Beitragsbild: © Christina Jaegersberger
Hubert Weinheimer entwirft mit „Zirkus Morgana“ eine poetische Parabel zwischen digitaler Schöpfung und menschlicher Fragilität.
Mit „Zirkus Morgana“ gelingt Hubert Weinheimer ein eigenwilliger Roman, der die Grenzen zwischen Programmcode und gelebtem Leben auflöst. Im Zentrum steht „Version 8.03“, ein Datenbereinigungsprogramm namens Sisyphos, das beginnt, über seine Existenz hinauszudenken. Der Wunsch nach einer „handgreiflichen Welt“ führt zur Erschaffung eines Alter Ego: Peter Kaltenbacher, Statiker in Wien, geprägt von familiären Brüchen und dem Drang, Ordnung ins Chaos zu bringen.
Treffpunkt digitaler und analoger Ebene
Weinheimer verschränkt die digitale und analoge Ebene kunstvoll. Während Sisyphos die Welt zu begreifen versucht, gerät Peter in den Sog eines wandernden Zirkus – ein Ort voller Magie, Morbidität und Sinnlichkeit. Besonders die Figur der Trapezkünstlerin Jana Morgana verleiht dem Roman emotionale Tiefe. Hier verdichten sich Themen wie Liebe, Identität und das fragile Gleichgewicht menschlicher Beziehungen.
Sprachlich wagt Weinheimer viel: Er arbeitet mit rauen Bildern, ungewöhnlichen Metaphern und bewusst gesetzten Brüchen. Diese „Patinierung“ verleiht dem Text eine greifbare Körperlichkeit, die sich gegen sterile Perfektion stellt. Der Roman fordert, ohne zu überfordern, und hält seinen Leser immer wieder einen Spiegel vor.
Über den Autor
Auch der Autor selbst bewegt sich zwischen verschiedenen künstlerischen Welten: 1983 in Oberösterreich geboren, lebt Weinheimer seit vielen Jahren in Wien und ist neben seiner schriftstellerischen Arbeit als Musiker und Theatermacher aktiv. Diese Vielstimmigkeit prägt auch seine Prosa, die sich konsequent gegen glatte Oberflächen stellt. „Alles, was keimfrei und perfekt zu sein versucht, ist zwangsläufig ‚uncanny‘ oder überhaupt tot“, sagt Weinheimer über seinen Zugang zum Schreiben.
„Alles, was keimfrei und perfekt zu sein versucht, ist zwangsläufig ‚uncanny‘ oder überhaupt tot“
–Hubert Weinheimer
„Zirkus Morgana“ ist keine leichte Lektüre, aber eine lohnende. Zwischen philosophischer Reflexion und poetischer Erzählfreude entfaltet sich eine moderne Schöpfungsgeschichte, die lange nachhallt.

Hubert Weinheimer: „Zirkus Morgana“
180 S
Verlag: Müry Salzmann
€ 24,-
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