acht Monate nicht mehr hier gewesen“, wird Kavlak später dazu sagen, „da haben die Leute schon Sehnsucht gehabt.“ Ob er sich selbst auch nach Ottakring gesehnt habe? „Ja, natürlich, hier sind ja meine Wurzeln.“ Seinen Hauptwohnsitz hat Kavlak seit fünf Jahren in Istanbul, auf der asiatischen Seite. „Da ist es ruhiger“, sagt er. Mit Beşiktaş ist der Mittelfeldspieler gerade türkischer Meister geworden, auch wenn er selbst erst in der Rückrunde zum Einsatz gekommen ist. 14 Monate lang hatte er eine schwierige Schulterverletzung auskurieren müssen, weshalb die Nummer 19 der österreichischen Nationalmannschaft auch nicht in den EM-Kader berufen wurde. Für die Ottakringer ist er freilich trotzdem ein Star. Während er selbst seinen hiesigen Bekanntheitsgrad unabhängig von seinem Beruf sieht: „Hier in der Gegend kennt einfach jeder jeden.“

Kindheitsträume

„Abi“, also „Bruder“, nennen Kavlak hier die meisten, so auch Hakan, der zufällig vorbeikommt. „Mit ihm bin ich aufgewachsen“, sagt Kavlak. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr hat er gemeinsam mit seinem Vater in der Römergasse gewohnt, vormittags besuchte er die Volksschule in der Odoakergasse. Schon damals seien seine Interessen aber anders gelagert gewesen. „Sobald ich aus hatte, bin ich in den Stöberpark gegangen und habe da Fußball gespielt, jeden Tag bis zum Abend“, erinnert er sich. Als wir am Park ankommen, versperren Baustellengitter den Weg. „Was haben‘s aufgeführt mit meinem Park?“, fragt Kavlak laut, aber unernst. Ob es sein Vater gewesen sei, der ihm hier Tricks beigebracht habe? „Nein, der ist Tormann, der kann nicht Fußball spielen.“ Ganz anders steht es da um seinen Freund Sertan Günes, der gerade von der Arbeit gekommen ist und sich anschließt. Günes, jahrelang Kapitän des Wiener Sportklubs, sei immer ein Vorbild für ihn gewesen, sagt Kavlak. Seit sechs Jahren sind die beiden befreundet, auf WhatsApp schreiben sie sich täglich. „Neulich habe ich mal wieder Ursehnsucht nach Sertan gehabt, das passiert mir manchmal“, berichtet Kavlak.

Loyalitäten

Sein erster Weg zurück in Wien habe ihn dennoch woandershin geführt: „Normalerweise nehme ich den Flieger um 12:25 Uhr ab Istanbul. Vom Flughafen in Wien fahre ich dann sofort zu Saray Kebab.“ Der Döner dort sei schlicht viel besser als in Istanbul, wo er außerdem einem strengen Ernährungsplan folge. „Das wird auch fad nach fünf Jahren.“ Nicht nur deswegen könne sich Kavlak einen erneuten Wechsel vorstellen. Sein Vertrag mit Beşiktaş läuft noch drei Jahre, irgendwann will er wieder bei Rapid spielen, vielleicht zum Karriereende hin. „Ich will dorthin zurück, wo alles angefangen hat“, sagt er und sieht sich um in seinem Ottakring.

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