Wie Wiener Gemüsebetriebe Klimaschutz neu denken

Beitragsbild: Präsident der Landwirtschaftskammer Wien Norbert Walter, Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Martin Merschl, Verena Merschl, Thomas Merschl (Gemüsebaubetrieb Merschl Gartenbau GmbH) © LK Wien/Harald Klemm

Regionales Gemüse, weniger Emissionen und eine Landwirtschaft, die Ressourcen im Kreislauf hält: Was nach Zukunftsmusik klingt, wird in Wien bereits Realität.

Die Stadt Wien und die Landwirtschaftskammer Wien zeigen gemeinsam, wie moderne Stadtlandwirtschaft Klimaschutz, Versorgungssicherheit und innovative Technik miteinander verbinden kann. Ein Vorzeigebetrieb beweist dabei, dass aus CO₂ ein wertvoller Rohstoff werden kann.

Wenn aus CO₂ ein Rohstoff wird

Auf den ersten Blick sieht der Gemüsebaubetrieb von Martin Merschl wie ein moderner Gewächshausbetrieb aus. Tatsächlich steckt dahinter aber eine Technologie, die österreichweit eine Premiere ist: Als erster Betrieb des Landes nutzt Merschl eine Carbon-Capture-Anlage im industriellen Maßstab. Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Das bei der Energiegewinnung entstehende CO₂ wird nicht in die Atmosphäre abgegeben, sondern direkt wieder im Gewächshaus eingesetzt. Dort unterstützt es das Wachstum der Pflanzen und wird Teil eines geschlossenen Kreislaufs. Ergänzt wird das System durch eine moderne Biomasseheizung, die fossiles Erdgas ersetzt und auf regionale Energie setzt.

Kreislaufwirtschaft beginnt vor der Haustür

Für Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky zeigt das Projekt, welchen Beitrag regionale Landwirtschaft für eine nachhaltige Stadt leisten kann. Mit der Strategie „Zirkuläres Wien – Eine runde Sache“ verfolgt die Stadt das Ziel, Ressourcen möglichst lange im Kreislauf zu halten, Abfälle zu vermeiden und die Versorgungssicherheit langfristig zu stärken. Gerade im Lebensmittelbereich spielt die regionale Produktion dabei eine zentrale Rolle. Kurze Transportwege, ressourcenschonende Produktion und eine stärkere Nutzung regionaler Produkte – etwa in öffentlichen Einrichtungen – sollen dazu beitragen, Klima und Umwelt gleichermaßen zu entlasten.

Hightech trifft Gartenbau

Dass Landwirtschaft und modernste Technik längst kein Widerspruch mehr sind, zeigt der Betrieb Merschl eindrucksvoll. Auf rund 70.000 Quadratmetern Gewächshausfläche werden jedes Jahr etwa 3.000 Tonnen Paradeiser produziert und unter der Marke LGV Gärtnergemüse vermarktet. Damit zählt der Familienbetrieb zu den wichtigsten regionalen Gemüseproduzenten Wiens. Die neue Technik sorgt dabei nicht nur für geringere Emissionen. Sie macht den Betrieb auch unabhängiger von fossilen Energieträgern und stärkt die regionale Wertschöpfung.

Nachhaltigkeit wird zum Standard

Auch in vielen anderen Wiener Gartenbaubetrieben schreitet die Energiewende bereits voran. Rund 47 Prozent der Betriebe heizen heute mit Fernwärme, weitere 10 Prozent setzen bereits auf biogene Brennstoffe wie Pellets oder Hackschnitzel. Der Trend geht klar in Richtung erneuerbarer Energie und effizienter Ressourcennutzung. Unterstützt werden die Betriebe dabei von der Landwirtschaftskammer Wien. Spezielle Beratungsangebote helfen dabei, Energie-, Wasser- und Materialflüsse zu analysieren und Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten. Ziel ist es, ökologische Verbesserungen mit wirtschaftlicher Stabilität zu verbinden.

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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