Unter Strom: Philipp Hochmair macht seine Energie im MQ sichtbar

Beitragsbild: © Michael Meindl

Frisch von den Salzburger Festspielen zurück und nach einem Sommer voller „Jedermann“ war es für Philipp Hochmair höchste Zeit, die eigenen Akkus wieder aufzuladen. Doch was passiert, wenn Schauspiel nicht nur gesehen und gehört, sondern auch gemessen wird? Im MuseumsQuartier traf Hochmairs körperliche Bühnenenergie auf Sensoren, Licht, Sound und Elektromobilität. Das Ergebnis: eine ungewöhnliche Live-Performance zwischen Theater, Technologie und Experiment.

Am Samstagabend wurde die Wasserbar des Café Leopold im MuseumsQuartier für kurze Zeit zum Versuchslabor. Im Mittelpunkt: Philipp Hochmair, gerade aus Salzburg zurück in Wien, Sensoren an seinem Körper – und die Frage, ob sich jene Energie, die ein Schauspieler auf der Bühne freisetzt, eigentlich sichtbar machen lässt.

Hochmair performte ohne klassische Inszenierung und ohne vorgegebenen Ablauf. Währenddessen zeichneten Sensoren Herzfrequenz, Atmung, Sauerstoffsättigung, Hauttemperatur und Bewegung auf. Die Daten verschwanden allerdings nicht irgendwo auf einem Monitor, sondern wurden unmittelbar in Licht und Sound übersetzt.

Der Körper wird Teil der Inszenierung

Je intensiver Hochmairs Performance wurde, desto stärker veränderte sich auch der Raum. Körperliche Reaktion wurde zum audiovisuellen Material: Herzschlag, Bewegung und Atmung beeinflussten, was das Publikum sah und hörte. Damit entstand ein interessanter Perspektivwechsel. Schauspiel, sonst vor allem über Stimme, Gestik und Emotion wahrgenommen, bekam plötzlich eine messbare Ebene.

Konzipiert wurde die Installation von phase7. Für den künstlerischen Leiter Sven Beyer lag der Reiz gerade in der Verbindung zweier Welten, die zunächst wenig miteinander zu tun haben: modernster Sensortechnologie und Hochmairs unmittelbarer körperlicher Präsenz. Die Technik sollte dabei nicht bloß Effekt bleiben, sondern selbst Teil der Dramaturgie werden.

Aufladen nach dem Auftritt

Der Begriff Energie wurde an diesem Abend durchaus wörtlich genommen. Die gesamte Licht- und Soundtechnik wurde über die Vehicle-to-Load-Funktion eines Kia EV9 mit Strom versorgt. Das Elektroauto wurde damit weniger zum ausgestellten Objekt als zur mobilen Energiequelle der Performance. Nach einem intensiven Sommer – Hochmair stand auch heuer wieder als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne – bekam das inszenierte „Aufladen“ damit eine doppelte Bedeutung: erst Energie freisetzen, dann neue beziehen.

„Sensoren, Körperdaten, ein Auto, das den Strom liefert – das scheint zunächst weit weg vom Theater“, erklärte Hochmair. Gerade diese unerwartete Verbindung habe ihn jedoch gereizt: Dinge zusammenzubringen, die auf den ersten Blick nicht zueinanderpassen.

Zwischen Theater und Experiment

Dass ausgerechnet Hochmair für dieses Experiment gewählt wurde, ist nicht ganz zufällig. Der Schauspieler bewegt sich seit Jahren zwischen klassischem Theater, Film, Fernsehen und seinen eigenen, stark körperlichen Musiktheater-Formaten. Mit Produktionen wie „Jedermann Reloaded“ hat er gemeinsam mit seiner Band „Die Elektrohand Gottes“ ohnehin längst eine Form entwickelt, bei der Schauspiel eher Hochleistungssport als stilles Rezitieren ist.

Carla Hoffmann
Carla Hoffmann
Redakteurin Vormagazin

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