Neue Wege, neue Nähe: Markus Poschner übernimmt das ORF RSO Wien

Beitragsbild: © ORF RSO Nuno / Filipe Oliveira

Ein neuer Chefdirigent, neue Formate und der Anspruch, klassische Musik noch unmittelbarer erlebbar zu machen: Mit Beginn der Spielzeit 2026/27 übernimmt Markus Poschner die Leitung des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien. Unter dem Motto „Neue Wege. Neue Nähe“ soll dabei nicht einfach ein Dirigentenwechsel stattfinden, sondern ein neues Kapitel für eines der wichtigsten Orchester des Landes beginnen.

Ein neues Kapitel für das RSO

Ganz neu ist Markus Poschner beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien nicht. Der 55-Jährige arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit dem Ensemble zusammen, gemeinsame Konzerte, Tourneen und preisgekrönte Aufnahmen verbinden Dirigent und Orchester. Mit September wird aus dieser Zusammenarbeit nun eine offizielle: Poschner übernimmt die Position des Chefdirigenten von Marin Alsop, die das RSO seit 2019 geprägt hat und dem Orchester auch weiterhin verbunden bleibt.

„Dieses Orchester steht wie kaum ein anderes für künstlerische Neugier, Exzellenz und den Mut…“

-Markus Poschner

Poschners Motto für die kommende Ära klingt dabei beinahe programmatisch: „Neue Wege. Neue Nähe.“ Das RSO soll seine musikalischen Wurzeln und seine besondere Rolle als Orchester des ORF bewahren, sich gleichzeitig aber noch stärker seinem Publikum öffnen – im Konzertsaal genauso wie im Radio, Fernsehen und Stream. „Dieses Orchester steht wie kaum ein anderes für künstlerische Neugier, Exzellenz und den Mut, immer wieder außergewöhnliche Wege zu gehen“, sagt Poschner über seine neue Aufgabe. Musik solle für ihn nicht bloß Erwartungen erfüllen, sondern berühren, überraschen und herausfordern.

Klassik darf näher kommen

Wie diese neue Nähe aussehen kann, hat Poschner bereits angedeutet. Neben klassischen Konzerten setzt er auf Formate, die einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen und die Arbeit eines Spitzenorchesters zugänglicher machen.

Eines davon ist RSO@work. Statt erst das fertige Konzert zu präsentieren, wird hier schon der Weg dorthin zum Erlebnis. Das Publikum kann beobachten, wie Dirigent und Musiker gemeinsam an einem Werk arbeiten, welche Entscheidungen während einer Probe fallen und wie sich Interpretation überhaupt entwickelt.

Die Premiere findet am 29. September um 19 Uhr im ORF RadioKulturhaus statt. Poschner arbeitet dabei mit dem RSO an einem Werk seines großen Antrittskonzerts, das zwei Tage später, am 1. Oktober im Wiener Konzerthaus, über die Bühne geht.

Zwischen Bruckner, Basel und Bayreuth

Dass Poschner musikalisch gerne über Grenzen hinweg denkt, zeigt auch seine Karriere. Seit 2017 leitete er das Bruckner Orchester Linz, wo er 2026/27 seine letzte Saison absolvierte. Seit 2025/26 steht er zudem an der Spitze des Sinfonieorchesters Basel, ab 2027/28 übernimmt er als Music Director das Utah Symphony Orchestra.

Der gebürtige Münchner ist außerdem leidenschaftlicher Jazz-Pianist und international an großen Häusern gefragt. 2022 eröffnete er die Bayreuther Festspiele mit einer Neuproduktion von „Tristan & Isolde“, in der neuen Saison stehen unter anderem sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern und ein Engagement an der Semperoper Dresden an. Auch mit dem RSO verbindet ihn bereits ein großer Erfolg: Für die Gesamteinspielung sämtlicher Bruckner-Symphonien mit dem Bruckner Orchester Linz und dem ORF RSO Wien wurde Poschner 2024 mit dem Special Achievement Award der International Classical Music Awards ausgezeichnet.

Drei Konzerterlebnisse zum Saisonstart

Bevor Poschner am 1. Oktober offiziell sein Antrittskonzert dirigiert, startet das RSO mit einem vielseitigen Septemberprogramm in die neue Spielzeit.

Am 18. September um 17 Uhr wird das ORF RadioKulturhaus bei „Abenteuer Klassik“ zum musikalischen Entdeckungsraum für die ganze Familie. Unter der Leitung von Tobias Wögerer geht es auf eine Reise durch Europa und durch die Musikgeschichte. Das Konzert richtet sich an Kinder ab sechs Jahren ebenso wie an erwachsene Klassikfans und wird später auch für ORF KIDS veröffentlicht.

Große Oper steht am 25. September um 19.30 Uhr im Wiener Konzerthaus auf dem Programm. Star-Tenor Piotr Beczała interpretiert gemeinsam mit dem ORF RSO Wien deutsche und italienische Opernarien. Die musikalische Leitung übernimmt Marco Boemi.

Den Abschluss des Septemberprogramms bildet schließlich am 29. September die erste Ausgabe von RSO@work – und damit jener Abend, an dem die Idee der „neuen Nähe“ besonders konkret wird.

INFO:
rso.orf.at

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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