Wie Wien Kreislaufwirtschaft lebt

Beitragsbild: v.l.n.r.: Präsident LK Wien Norbert Walter, Vizepräsidentin LK Wien Irene Maria Trunner, Andreas Maurer (Biohof Maurer), Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. © LK Wien/Theresa Wey

Was haben Schweine, gesunde Böden und Klimaschutz miteinander zu tun? Eine ganze Menge. Am Biohof Maurer in Leopoldau zeigt sich, wie Landwirtschaft in der Großstadt zum funktionierenden Kreislauf werden kann – und warum Wien dieses Prinzip künftig noch stärker nutzen will.

Ein Kreislauf, der seit Jahrhunderten funktioniert

Kreislaufwirtschaft klingt nach einem Konzept der Zukunft, ist in der Landwirtschaft aber seit jeher zu Hause: Pflanzen werden zu Tierfutter, Tiere liefern Lebensmittel und Dünger, dieser versorgt wiederum die Böden mit Nährstoffen, auf denen neue Pflanzen wachsen. Boden, Pflanze, Tier und Mensch sind Teil eines Systems, in dem möglichst wenig verloren geht. Wie zeitgemäß dieses Prinzip gerade angesichts von Hitze, Trockenheit und knappen Ressourcen ist, zeigen die Stadt Wien und die Landwirtschaftskammer Wien am Biohof Maurer in Leopoldau.

„Ein zentrales Werkzeug, um den Materialverbrauch der Stadt und die damit verbundenen Treibhausgas-Emissionen und Umweltbelastungen zu reduzieren, ist die Kreislaufwirtschaft“, erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Mit dem Programm „Zirkuläres Wien – Eine runde Sache“ will die Stadt Ressourcenschonung stärker in unterschiedlichen Lebens- und Wirtschaftsbereichen verankern.

Landwirtschaft mitten in Wien

Der Biohof Maurer befindet sich seit 1647 in Familienbesitz und wurde 2015 auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Andreas Maurer bewirtschaftet heute 47 Hektar Ackerfläche und hält rund 110 Schweine, 750 Hühner sowie Kühe, Ziegen und Alpakas. Rund 90 Prozent des Tierfutters werden direkt am Hof produziert, der Rest stammt ausschließlich aus Österreich. Durch angepasste Fruchtfolgen, Humusaufbau und Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität sollen die Böden langfristig widerstandsfähiger gegen Klimaveränderungen werden.

Für Norbert Walter, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, zeigt der Betrieb, dass Nachhaltigkeit weit mehr als ein Trendbegriff sein kann: „Der Biohof Maurer zeigt, wie Landwirtschaft in einer Millionenstadt funktionieren kann.“

Klimaschutz vom Stall bis zum Solarpanel

Auch im Stall wird der Kreislauf weitergedacht. Futterrationen werden an das Alter der Tiere angepasst, Mist wird in flüssige und feste Bestandteile getrennt, um Emissionen zu reduzieren. Bäume vor dem Schweinestall spenden Schatten und binden gleichzeitig CO₂. Die mobilen Hühnerställe werden mit Solarpanelen betrieben, weitere Photovoltaikanlagen und eine Hackschnitzelheizung sind geplant. Gleichzeitig öffnet sich der Hof bewusst zur Stadt. Mit „Schule am Bauernhof“, Führungen und Direktvermarktung wird Landwirtschaft für Wiener:innen unmittelbar erlebbar.

Kreislaufwirtschaft als Klimastrategie

Gerade angesichts längerer Dürreperioden und zunehmender Hitze bekommt das Prinzip neue Dringlichkeit. Wasser mehrfach nutzen, Böden schützen und Nährstoffe möglichst im Kreislauf halten: Für Czernohorszky und Walter sind solche Maßnahmen entscheidend, um die regionale Landwirtschaft widerstandsfähiger zu machen. Der Biohof Maurer zeigt dabei im Kleinen, was Wien im Großen erreichen will: Ressourcen nicht einfach verbrauchen, sondern möglichst lange im System halten. Ein ziemlich altes Prinzip – und vielleicht gerade deshalb eines mit Zukunft.

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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